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7. August 2009, 07:03 Uhr

Krankenkassen stehen am Pranger

Der Schuss ist nach hinten losgegangen: Die Krankenkassen sind nach ihrer Drohung, wegen der Schweinegrippe-Impfung die Beiträge zu erhöhen, unter Beschuss geraten. Das sei "Gift für die Arbeitsplätze", heißt es aus der Wirtschaft. Politiker von SPD und Grünen sehen in dem Manöver einen Vorwand, um die Kosten auf die Versicherten abzuwälzen.

Schweinegrippe, Krankenkasse, Beiträge, Impfung, Beitragserhöhung

Die Kosten für die Schweingrippe-Impfung in Deutschland werden auf 500 Millionen Euro geschätzt. Die Krankenkassen drohen deswegen mit einer Beitragserhöhung© Thomas Lohnes/DDP

Die Krankenkassen haben mit ihren Überlegungen zu einer Beitragserhöhung wegen der Schweinegrippe-Impfung Kritik aus Politik und Wirtschaft ausgelöst. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte einen höheren Beitrag zur Finanzierung der Massenimpfung undenkbar. "Diese Hoffnung der Kassen ist unrealistisch", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte, höhere Beiträge gefährdeten Arbeitsplätze. Die Kassen dagegen halten Beitragserhöhungen unmittelbar nach der Bundestagswahl für notwendig, sollte der Bund die Kosten für die bevorstehende Impfung nicht übernehmen.

Die Kosten von rund 500 Millionen Euro, die auf die Kassen zukämen, lägen bei weniger als einem halben Prozentpunkt ihrer bisherigen Ausgaben, argumentierte Lauterbach. "Das ist nicht kriegsentscheidend für die Frage, ob man Zusatzbeiträge erhebt."

Der Gesundheitspolitiker wies zudem darauf hin, dass es in diesem Jahr einen staatlichen Schutzschirm gegen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise gebe. "Das heißt konkret, dass Beitragsausfälle, die in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten sind, aus staatlichen Mitteln ausgeglichen werden", sagte Lauterbach.

Die SPD-Abgeordnete Mechthild Rawert sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Krankenkassen haben einen Überschuss, den sollten sie jetzt verwenden, anstatt über Beitragserhöhungen zu reden." Der Bundestagsabgeordnete der Grünen Harald Terpe bezeichnete die Forderung der gesetzlichen Krankenkassen als Vorwand. "Die Kassen suchen schlicht einen Grund, um die Beitragssenkung vom Juli wieder auszugleichen", sagte er. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel, wandte sich ebenfalls gegen die Überlegungen der Kassen. "Impfen ist seit der letzten Gesundheitsreform Pflichtleistung der Kassen und zwar ohne Praxisgebühr und Erhöhung der Beiträge", sagte sie der "Berliner Zeitung".

Auch aus der Wirtschaft kam Kritik. Für eine einmalige Impfaktion dürften nicht dauerhaft die Kassenbeiträge steigen, mahnte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, in der "Passauer Neuen Presse". "Beitragserhöhungen sind Gift für Arbeitsplätze - erst recht in Zeiten wirtschaftlicher Krise." Der Bundesverband der Arbeitgeber (BDA) nannte in der "Berliner Zeitung" eine Anhebung des Beitragssatzes "weder notwendig noch möglich".

Die Chefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung, Doris Pfeiffer, hatte am Donnerstag erklärt, eine Anhebung des allgemeinen Beitragssatzes von 14,9 Prozent sei eine Möglichkeit, um die Kosten von bis zu einer Milliarde Euro zu finanzieren. Eine andere Variante seien Zusatzbeiträge, über die die Kassen in eigener Regie entscheiden können.

Von einer Beitragserhöhung rückten erste Kassen bereits ab. Eine Sprecherin der KKH-Allianz sagte der "Bild"-Zeitung, eine Beitragsanhebung für KKH-Versicherte sei zum jetzigen Zeitpunkt auch für den Fall ausgeschlossen, dass die Kassen die Impfkosten komplett aus eigener Tasche bezahlen müssten. Auch ein Sprecher der Gmünder Ersatzkasse schloss höhere Beiträge bis Jahresende aus.

Gesundheitsexperte: Kassenbeiträge und Steuergeld

Der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem erwartet dagegen, dass viele Kassen auch ohne die zusätzlichen Kosten der Grippe-Impfung bald Zusatzbeiträge erheben müssen. "Wenn nun die Kosten für die Grippeimpfung allein von den Kassen getragen werden, wird auf etwa die Hälfte aller gesetzlich Versicherten ein Zusatzbeitrag zukommen", sagte Wasem der "Thüringer Allgemeinen". Dabei sei die Finanzausstattung der Kassen sehr unterschiedlich, gut aufgestellte Unternehmen könnten die Kosten auch ohne Zusatzbeitrag bewältigen. Wasem sprach sich für eine Mischfinanzierung der Schweinegrippenimpfung aus Kassen- und Steuermitteln aus.

Der SPD-Politiker und Mediziner Wolfgang Wodarg hält die Angst vor einer Schweinegrippe-Pandemie bloß für eine Inszenierung. "Das ist ein Riesengeschäft für die Pharmaindustrie", sagte der Lungenfacharzt, der für die SPD im Bundestag sitzt, der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Die Schweinegrippe unterscheide sich nicht von den üblichen Grippewellen. "Im Gegenteil: Wenn sie die Zahl der Fälle sehen, ist das lächerlich verglichen mit anderen Grippezügen."

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 32)
 
onkel.erwin (07.08.2009, 12:15 Uhr)
Herr Lauterbach ist ja ein ganz Schlauer.
500 Millionen - offenbar Peanuts - rechtfertigen weder Kassenbeitragserhöhungen noch Zusatzabgaben, sondern sollen aus staatlichen Mitteln erbracht werden. Der Bürger zahlt also auf jeden Fall, ob so oder so, ob durch gesetzliche Kassenbeitragsverpfichtung (jetzt oder später im Rahmen von Erhöhungen), durch Steuererhöhungen nach der Wahl oder durch Zusatzabzocke (auch nach der Wahl). Ein typisch sozialdemokratischer Gedanke: unnötige, nur für Einzelne profitable Posten auf die Allgemeinheit abwälzen, unter dem Deckmantel des Volkswohls und der Solidarität. Der einzige Nutznießer dieser Schwachsinnskampagne ist der Impfstoff-Hersteller.
Sozimod (07.08.2009, 11:59 Uhr)
Pharmageschenk
Diese Impfung braucht niemand. In der Schweiz setzen sich immer mehr Menschen gegen diese sinnlose Impfung ein. Da sie auch Quecksilber enthält, sind mit Nebenwirkungen zu rechnen. Gefährlich empfinde ich es, das Schwangeren diese Impfung empfohlen wird. Hier ein Link:
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Kritiker-warnen-vor-SchweinegrippeMassenimpfung/story/17154023
Unsere Parteien werden von Großunternehmen finanziell stark unterstützt(Spenden), natürlich auch aus der Pharmadynastie. Diesen Wahnsinn sofort stoppen, am besten mit einer Petition gegen diese Massenimpfung. Lasst euch nicht verunsichern und informiert euch über Suchmaschinen. Wichtig objektive Seiten und nicht Bundesministerium Gesundheit. Ich und meine Familie werden uns nicht impfen.
brainuser (07.08.2009, 11:53 Uhr)
Guter...,
und wichtiger Einwurf, Augentrost. Klasse.
Aquarius_Jedermann (07.08.2009, 11:47 Uhr)
Verdummung
Natürlich ist der ganze Artikel eine einzige Verdummung, denn wer außer den Versicherten sollte wohl die Krankheitskosten zahlen, ob das jetzt über die Beiträge oder über "Sonderzahlungen" geschieht, ist letztlich egal, genommen werden kann es nur von den Bürgern. Die sogenannten Arbeitgeberbeiträge zur Krankenversicherung sind nur vorenthaltener Lohn, der dann gütigerweise an die Krankenkasse abgeführt wird. Es bleibt immer am Bürger hängen, wie es bei einer Versicherung auch gar nicht anders sein kann. Alles andere ist Stuss!
Augentrost (07.08.2009, 11:42 Uhr)
eventuelle Spätfolgen
Meine Meinung:
Dass die Krankenkassen die Kostenübernahme abwehren,
werte ich nebenbei als weiteres Zeichen, dass dieses Impfgemenge völlig unklar/unnötig ist.
Wird die GKV dazu gezwungen, bleibt ihr de facto wohl nichts übrig, als die Beiträge zu erhöhen,
denn es gilt hier nicht, nur den Summenfaktor dieser ,,Schnellschuss-Impfung,“
sondern auch die weiteren Ausgaben eventuell fataler Spätfolgen zu berücksichtigen.
z.B. Galt Contergan nicht auch mal als wissenschaftlich unbedenklich für Schwangere?
Da haben manche Konzerne wohl saumässig Schwein gehabt, denn Obamas Regierung segnete erst vor kurzem (rechtzeitig?)ein Gesetz ab,
welches die Impfhersteller von der leidigen Produkthaftung befreit...
brainuser (07.08.2009, 11:27 Uhr)
Was ich noch sagen wollte...
hier wird eine Institution in den Mittelpunkt gerückt, die eh schon seit Einführung ihrer neuen Finanzierungsbasis über eine Unterdeckung klagt.
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Die Schweinegrippe ist da lediglich das I-Tüpfelchen.
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So wird aber schön von den eigentlich Fragen und Antworten abgelenkt. Wer braucht tatsächlich diese Impfung in diesem Umfang und wer profitiert von dieser gesamtgesellschaftlichen Schutzmaßnahme?
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Sollte versicht werden, sich daran bereichert, ist das aus moralischer Sicht absolut erbärmlich. Leider passt das sehr gut in die aktuelle Lage unserer Zivilisation.
brainuser (07.08.2009, 11:18 Uhr)
@-Dagegen-
Nein, ich arbeite nicht in diesem System, bin aber als Versicherungsnehmer wie sie davon betroffen.
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Das Pseudo beinhaltet zunächst nur die Verwendung von brain, nicht das Ergebnis.
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Sie sprechen von Fakten (Rekordsummen, krankes System, Mafiastrukturen, schlechtere Leistungen), belegen sie aber nicht wirklich. Zumindest ist das Recherchieren dieser "Fakten" (und sei es per Google) recht schwierig. So bleiben ihre Fakten leider nicht mehr als Worthülsen.
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Die Krankenkassen mahnen nicht wegen 20 € höheren Beitragsbedarf an, sondern wegen Mehrausgaben von knapp einer Milliarde Euro, die bisher nicht Bestandteil der Gesundheitsfondkalkulation sind und wegen des eh schon erschöpften Überschusses aus dem vergangenen Jahr. So zumindest schaut es aus, wenn viele Informationsquellen verglichen und die Inhalte auf plausible Übereinstimmungen geprüft wurden.
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Die Warnung erfogt zumindest rechtzeitig und vor der Wahl. Klar, dass es den amtierenden Ministern stinkt.
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Und noch einmal: Die GKV ist der verlängerte Arm des Staates und damit den Regeln unterworfen, die dieser aufstellt. Die Verwaltungskosten nehmen lediglich ca. 5% der Gesamtkosten ein. Selbst eine (utopische, weil unrealistische) Halbierung würde "nur" ca. 4 Milliarden einsparen.
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Und gemessen an den Verwaltungskosten einer PKV oder ähnlichen Institutionen erscheinen mir 5% nicht gerade hoch.
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An der Verbesserungsfähigkeit der Krankenversicherung insgesamt (GKV, PKV, Leistunsgerbringen etc.) und der dafür benötigen Strukturen einschließlich einer breiteren Finanzierungsbasis (z. B. Bürgerversicherung) gibt es nichts zu rütteln. Da gebe ich ihnen vollkommen Recht. Nur das ist ein anderes Thema.
Mastergirl (07.08.2009, 11:18 Uhr)
die Anfänge sind schon da...
Es ist schon bemerkenswert, was Carl Friedrich von Weizsäcker, der ältere Bruder unseres ehemaligen Bundespräsidenten, vor 25 Jahren (!) in seinem letzten Buch u.a. schrieb:
Siehe in diesem Zusammenhang Nr. 10, dahinter steckt bestimmt die Pharma-Mafia.
1. ..Die Arbeitslosenzahlen werden weltweit ungeahnte Dimensionen erreichen.
2… die Löhne werden auf ein noch nie da gewesenes Minimum sinken.
3…Alle Sozialsysteme werden mit dem Bankrott des Staates zusammenbrechen. Rentenzahlungen zuerst. Auslöser ist eine globale Wirtschaftskrise ungeheurer Dimension, die von Spekulanten ausgelöst wird.
4… ca. 20 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus, werden in Deutschland wieder Menschen verhungern.
5… Die Gefahr von Bürgerkriegen steigt weltweit dramatisch.
6… Die herrschende Elite wird gezwungen, zu ihrem eigenen Schutz Privatarmeen zu unterhalten.
7…Um ihre Herrschaft zu sichern werden diese Eliten frühzeitig den totalen Überwachungsstaat schaffen, eine weltweite Diktatur einführen.
8… Die ergebenen Handlanger dieses Geldadels sind korrupte Politiker.
9… Die Kapitalwelt fördert wie eh und je, einen noch nie dagewesenen Nationalismus (Faschismus), als Garant gegen einen eventuell wieder erstarkenden Kommunismus.
10… Zum Zweck der Machterhaltung wird man die Weltbevölkerung auf ein Minimum reduzieren. Dies geschieht mittels künstlich erzeugter Krankheiten.
sedanon (07.08.2009, 10:57 Uhr)
Ob notwendig oder nicht
kann ich nicht beurteilen. Was ich allerdings sagen kann ist, dass ich stets meine heftigsten grippalen Infekte NACH einer Grippeschutzimpfung bekam.
Zum Thema "Gift für die Arbeitsplätze" möchte ich nur anmerken, dass wir dank Hundt und Konsorten schon soweit sind, das Gehälter im Allgemeinen schon offiziell als Gift für Arbeitsplätze und man daher Billigstlöhne gleich ganz oder zum großen Teil durch den Staat via Aufstockung berappen läßt. Würde mich interessieren, ob das Verzocken hunderter Milliarden Euro und deren Ausgleich durch den Bürger ebenso als Gift für die Arbeitsplätze angesehen werden. Aber es war ja noch die das Selbe wenn zwei das Gleiche taten.
Juris1 (07.08.2009, 10:31 Uhr)
Impfung braucht niemand
Im Moment stellt es sich so dar, dass niemand diese Impfung wirklich braucht. Auch hier geht es um Geschäftemacherei.
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Andere Magazine warnen vor der Impfung. Nur im Einzelfall ist eine Impfung anzuraten.
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Das Geschrei über die Kosten wird doch nur gemacht, damit die Konzerne die Beiträge demnächst hochsetzen können.
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