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Die fragwürdigen Deals der Prominenten in der Schweiz

Koalition der Gierigen: Prominente Deutsche um den Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer steckten Millionen in Fonds, die hohe Renditen versprachen - und zu Lasten der deutschen Steuerzahler agierten.

Von W. Löer, A. Mönnich, U. Rauss und O. Schröm

  Sie wollten ihr Vermögen mit fragwürdigen Geschäften in der Schweiz vermehren: Carsten Maschmeyer, Veronica Ferres, Clemens Tönnies, Mirko Slomka. Der stern berichtet in seiner neuen Ausgabe über die Maschmeyer-Connection

Sie wollten ihr Vermögen mit fragwürdigen Geschäften in der Schweiz vermehren: Carsten Maschmeyer, Veronica Ferres, Clemens Tönnies, Mirko Slomka. Der stern berichtet in seiner neuen Ausgabe über die Maschmeyer-Connection

Carsten Maschmeyer, Unternehmer und geschätzter Milliardär. Clemens Tönnies, Schlacht-Tycoon und Schalke–Boss. Mirko Slomka, Trainer von Schalke 04 und Hannover 96, jetzt beim Hamburger SV unter Vertrag. Veronica Ferres, eine sehr gefragte Schauspielerin. Matthias Prinz schließlich, Sohn eines Großverlegers und Deutschlands prominentester Medien-Anwalt. Sie sind schon reich und verdienen weiterhin Monat für Monat viel Geld. Aber sie wollten mehr.

Zwischen 2010 und 2011 steckten diese deutschen Prominenten hohe Summen in Fonds, die Geschäfte zulasten der deutschen Steuerzahler betrieben. Die Investitionen liefen über Konten bei der Schweizer Bank Sarasin. Der stern schildert den Fall in der Titelgeschichte seiner neuen Ausgabe, die morgen erscheint.

Die Fonds der Luxemburger Firma Sheridan brachten anfangs hohe Renditen. Nun aber müssen Maschmeyer und manche seiner Mit-Investoren um die hohen Einlagen bangen.

Maschmeyer investierte mit Slomka und Ferres

Die Fonds betrieben mit den Millionen aus Deutschland auch sogenannte Cum-Ex-Geschäfte. Solche Deals sind dubios und fragwürdig, waren wegen einer Gesetzeslücke jedoch lange möglich. In Deutschland allerdings konnten Banken diese Art von Geschäfte seit 2007 nur noch schwer betreiben. Deshalb agierten sie mithilfe von Partnern im Ausland: Rund um Hauptversammlungstage deutscher Konzerne wurden gigantische Aktienmengen gehandelt. Banken, Fonds und Broker nutzten trickreich zwischenstaatliche Steuerabkommen aus und ergatterten Steuerbescheinigungen. Der deutsche Fiskus erstattete in der Folge Steuern in Milliardenhöhe, die vorher niemals gezahlt worden waren.

Unterlagen, die dem stern vorliegen, zeigen, dass Carsten Maschmeyer einmal fünf Millionen Euro investierte, ein weiteres Mal über ein "Familienkonto" zehn Millionen und dann 40 Millionen Euro. In den 40 Millionen steckte auch Geld von seiner Verlobten, der Schauspielerin Veronica Ferres, und von seinem Freund Mirko Slomka, der im Moment den Hamburger SV trainiert.

Über ein jeweils eigenes Konto in der Schweiz haben auch der Fleischunternehmer und Schalke-Boss Clemens Tönnies und der bekannte Hamburger Prominenten-Anwalt Matthias Prinz in Sheridan-Fonds investiert. Tönnies setzte über eine Firma, deren Gesellschafter er und seine beiden Kinder sind, fast eine Million Euro ein. Der Medienanwalt Prinz steckte fast fünf Millionen Euro in einen Sheridan-Fonds.

Finanzguru Maschmeyer gibt sich als Opfer der Bank

Während Maschmeyer anfangs Gewinne von 23 Prozent und dann von 8,9 Prozent machte, brachte ihm das 40-Millionen-Investment mit Veronica Ferres und Mirko Slomka als Unter-Beteiligten Probleme. Der deutsche Staat zahlte nun keine Kapitalertragssteuer mehr an die Sheridan-Fonds. Die Sarasin-Bank überwies ihm daher einen großen Teil der angelegten Summe nicht zurück.

Maschmeyer kämpfte nun bei seinem Kundenbetreuer und beim Bank-Vorstand Eric Sarasin, mit dem er nach eigener Aussage befreundet ist, um die Millionen. Der Ex-AWD-Chef und sein Medienanwalt Prinz sagten gegenüber dem stern, die Bank habe ihnen versichert, dass es keine Anlage zulasten des deutschen Steuerzahlers sei. Nachdem er von den stern-Recherchen erfahren hatte, kündigte Maschmeyer am Dienstag über das "Handelsblatt" an, er wolle die Sarasin-Bank verklagen. Merkwürdig: Das hatte er in den zurückliegenden bald zwei Jahren, in denen er bei der Bank um seine Einlage kämpfte, nicht getan.

Der HSV-Trainer Slomka ließ dem stern über den Sprecher von Carsten Maschmeyer mitteilen, die Sarasin-Bank habe ihm "ausdrücklich bestätigt, dass diese Anlage absolut sicher, seriös und steuerlich unbedenklich sei". Schalke-Boss Tönnies wiederum erklärte, er habe bis heute "keinerlei steuerliche Vorteile erzielt". Im April verhandelt der Bundesfinanzhof in München die Frage, ob es sich bei Cum-Ex-Geschäften um zulässige oder missbräuchliche Steuergestaltung handelt.

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