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Die SPD und ihre SMS

Vor dem Auftritt im Untersuchungsausschuss legt Sebastian Edathy seine SMS mit Parteifreunden offen. Sie zeigt ein Spiel von Lügen und Intrigen – und die Nähe von Edathy und Michael Hartmann.

Von Wigbert Löer und Oliver Schröm

  Sebastian Edathy legt im stern seine SMS-Kommunikation mit den Genossen offen

Sebastian Edathy legt im stern seine SMS-Kommunikation mit den Genossen offen

Vor seinem Auftritt vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss am kommenden Donnerstag legt der frühere SPD-Abgeordnete Sebastian Edathy im stern seine SMS-Kommunikation mit dem heutigen SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann, SPD-Chef Sigmar Gabriel sowie dem SPD-Innenpolitiker Michael Hartmann offen.

Der Austausch von Kurzmitteilungen erstreckt sich über den Zeitraum von Oktober 2013 bis zum Februar 2014, in dem die Affäre um pornografische Bilder von Minderjährigen bekannt wurde.

"Werd' bitte nie so wie O.!"

So berichtet Edathy dem stern, er habe sich am 21. November 2013 per SMS bei Hartmann nach dem Stand der Ermittlungen erkundigt: "Lieber Kollege, gibt es bei Dir was Neues?", so Edathys SMS an Hartmann. Dessen Antwort: "Still ruht der See. Habe auch meinerseits nicht nachgehakt."

Auch Thomas Oppermann meldete sich, bot Edathy per SMS "Hilfe" an. Edathy kommunizierte zu dieser Zeit gerade mit seinem Kollegen Michael Hartmann. Die Nähe der beiden Abgeordneten wird an diesem 8. Februar 2014 besonders deutlich. Edathy leitete Hartmann Oppermanns SMS weiter und kommentierte: "Mir wird schlecht bei sowas." Hartmann antwortete Edathy, offenbar wenig überrascht: "Wie besprochen und erwartet." Darauhin bat Edathy Hartmann: "Werd' bitte nie so wie O.!" Hartmann versicherte: "Never ever!!!".

"Ich werde gerade hingerichtet"

Am 11. Februar 2014, nachdem die Vorwürfe gegen Edathy öffentlich bekannt geworden waren, schrieb Edathy an Hartmann: "Ich werde gerade hingerichtet." Der riet umgehend per SMS: "Bitte versuche trotz allem ruhig zu bleiben. Das ist alles Mist und schrecklich." Und später am Tag: "Geh auf Tauchstation...".

Weiter berichtet Edathy im stern auch über seine persönlichen Gespräche mit SPD-Parteifreunden in der Zeit von Oktober 2013 bis Februar 2014. So habe laut Edathy der heutige Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann, damals Parlamentarischer Geschäftsführer der Partei, ihm noch am 8. November 2013 in einem persönlichen Gespräch drei verschiedene Posten in Aussicht gestellt, falls die SPD mit der Union die Bundesregierung bilde. Damals wusste die Parteispitze bereits Bescheid über die Kinderpornografie-Vorwürfe gegen Edathy.

Edathy: Oppermann stellte mir Posten in Aussicht

"Ich wollte von Oppermann wissen, welche Perspektiven er im Fall einer großen Koalition für mich sähe", sagte Edathy dem stern und versicherte das an Eides Statt. "Konkret stellte er mir das Amt eines Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, eines Parlamentarischen Staatssekretärs oder eines Ausschuss-Vorsitzenden in Aussicht. Ich hatte keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Aussagen." Edathy versicherte diese Äußerungen an Eides statt. Sollte das Gespräch so stattgefunden haben, steht das im Widerspruch zu einer Aussage Oppermanns vor dem Innenausschuss im Februar 2014, in der er behauptete, er habe Sebastian Edathy "nichts über zukünftige Möglichkeiten" gesagt. Auch gegenüber dem stern bestritt Oppermann, Edathy jene Posten in Aussicht gestellt zu haben.

Edathy und Hartmann sind an diesem Donnerstag vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestags geladen. In der Opposition wird derweil überlegt, an diesem Tag auch gleich Thomas Oppermann vorzuladen, um auf möglichst viele Fragen in der Affäre eine Antwort zu erhalten.

Mehr über die Affäre Edathy ...

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