Die USA planen im Herbst eine großangelegte Impfaktion gegen die Schweinegrippe: Die Hälfte der Bevölkerung soll immunisiert werden. Schwangere, Kinder und junge Erwachsene haben Vorrang. In Deutschland geht der Streit darüber weiter, wer die Impfkosten übernimmt. Familienministerin von der Leyen sieht die Krankenkassen in der Pflicht.

22,5 Millionen Menschen sollen ab Herbst in Deutschland gegen H1N1 geimpft werden. Wer das zahlt, ist noch offen© Frank Augstein/AP
In den USA sollen in einem ersten Schritt 160 Millionen Menschen gegen die Schweinegrippe geimpft werden, darunter Kinder und Schwangere. Das nationale Zentrum zur Krankheitskontrolle und Vorbeugung (CDC) benannte nach einer Krisensitzung am Mittwoch fünf besonders gefährdete Personengruppen, die als erstes immunisiert werden sollen. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter im Gesundheitswesen, schwangere Frauen, Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 24 Jahren, Erwachsene mit generellen Gesundheitsproblemen sowie alle Kontaktpersonen von kleinen Babys.
Insgesamt umfassen diese fünf Gruppen 160 Millionen Menschen - bis Oktober sind laut Experten aber wahrscheinlich nur 120 Millionen Impfdosen vorrätig. Befürchtungen über einen möglichen Engpass trat die zuständige CDC-Direktorin Anne Schuchat mit Verweis auf die üblichen Grippeschutzimpfungen entgegen. Es hole sich erfahrungsgemäß nur die Hälfte der Menschen, denen eine Impfung empfohlen werde, auch wirklich die Spritze ab, sagte Schuchat. Ähnliches sei auch bei der Impfung gegen das H1N1-Virus zu erwarten.
In Deutschland geht unterdessen der Streit um die Übernahme der Impfkosten weiter. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht die Krankenkassen im Streit um die Kostenübernahme von Impfungen gegen die Schweinegrippe in der Pflicht. "Solange die Krankenkassen einen Überschuss an Einnahmen haben, müssen diese Versichertengelder natürlich auch zur Vorbeugung gegen die Schweinegrippe eingesetzt werden. Genau dafür sind wir krankenversichert", sagte die Ministerin dem "Hamburger Abendblatt". Eine Krankenversicherung, in die die Menschen Monat für Monat einzahlten, sei zunächst einmal dazu da, "eine Behandlung oder besser noch eine schützende Vorsorge zu finanzieren". Es koste viel mehr, Schweinegrippe im Nachhinein zu behandeln, als durch Impfung vorzubeugen.
Die gesetzlichen Krankenkassen fordern von den Ländern, einen Teil der Millionenkosten für die Impfungen zu zahlen. Dieses Ansinnen hat das Bundesgesundheitsministerium mit dem Hinweis auf ausreichende Finanzen der Kassen zurückgewiesen. Zunächst ist vorgesehen, dass ab Herbst 22,5 Millionen Menschen geimpft werden, darunter Menschen mit chronischen Atemwegsleiden, Schwangere sowie Mitarbeiter von Gesundheitsdienst und Feuerwehr. Die Bundesländer haben 50 Millionen Impfdosen zur Abwehr der Schweinegrippe bestellt.
In Deutschland breitet sich die Schweinegrippe nach wie vor rasant aus: Die Zahl der offiziell registrierten Fälle stieg von Dienstag auf Mittwoch um 635 auf 4445, wie das Berliner Robert-Koch-Institut mitteilte. Dies bewege sich in der Größenordnung der vergangenen Tage. Die meisten neuen Fälle würden weiter unter Urlaubsrückkehrern festgestellt, und zwar vornehmlich bei Reisenden aus Spanien.