Experten malen ein düsteres Bild. Ihre Befürchtung: Wenn die Schule wieder beginnt, schnellt die Zahl der Schweinegrippe-Infizierten in die Höhe. Deswegen fordert nun der Virologe Alexander Kekulé, die Sommerferien zu verlängern. Das erste Bundesland reagiert bereits.

Die Schultüte könnte erstmal in der Ecke stehen bleiben: Nordrhein-Westfalen erwägt bereits, die Sommerferien zu verlängern© Frank Augstein/AP
Zur Eindämmung der Schweinegrippe in Deutschland empfiehlt der Virologe Alexander Kekulé eine Verlängerung der Schulferien. Das sei eine gute Möglichkeit, die Verbreitungswelle abzufangen, sagte der Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle dem Internetportal Handelsblatt.com. Auch Kindertagesstätten sollten in solche Überlegungen einbezogen werden, da vor allem Schulen und Kitas die Drehpunkte einer Pandemie seien. Der Virologe rechnet zum Ende der Schulferien mit einem rasanten Anstieg der Schweinegrippefälle in Deutschland.
Die Grippe verbreite sich unter Kindern schneller, weil sie die Hygienemaßnahmen nicht so stark einhielten wie Erwachsene. Durch ein ständiges Berühren des Gesichts mit den Händen könnten Erreger schneller zum Körper gelangen. Am Anfang einer Pandemie mache eine Ferienverlängerung wenig Sinn, sagte Kekulé. "In der sogenannten Zwischenphase, in der wir uns gerade befinden, ist die Ferienverlängerung aber durchaus eine naheliegende Maßnahme." Dies gelte aber nur dann, wenn die Zahl der eingeschleppten Fälle die Zahl der Ansteckungen vor Ort überwiege.
Das am stärksten von Schweinegrippefällen betroffene Nordrhein-Westfalen, wo am 17. August das neue Schuljahr beginnt, erwägt bisher als einziges Bundesland eine Verlängerung der Sommerferien. Eine Entscheidung soll in der kommenden Woche fallen. In dem Bundesland wurden bis zum Montagnachmittag 2782 Fälle von Schweinegrippe gezählt, bei 622 davon hatten sich die Betroffenen in Deutschland angesteckt.
Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo Schüler ab Donnerstag wieder die Schulbank drücken müssen, sehen derzeit keinen Anlass, die Ferien wegen der Schweinegrippe zu verlängern. Auch in Sachsen soll der Unterricht am kommenden Montag wieder regulär starten. Kekulé forderte zudem eine bessere Abstimmung der Bundesländer, um starke regionale Unterschiede bei der Bekämpfung der Schweinegrippe zu vermeiden. Nach den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts waren mit Stand Montagnachmittag fast 7177 Menschen in Deutschland mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert. Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.