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Zweites Glatzen-Gen entdeckt

Eine Glatze wird vererbt. Bisher machten Forscher dafür nur ein bestimmtes Gen verantwortlich. Jetzt haben Wissenschaftler ein zweites Gen entdeckt, das bei Männern zum Haarausfall führt. Und wer beide Gene besitzt, hat ein siebenfach erhöhtes Risiko, schon früh kahl zu werden.

Fast jeder dritte Mann trägt unfreiwillig eine Tonsur© Colourbox.com

Jedem Menschen fallen durchschnittlich zwischen 70 und 100 Haare pro Tag aus. Normalerweise werden diese Haare permanent ersetzt. Aber fast jeder dritte Mann und jede zehnte Frau sind von einem stärkeren Verlust betroffen. Bei ihnen fallen mehr Haare aus, als nachwachsen: Sie leiden unter Haarausfall. Die häufigste Form ist mit etwa 95 Prozent der erblich bedingte Haarausfall. Eine wirksame Therapie gibt es bislang leider nicht.

Zwei Forscherteams haben nun - unabhängig voneinander - ein neues Gen für erblich bedingten Haarausfall entdeckt: Das Erbgut liegt auf Chromosom 20 und kann daher sowohl über den Vater als auch über die Mutter vererbt werden - im Gegensatz zum einzigen bisher bekannten Risiko-Gen, das ausschließlich über die mütterliche Linie weitergegeben wird. Jeder siebte Mann trägt mindestens einen dieser Risikofaktoren in seinem Erbgut. Kommen beide Gene zusammen vor, steigt die Wahrscheinlichkeit, sehr früh eine Glatze zu bekommen, um das Siebenfache an, wie die Gruppe um den Zwillingsforscher Tim Spector vom King's College in London errechnet hat. Die Engländer stellten ihre Studie im Fachmagazin "Nature Genetics" vor.

In derselben Fachpublikation berichtet auch das deutsche Team um Axel Hillmer von der Universität Bonn zum Thema. Hillmers Gruppe untersuchte Genmaterial von 296 Männern, denen schon vor dem 40. Lebensjahr viele Haare ausgefallen waren, und verglich die Gen-Proben mit denen von 347 Freiwilligen ohne Haarausfall. Spector und seine Kollegen werteten Erbgut von 578 Betroffenen und 547 Kontrollpersonen aus. Das Ergebnis war nahezu identisch: In beiden Fällen bestätigte sich der bereits vor drei Jahren von Hillmers Team entdeckte Zusammenhang zwischen einer Variante des Gens für den so genannten Androgenrezeptor auf dem X-Chromosom und einer frühen Glatzenbildung.

Wie der Vater so der Sohn

Männer besitzen die beiden Geschlechtschromosomen X und Y. Das Y Chromosom wird vom Vater vererbt, das X-Chromosom von der Mutter. Das zuerst entdeckte Glatzen-Gen sitzt auf dem X-Chromosom, wird also über die mütterliche Linie weitergegeben. Zusätzlich identifizierten beide Forscher-Gruppen einen weiteren Bereich auf Chromosom 20, der ebenfalls mit dem Haarausfall in Verbindung zu stehen scheint. Diese Genvariante wird nicht nur über die Mutter, sondern auch über den Vater vererbt. "Dadurch lassen sich Ähnlichkeiten zwischen Vater und Sohn erklären", sagt Markus Nöthen von der Universität Bonn, einer der Co-Autoren der veröffentlichten Studie.

Beide Teams bestätigten ihren Verdacht mit Hilfe von Studien bei weiteren Testpersonen: Die Deutschen untersuchten insgesamt 844 Männer aus Deutschland und Australien, das internationale Team schaute sich 4961 Freiwillige aus Island, den Niederlanden und Großbritannien an. Welche Funktion der betreffende Genabschnitt hat und wie er den Stoffwechsel des Haares beeinflusst, ist bislang allerdings völlig unklar. Herausgestellt hat sich lediglich, dass er nicht mit dem Gen für den Androgenrezeptor, dem einzigen weiteren bestätigten Risikofaktor, zusammenarbeitet.

Haarausfall und Herzkrankheiten hängen zusammen

Die Suche nach den genetischen Ursachen für eine Glatze läuft nicht nur wegen der ästhetischen Probleme auf Hochtouren: Mit dem Verlust der Haare gehen sehr häufig auch gesundheitliche Probleme wie Übergewicht, Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Prostata-Probleme und Diabetes einher - was auf die gleichen Erbanlagen zurückzuführen sein könnte.

Die Wissenschaftler versuchen jetzt, der Funktion des verdächtigen Chromosomenabschnitts auf die Spur zu kommen. Und sie suchen nach weiteren Genen, die den Kahlschlag auf dem Kopf beeinflussen - denn dass die beiden bisher identifizierten Erbgut-Abschnitte nun die einzigen sind, scheint mehr als unwahrscheinlich.

nis/DDP

 
 
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