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Ein winziger Tropfen und ein Magnet

Forscher aus Asien entwickeln derzeit einen Schnelltest für Vogelgrippe. Damit sollen Ärzte innerhalb einer halben Stunde feststellen können, ob jemand an dem gefährlichen Virus erkrankt ist.

Vogelgrippe

Der neue Nanotest braucht nur etwas Sekret und einen Tropfen Test-Flüssigkeit© SUPRI/Reuters/Corbis

Wissenschaftler aus Singapur haben ein Diagnose-Werkzeug ersonnen, mit dem Ärzte innerhalb von 30 Minuten herausfinden können, ob jemand an Vogelgrippe leidet oder nicht. Für den Test reicht ein wenig Sekret aus dem Rachen. Das System, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Medicine", sei genauso exakt wie herkömmliche Tests, arbeite aber fast zehnmal schneller.

Zur Zeit dauert eine korrekte Diagnose etwa vier, fünf Stunden. Bislang muss das Sekret aus der Mundhöhle in vielen Einzelschritten im Labor bearbeitet werden: Zunächst muss die Laborantin das Material reinigen, dann muss sie das darin enthaltene Genmaterial vervielfältigen, anschließend muss sie das Viren-Erbgut herausfiltern und zum Schluss muss sie analysieren, um welches Virus es sich handelt.

Jürgen Pipper und sein Team vom Institute of Bioengineering and Nanotechnology in Singapur haben diese Arbeitsabfolge verkürzen können. Ihr Diagnose-System benötigt im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden nur eine einzige Flüssigkeit. Ein großer Tropfen davon genügt, um das Erbgut der Viren zu analysieren. Der Trick dabei: Die Testflüssigkeit enthält spezielle magnetische Partikel.

Zunächst wird das Sekret mit der Testsubstanz vermischt. Das ergibt eine Testmenge von drei, vier kleinen Tropfen. Anschließend führen die Wissenschaftler langsam einen Magneten an der Flüssigkeit vorbei. Die magnetischen Nanopartikel reagieren darauf und bewegen sich mit, wie Eisenspäne, die durch einen Magneten auf einem Stück Papier hin- und hergezogen werden. Die winzigen Partikel ziehen die gesamte Testflüssigkeit mit sich: Partikel samt Flüssigkeit gleiten so über einen speziellen Analyse-Chip. Dabei kommt der Tropfen nach und nach in Kontakt mit den chemischen Substanzen, die für den Nachweis des Virus-Erbguts notwendig sind.

Der Test aus Singapur kann nicht nur feststellen, ob jemand mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert ist, er kann auch herausfinden, wann sich jemand angesteckt hat: Je mehr Virenerbgut in der Testflüssigkeit steckt, desto länger ist der Betreffende bereits erkrankt. Allerdings ist der Schnelltest noch nicht bereit für den Einsatz im Labor. Jürgen Pipper schätzt, dass es bis zur Markteinführung noch etwa fünf Jahre dauern könne.

Constanze Löffler

 
 
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