In England ist ein neunjähriges Mädchen nach einer Infektion mit der Schweinegrippe gestorben. Ob das Virus den Tod verursacht hat, ist allerdings unklar. Das Mädchen sei bereits gesundheitlich geschwächt gewesen. Es wäre der dritte Schweinegrippe-Todesfall in Großbritannien.

Auch in anderen Teilen der Welt verbreitet sich das Virus: Wegen der Schweinegrippe war diese Schule in Kuala Lumpur, Malaysia, eine Woche geschlossen© Lai Seng Sin/AP
Keine Entwarnung bei der Schweinegrippe: In Europa steigt die Zahl der Fälle, vor allem in Großbritannien breitet sich das Virus rasant aus, ein neunjähriges Mädchen ist dort nach einer H1N1-Infektion gestorben. Es sei aber unklar, ob das Virus den Tod verursacht habe, teilte die Klinik in Birmingham am Montag mit. Das Mädchen sei bereits gesundheitlich geschwächt gewesen. Es starb bereits in den vergangenen Tagen. Es wäre der dritte Schweinegrippe-Todesfall in Großbritannien.
Am Samstag erlag ein 73-Jähriger in Schottland der Krankheit, zuvor war eine 38 Jahre alte Frau an dem neuartigen H1N1-Virus gestorben. Großbritannien hat mit mehr als 4300 Fällen bei weitem die meisten Schweinegrippe-Infektionen in der EU diagnostiziert. Allein am vergangenen Freitag haben die Gesundheitsbehörden in England nach eigenen Angaben 535 neue Grippekranke registriert. Es folgt Spanien mit 541 von der Weltgesundheitsorganisation WHO registrierten Fällen. Für Deutschland hat das Robert Koch-Institut 358 Fälle nachgewiesen. Weltweit sind nach Angaben des EU-Seuchen-Kontrollzentrums ECDC in Stockholm 312 Menschen an dem Virus gestorben, fast 70.000 haben sich infiziert.
Bei dem gestorbenen Patienten in Schottland handelte es sich um einen 73 Jahre alten Mann. Er erlag den Folgen des Virus am Samstagabend in einer Klinik im Glasgower Vorort Paisley. Der Patient sei bereits gesundheitlich geschwächt gewesen. Er habe sich 15 Tage zuvor in die Klinik begeben, teilte das schottische Gesundheitsministerium am Sonntag mit. Zu diesem Zeitpunkt starb im selben Krankenhaus eine 38 Jahre alte Frau an der Schweinegrippe. Die Behörden erwarten in Großbritannien eine rapide Ausbreitung der Grippe im Herbst mit Neuinfektionen im fünfstelligen Bereich.
In Spanien wird eine schwangere 19-jährige Marokkanerin nach Medienberichten vom Sonntag auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Madrid behandelt. Als "sehr ernst" wurde auch der Gesundheitszustand eines 32-Jährigen in Tarragona im Nordosten des Landes eingestuft. Beide hatten nach Angaben der spanischen Gesundheitsbehörden vor der Infektion mit dem H1N1-Virus bereits unter einer Erkrankung der Atemwege gelitten. In Spanien wurden bislang 541 Fälle von Schweinegrippe registriert. Bis auf die zwei jetzt bekanntgewordenen Fälle verliefen alle Infektionen harmlos.
Unterdessen verbreitet sich die Schweinegrippe in Frankreich stärker als angenommen. Die erwartete Sommerpause sei ausgeblieben, sagte Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot der Zeitung "Le Parisien" vom Montag. In Frankreich waren am Freitagabend acht Schulen wegen der Schweinegrippe geschlossen worden, davon liegen sieben in Pariser Vororten. Mehrere Schüler würden mit dem Medikament Tamiflu behandelt, teilten die Behörden mit. Bisher wurden in Frankreich mehr als 270 Erkrankungen bestätigt. Ohne Schutzimpfungen könnte jeder zweite Franzose infiziert werden, schätzt der Gesundheitsrat.
Frankreich will daher die Ferienzentren und andere Orte der Zusammenkunft verstärkt überwachen. Außerdem werde die Zahl der Grippezentren in den Krankenhäusern auf 300 verdreifacht, teilte Bachelot mit. Zum Beginn der Grippesaison im Herbst wolle sie zudem jedem Franzosen eine Impfung anbieten können. Um eine Epidemie zu stoppen, würde es jedoch ausreichen, die Hälfte der Einwohner zu impfen, erklärte Bachelot.
In den USA ist die Schweinegrippe nach Ansicht von Experten sehr viel weiter verbreitet, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Es sei davon auszugehen, dass sich in den Vereinigten Staaten mindestens eine Million Menschen mit H1N1 infiziert habe, sagte die Leiterin der US-Behörde für Seuchenbekämpfung (CDC), Anne Schuchat. Die offizielle Statistik führt rund 28.000 registrierte Fälle auf.
Die Schätzung ihrer Behörde beruhe auf Computermodellen und stichprobenartigen Erhebungen, sagte Schuchat weiter. Dabei habe sich ergeben, dass etwa sechs Prozent der Menschen in bekanntermaßen stark betroffenen Gebieten Symptome der Schweinegrippe zeigten. Bei einer entsprechenden Untersuchung im Mai in einem Viertel in New York etwa sei eine Quote von 6,9 Prozent Betroffenen ermittelt worden. Hochgerechnet liege die Schätzung allein für New York demnach bei einer halben Million Schweinegrippe-Fälle. "Die gemeldeten Fälle sind nur die Spitze des Eisbergs, sagte Schuchat. Sie warnte vor einer zweiten Krankheitswelle im Herbst mit deutlich höheren Erkrankungsraten.
AFP/DPA