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Stern Investigativ - Rüstung und Militär

Das Neue Gesicht des Terrors

Einst schwor er bin Laden die Treue. Dann gründete er sein eigenes Netzwerk. Im Irak wütet Zarqawi als Schlächter im Namen Allahs, köpfte Geiseln persönlich. Deutschland entging nur knapp seinen Anschlägen.

Von Uli Rauss und Oliver Schröm

Niemand, der die Bilder gesehen hat, kann sie vergessen. Sie zeigen Abu Musab al-Zarqawi, den brutalsten Terroristen der Welt. 31 Sekunden dauert die Videosequenz, in der Zarqawi einen Menschen tötet. Auf bestialische Weise.

Am Abend des 20. September wird das Video auf einer islamistischen Website veröffentlicht. Unterlegt von Kampfgesängen erscheint der Schriftzug "Al Tawhid wa Al Jihad". So heißt Zarqawis Terrornetzwerk: "Einheit und Heiliger Krieg". Ein Symbol ist zu sehen. Flagge, Kalaschnikow, hochgereckte Hand vor einer Weltkugel - Zarqawis Zellen agieren weltweit, im Irak, in Europa, auch in Deutschland. Auf Arabisch ist dann zu lesen: "Die Mediensektion der Gruppe Al Tawhid wa Al Jihad präsentiert die Schlachtung der Geisel. Name: Eugene Armstrong. Nationalität: Amerikaner. Position: Versorgung von Lagern der amerikanischen Armee mit Material." Der Vorspann dauert 55 Sekunden.

Schnitt, Szenenwechsel.

Fünf schwarz gekleidete Männer mit Gewehren und Gesichtsmasken stehen vor einer Wand. Der Mann in der Mitte, etwa 1,86 Meter groß, breite Schultern, ist Zarqawi. Vor ihm auf dem Boden sitzt Armstrong mit weißer Augenbinde und zerzaustem Haar. Der 52-Jährige stammt aus Hillsdale in Michigan. Er arbeitet als Bauingenieur für die Firma GSCS Gulf im Irak. Seine Kidnapper haben ihn und zwei Kollegen vier Tage zuvor in Bagdad entführt.

Armstrong trägt einen orangefarbenen Overall; Arme und die angehockten Beine sind gefesselt. Hinter sich hört er die tiefe Stimme von Zarqawi. Der liest auf Arabisch eine Erklärung ab, mehr als sechs Minuten lang. Armstrong wippt unruhig vor und zurück. Er atmet schwer.

Zarqawi schimpft

über die Amerikaner. "Ihre Bomben töten Kinder und Frauen...Ihre Gefängnisse sind voll mit unseren Brüdern und Schwestern." Zarqawi tönt: "Bush, dein Tag wird kommen! Unsere Männer lieben den Tod, wie du das Leben liebst. Töten im Namen Allahs ist ihr größter Wunsch. Deine Soldaten und ihre Helfer zu schnappen beschert ihnen die glücklichsten Momente. Die Köpfe der Ungläubigen abzuschneiden ist die Verwirklichung des Willens unseres Gottes...Bush, wir geben dir 24 Stunden, um alle weiblichen muslimischen Gefangenen freizulassen." Wenn nicht, werde er weitere Geiseln töten. "Wir werden sehen, wer am Ende siegen wird - wir oder du." Dann zieht Zarqawi ein Messer aus der Hosentasche, die Klinge 25 Zentimeter lang. Er zerrt sein Opfer auf den Boden, hält dessen Kinn mit der linken Hand fest und trennt ihm den Kopf ab. Die Schnitte, das Blut, die Schreie; das ganze Sterben wird aus nächster Nähe gefilmt. Armstrongs Kopf wird auf die Brust des Toten gestellt. Die Kamera zoomt auf sein Gesicht, sieben Sekunden lang. Am Ende hält jemand den Kopf neben die Flagge von Zarqawis Terrorgruppe. Der Leichnam von Eugene Armstrong wird Stunden später gefunden, ein paar Blocks entfernt von dem Haus in Bagdad, aus dem er entführt worden war.

Abu Musab al-Zarqawi wird als Schlächter Allahs in die Annalen des Terrors eingehen. Seit er im Mai 2004 den US-Bürger Nicholas Berg vor laufender Kamera kämpfte, ist keine Woche vergangen ohne Anschläge, Geiselnahmen und andere Terrorakte im Irak, die seiner Organisation zugeschrieben werden. Zuletzt hat er sich zu Anschlägen am vergangenen Wochenende bekannt, bei denen in Bagdad 41 Menschen starben, unter ihnen 35 Kinder. Die USA erhöhten die Belohnung für seine Ergreifung auf 25 Millionen Dollar. Der Terrorboss konterte, indem er seinerseits auf Iraks Ministerpräsident Ijad Allawi ein Kopfgeld von 200 000 jordanischen Dinar (rund 230 000 Euro) aussetzte.

Abu Musab al-Zarqawi stammt aus Jordanien, wo er Staatsfeind Nummer eins ist - in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Einige Tage vor Veröffentlichung des Videos mit der Enthauptung Eugene Armstrongs suchten stern-Reporter die Familie des Terroristenchefs in Zarqa auf. Die Stadt ist mit 800 000 Einwohnern eine der größten Jordaniens. Zarqawis Vater starb vor vier Jahren, im März 2004 erlag seine Mutter einem Krebsleiden. Seine Erstfrau und der ältere Bruder lehnten ein Treffen ab: "Beschluss unseres Familienrates." Cousins und Schwager wollten nicht offen reden, luden aber ein zum Tee. Sie verteidigten "Abu Musab". Er, ein Vater von vier kleinen Kindern, ordne keine Morde von Zivilisten an. "Das ist alles Propaganda - Abu Musab muss als Sündenbock für Amerikas Desaster im Irak herhalten."

Die Verwandten kannten wohl das Video vom Mai, das die Enthauptung des Amerikaners Nicholas Berg zeigt. Die Aufnahmen sind unscharf und verwackelt. Nach einer Stimmanalyse erklärte die CIA: "Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" sei Zarqawi der Mörder. Die Männer in Zarqa sagten: "Unsinn, das ist nicht seine Stimme. Außerdem ist Abu Musab Linkshänder, der Mörder im Video schneidet jedoch mit rechts." Die Männer sind Bani Hassan, traditionsbewusste Beduinen und gewohnt, nichts Schlechtes zu sagen über den eigenen Bruder, Schwager, Cousin.

Doch dann tauchte das neue Video

mit dem Mord an Eugene Armstrong auf. Einige von Zarqawis Verwandten sahen das grausame Sterben des Amerikaners im Internet. Sie riefen noch am Abend des 20. September den Familienrat zusammen. Sie hatten den Mörder erkannt, es war unzweifelhaft der Mann, mit dem sie Kindheit und Jugend verbracht hatten. "Das war er, ganz klar. Er ist kein Mensch, er ist ein Monster. Krank, verrückt! Er würde sogar seine eigenen Söhne ermorden." Die Beduinensippe beschloss an jenem Abend, ihn zu verstoßen und seinen Namen nie mehr in den Mund zu nehmen.

Im Westen von Jordaniens Hauptstadt Amman, auf einem Hügel im Viertel Jandawil, liegt ein schwer bewachter Gebäudekomplex mit drei- und vierstöckigen Sandsteinbauten, Antennenanlagen und Satellitenschüsseln. Hinter Barrieren und Checkpoints mit MG-Stellungen residiert das General Intelligence Department. Das GID zählt zu den erfolgreichsten Nachrichtendiensten der Welt. Seine Agenten waren die Ersten, die in Afghanistan Lager von al Qaeda infiltrierten. Dem GID gelang es auch, Gefolgsleute von Zarqawi umzudrehen und so an Insider-Informationen zu gelangen.

Im Auftrag von König Abdullah II. kooperiert das GID bei der Jagd auf islamistische Terrorzellen seit Jahren sehr eng mit arabischen und ausgewählten westlichen Diensten. Mit dem Verbindungsbeamten des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) in Amman beispielsweise. "Sobald wir etwas über Aktivitäten von Terroristen in Deutschland und Europa wissen, kriegt der Mann das", bestätigt ein GID-Mitarbeiter. Bisweilen starten die Dienste sogar gemeinsame Operationen.

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Ölgemälde mit der Königsfamilie zieren die elegante Lobby in Jandawil. Eine runde Marmortreppe führt hinauf zu den Büros und Konferenzräumen der Anti-Terror-Spezialisten. Namen, Dienstgrade und Funktionen aller neun Gesprächspartner müssen geheim bleiben, als sich die Agenten mit den stern-Reportern treffen. "Weil Jordanien eine Hauptrolle in der internationalen Terrorbekämpfung spielt", sagt einer, der seit Jahren dabei ist, "sind wir heißes Gebiet, ein Top-Ziel in den Plänen von Zarqawi und al Qaeda."

Im Frühjahr vereitelte

das GID in letzter Minute einen Großanschlag "auf dieses Gebäude hier, unser Hauptquartier". Mehrere präparierte MAN-Lkws, beladen mit fast 20 Tonnen Sprengstoff und Chemikalien, sollten von Selbstmordattentätern in die verschiedenen Häuser des Komplexes gesteuert werden. "Kein Stein wäre auf dem anderen geblieben, niemand hier und in der Umgebung hätte überlebt, zumal sie planten, nach den Explosionen des konventionellen Sprengstoffs bei weiteren Explosionen Gifte und Chemikalien freizusetzen." Das Kinderkrankenhaus nebenan, die Herzklinik, die US-Botschaft, das Büro des Premierministers wären zerstört worden, Tausende gestorben. Einer der Ermittler sagt: "Zarqawis Budget für diesen Anschlag betrug 250 000 US-Dollar. Er gab den Auftrag, er steuerte die Planung, kümmerte sich um die Kuriere und viele Details."

Das GID zeichnet ein seltsames Profil Zarqawis. Einerseits ist er ein strategisch vorgehender Top-Terrorist. Plane seine Operationen im Detail und über Jahre. Agiere "mittlerweile äußerst vorsichtig und äußerst clever". Man könne seine Aktionsweise "mit dem Stil eines Mafia-Paten" vergleichen. Das Chaos im Irak und dessen poröse Landesgrenzen verstehe er zu nutzen. Dort und im Nachbarland Iran genieße er eine Bewegungsfreiheit, wie sie Osama bin Laden längst nicht mehr habe.

Andererseits ist Zarqawi ein gemeiner Verbrecher: "Er kann seinen eigentlichen Typus nicht verleugnen. Er hat eine zutiefst kriminelle Vergangenheit. Und diese Denkweise, diesen inneren Teufel, hat er nie ablegen können. Die Enthauptungs- Videos sind dafür der perfekte Beweis. Zudem hat er ein völlig übersteigertes Ego: Zarqawi hält sich für einen Mister Big, erfolglos gejagt von der Weltmacht Amerika. Für uns ist er nichts als ein Gnom, allerdings extrem gefährlich." Ihm und seinen Helfern sämtliche Anschläge und Attentate im Irak und anderswo anzulasten, wie es US-Medien töten, helfe nichts. "Im Gegenteil, es verschafft ihm mehr Zulauf. Wir müssen seine Bedeutung sehr exakt analysieren, um mit ihm fertig zu werden."

Zarqawi ist das schwarze Schaf eines der großen Beduinenstämme Jordaniens, aus dem viele Soldaten und Offiziere hervorgingen. Als Ahmed Fadhil Nazzal Khalaliyah, so Zarqawis richtiger Name, am 30. Oktober 1966 in Zarqa geboren wird, haben die Eltern bereits vier Kinder, fünf weitere werden nach ihm zur Welt kommen. Die Familie bewohnt eine karge Bleibe in einem vierstöckigen Haus, im Erdgeschoss ist eine Autowerkstatt, gegenüber ein großer Friedhof. Der Vater, Fadhil Nazzal Khalaliyah, arbeitet als städtischer Angestellter. Er ist ein respektierter, besonnener Mann, Sprecher eines der sieben Flügel innerhalb der Khalaliyah-Sippe mit ihren mehreren tausend Mitgliedern. Die Mutter ist eine tief religiöse Frau.

Ahmed wächst auf

in politisch unruhigen Zeiten. Zarqa, die alte Bergbaustadt, ist ein Ort der Vertriebenen. Nach dem israelisch-arabischen Krieg 1967 sind Zigtausende Palästinenser in die Stadt geströmt, wo bereits seit fast zwei Jahrzehnten ein riesiges Flüchtlingslager existiert. Palästinenser entführen Flugzeuge, versuchen Häftlinge freizupressen, einmal landen Hijacker in Zarqa. König Hussein geht 1970 im so genannten Schwarzen September mit aller Härte gegen die palästinensischen Revolutionäre in seinem Land vor. Zehntausende sterben.

Ahmed Khalaliyah interessiert sich nicht für Politik. Er ist ein mittelmäßiger Schüler, taucht ab in die brutale Szene der Teenager-Gangs, die abends die Straßen und Spelunken unsicher machen. Er lässt sich tätowieren mit den Insignien seiner Bande, drei grünen Punkten in der Daumenbeuge der linken Hand. Er zettelt Prügeleien und blutige Messerstechereien an. Dabei setzt er ein kleines Messer ein, ein Skalpell. Von Freunden lässt er sich nun "al-Zarqawi" nennen, der Zarqaer.

Sein Vater und ein Onkel mussten ihn damals fast täglich bei der Polizei abholen, wie ein Verwandter beschämt erzählt. In den 80er Jahren wird er zu Jugendstrafen und Rehabilitationskursen verurteilt, wieder und wieder wird er rückfällig. In der elften Klasse, nur ein Jahr vor dem Abschluss, bricht er die Schule ab. Die Familie entscheidet, den unberechenbaren Sohn zur Umerziehung zu schicken. Geistliche sollen ihn islamische Werte wie Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Vergebung lehren. Bald geht er jeden Tag in die Al-Hussein-Ibn-Ali-Moschee.

Die Moschee ist Tummelplatz

frommer Koranstudenten. Einige sind zurückgekehrt aus Afghanistan. Sie schwärmen vom Krieg gegen die sowjetischen Besatzer. Ihre Heldengeschichten beeindrucken Zarqawi. Die Eltern freut es, dass er nun nicht mehr trinkt. 1988, im Alter von 22 Jahren, heiratet er eine entfernte Cousine.

Zarqawi denkt oft an Afghanistan. Einen Job als Hausmeister, den ihm der Vater verschafft hat, schmeißt er nach wenigen Wochen. Sein Versuch, einen kleinen Laden für fromme Videos zu betreiben, scheitert bald. Zarqawi entschließt sich, mit seiner Frau nach Afghanistan zu gehen. "Der Islam hat seine Moral perfektioniert", sagt Sheikh Jarah al-Qadah, ein radikaler Salafist, der damals junge Männer für Afghanistan rekrutierte. Tausende aus Jordanien lassen sich Ende der 80er Jahre zu einem solchen Trip verleiten.

An der Seite von Mudschaheddin, heiligen Kriegern, die Amerika gegen den kommunistischen Erzfeind mit Waffen und Dollar unterstützen, erlebt Zarqawi 1989 die Befreiung von Khost im Osten Afghanistans. Er freundet sich mit einem Verwundeten an, der ein Bein verloren hat, er sorgt dafür, dass eine seiner Schwestern aus Zarqa diesen Mann heiratet. Es gibt ein Video von der Hochzeitsfeier am 16. Januar 1991: Zarqawi als junger, schlanker Mann, zurückhaltend, lächelnd. In pakistanischen Koranschulen und Moscheen verbringt er die letzten zehn Tage des Fastenmonats Ramadan mit pausenlosem Beten. "In dieser Zeit Anfang der 90er Jahre hat er auch Osama bin Laden kennen gelernt", sagen jordanische Geheimdienstler. Da hat der saudische Millionär schon den Plan, die arabischen Mudschaheddin unter seinem Kommando zu vereinigen.

1993 kehrt Zarqawi zurück nach Zarqa, radikalisiert, entschlossen, seinen Beitrag zum Jihad zu leisten. Der palästinen- sische Kleriker Abu Maqdisi, Mentor radikaler Salafisten in Jordanien, leitet eine Gruppe, der sich Zarqawi in führender Funktion anschließt. Sie planen Anschläge auf die israelische Grenze, auf Kinos und auf Geschäfte, die Alkohol verkaufen. Die Zelle fliegt auf. In Zarqawis Wohnung finden Ermittler Sprengstoff und Sturmgewehre. Er und Maqdisi werden 1994 zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Das Gefängnis von Swaqa liegt am Rand der Wüste. Wenn es Ärger mit den Wörtern gibt, agiert Zarqawi als Sprecher der Häftlinge. Um sich fit zu halten, läuft er morgens seine Runden in einem Innenhof. Er stemmt Gewichte, gebastelt aus Bettleisten und mit Salz gefüllten Olivendosen. Damit die anderen seine Tätowierung nicht sehen, versucht er, die drei grünen Punkte in der linken Daumenbeuge mit scharfen Gegenständen zu entfernen.

Die politischen Gefangenen

leben in Sektion 6, getrennt von kriminellen Straftätern. Bald spalten sie sich in zwei Fraktionen. Ein Arabischlehrer ist Anführer der Gemäßigten, die allein den Kampf gegen Israel propagieren. Maqdisi, Zarqawi und drei weitere Gefangene gründen die Gruppe Al Takfir wa Al Hijra. Diesen Radikalen gelten alle Nichtmuslime, ja sogar schiitische Muslime als "Ungläubige" - und damit als Feinde.

Zarqawi macht die Haft scheinbar wenig aus. Er trägt afghanische Tracht, schwärmt von den Taliban, von einem islamischen Kalifat. Den Aufenthalt in Afghanistan hat er als Initiationsritus empfunden, der ihm den Nimbus eines Mudschahed verschaffte. Osama bin Laden erwähnt er nie, "bewusst vermeidet er dies", wie es beim GID heißt. Wie besessen arbeitet er an seinem "Projekt": alle 114 Suren mit 6219 Versen des Koran auswendig zu lernen.

Allmählich übernimmt Abu Musab al-Zarqawi die Rolle des geschwätzigen Maqdisi. Der ist ihm intellektuell zwar weit Überlegen, aber Zarqawi dominiert die Gruppe durch sein Auftreten und Charisma. 1997 wird er zum "Emir" der Takfir-Gruppe. Seine Anhänger, darunter Analphabeten, die vom Märtyrertod träumen, folgen ihm bedingungslos.

Im Februar 1999 ernennt der sterbende König Hussein seinen ältesten Sohn zu seinem Nachfolger. König Abdullah II. erlässt eine Generalamnestie für politische Häftlinge. Zarqawi kommt frei und wird mit dem jordanischen Pass Nummer Z264958 ausgestattet. "Vielleicht war die Freilassung ein Fehler", sagt König Abdullah rückblickend im Interview mit dem stern vor zwei Wochen. "Aber niemand konnte damals ahnen, was aus ihm noch werden würde."

Insgeheim schmiedet Zarqawi Operationspläne für seinen Wahn vom heiligen Kampf. Bald ist er in die Planung koordinierter Anschläge in Jordanien verwickelt. Bei den Feiern zur Jahrtausendwende wollen Terroristen Hunderte Touristen ermorden, vor allem Amerikaner und Israelis. Ziele sind das voll ausgebuchte Radisson-Hotel in Amman, zwei Touristenorte und zwei Grenzübergänge nach Israel. Im Oktober 1999 fliegt die Zelle auf. Jordanische Ermittler verhaften mehr als ein Dutzend Militante. Zarqawi entkommt. Er reist mit einem Sechs-Monats- Visum nach Pakistan, in die Islamisten-Hochburg Peshawar. Im "Haus des Koran", einer großen Koranschule, bezieht er Quartier. Seine Frau und seine vier Kinder lässt er aus Zarqa nachkommen. Doch er hat kaum Zeit für sie, er plant den Aufbau einer eigenen Terrororganisation.

Afghanistan hat sich seit seiner Ausreise vor sechs Jahren verändert. Die Taliban sind an der Macht. Osama bin Laden betreibt Ausbildungslager für Araber und konvertierte Ausländer, die Besten werden ausgewählt für Terroranschläge weltweit. Der reiche Saudi baut al Qaeda auf, sein tödliches Netzwerk. Führungsstab, Schläferzellen, Kontakte, Befehlsketten - alles beruht auf persönlichen Bindungen.

Zarqawi weiß, dass er seine eigenen Pläne nur mit bin Ladens Hilfe verwirklichen kann. Doch er hat auch etwas zu bieten. Al Qaeda verfügt über Zellen auf der arabischen Halbinsel und in westlichen Ländern, Zarqawi hat Gefolgsleute im Iran, in Syrien, Jordanien, Israel und Europa. "Er hat damals direkt den Kontakt mit bin Laden gesucht. Er traf ihn und leistete den Bayat, den Treueeid. Beide verabschiedeten eine Übereinkunft: Zarqawi werde al Qaeda unterstützen - unter Aufsicht und mit finanzieller Hilfe von bin Laden. Insofern ist er einer von bin Ladens Assistenten und gehört zu al Qaeda", sagen GID-Experten. Zarqawi koordiniere seine Aktivitäten mit hochrangigen Al-Qaeda-Führern.

Als sein Visum für Pakistan

im Oktober 1999 ausläuft, bezieht er ein Haus im Zentrum Kabuls. Frau und Kinder schickt er zurück nach Zarqa. Der 33-JŠhrige baut nun sein eigenes Ausbildungscamp für jordanische Extremisten im Westen Afghanistans auf, bei Herat, nahe der iranischen Grenze. Hardliner der revolutionären Garden in Teheran gewähren den Schutz, den er braucht, unter ihren Augen kann er unbehelligt reisen, Hotelzimmer und Gästehäuser als Unterschlupf für Gefolgsleute anmieten. Seine Helfer kontrollieren die 300 Kilometer lange Straße von Meshed im Iran bis zu seinem Lager - eine entlegene Gegend mit Lehmhütten, Ziegenhirten, Drogenschmugglern.

In Herat, über der Einfahrt zum Camp, hängt ein Schild mit dem Namen seiner Organisation: "Al Tawhid wa Al Jihad", Einheit und Heiliger Krieg. Die eingeschleusten Freiwilligen schwären Zarqawi, ihrem "Emir", absoluten Gehorsam. Sie bewundern den Mann, der sich ohne Bodyguards im Lager und im Land bewegt. Ein palästinensischer Gefolgsmann aus Jordanien schenkt ihm seine Tochter als Zweitfrau: Im April 2001 heiratet Zarqawi in Kabul die 14-JŠhrige.

Im Osten Afghanistans, in einem Lager bei Jalalabad, experimentiert al Qaeda mit Chemikalien. Zarqawi überredet den Lagerleiter, auch seine Kämpfer aus Herat auszubilden. Insgeheim wirbt er al Qaeda einen genialen Chemiker ab. Der wird drei Jahre später als Chef jener Zarqawi-Zelle verhaftet, der es beinahe gelingt, das Hauptquartier des GID in Amman in die Luft zu jagen.

Anfang September 2001 hat Zarqawi im Iran zu tun. Er trifft sich dort mit Abu Ali. Der damals 35-jŠhrige Iraker lebt seit 1997 im münsterländischen Beckum. Sie haben einiges zu bereden. Es geht um Pläne für einen Anschlag in Deutschland.

Abu Ali ist ein Bär von einem Mann, 1,92 Meter groß, mit Oberarmen wie Baumstämme. Zarqawi nennt er ehrfurchtsvoll "Scheich" oder, in vertrauten Momenten, "Habibi", mein Lieber. Der Iraker ist einer der wichtigsten Knoten im europäischen Terrornetz von Zarqawi. Er hält Kontakt zu Gefolgsleuten in Großbritannien, Dänemark und Tschechien. Abu Ali unterhält einen regelrechten Fälscherring, der Zarqawis Anhänger in Afghanistan, Jordanien und im Iran mit Kreditkarten und Papieren ausstattet, damit sie problemlos nach Europa einreisen können.

Zudem ist der Bär ein berüchtigter Spendeneintreiber. Zunächst geht die Hälfte des Geldes an al Qaeda, den Rest muss sich Zarqawi mit den Taliban teilen. Aber bald befiehlt der seinen Anhängern in Europa, das ganze Geld gefälligst an die Kriegskasse von Al Tawhid zu überweisen.

Während sich Abu Ali mit Zarqawi im Iran trifft, verändert sich die Welt. Am 11. September 2001 entführen Terroristen in Amerika vier Passagierflugzeuge, steuern sie ins World Trade Center, aufs Pentagon, eine Maschine stürzt bei Shanksville im US-Bundesstaat Pennsylvania ab.

Am Tag darauf reist Abu Ali zurück. Er hat von Zarqawi den Auftrag, sich in Deutschland nach geeigneten Anschlagszielen umzuschauen. Gemeinsam mit seinen Leuten soll er alles vorbereiten: ein Objekt auskundschaften und den Sprengstoff besorgen. Der Anschlag soll aber erst erfolgen, wenn Zarqawi den Zeitpunkt für geeignet erachtet.

Zarqawi bereitet unterdessen

seine Gruppe in Afghanistan auf den drohenden Gegenschlag der USA vor. Zahedan- Meshed, die Einfallsroute für seine Freiwilligen durch den Iran, wird nun als Flucht-route präpariert. Am 7. Oktober 2001 fallen in Afghanistan die ersten US-Bomben. Elf Tage später, am 18. Oktober 2001, ruft Zarqawi in Deutschland an. Es ist 17.45 Uhr. "Friede sei mit euch", sagt Abu Ali, als er Zarqawis Stimme erkennt.

"Friede und Gottes Gnade. Wie geht es dir?", erkundigt sich Zarqawi.

"Wir sehnen uns nach dir, Scheich. Wir sind voller Sehnsucht", sagt Abu Ali. "Meine Nerven sind zu sehr strapaziert worden, und die Sünden lauern Überall. Denn es ist sehr schwierig in diesem Land." Der Iraker will zu seinem Führer nach Afghanistan, um dort gegen die Taliban-Gegner und die Amerikaner zu kämpfen. Aber Zarqawi hat andere Pläne mit Abu Ali. Er braucht ihn als Logistiker und Organisator in Deutschland, vorerst zumindest.

"Hör mal zu", sagt Zarqawi, "nur einen Zeitraum von zwei Monaten, und dann hole ich dich hierher. Gedulde dich nur, zwei Monate, mehr nicht."

"Ich schwöre es dir, Scheich. Ich schwöre, wenn du mir den Tod befehlen würdest, das töte ich", sagt Abu Ali. "Ich schwöre es, ich hätte keine Angst. Das Problem aber ist..." Ali bricht mitten im Satz ab, um nach einer kurzen Pause fortzufahren: "Es ist besser, wenn man etwas macht und man spürt es, als an einem Ort zu bleiben und dabei die ganze Energie zu verlieren. Und ich habe es dir gesagt, ich fürchte mich nicht vor ihnen."

"Nein, nein",

sagt Zarqawi energisch. "Denn wenn wir dich jetzt verlören, verlören wir einen Verbündeten ..." "Der Tod ist unvermeidlich", sagt Abu Ali. "Das stimmt, das stimmt." "Das ist eben das, was ich meiner Familie, meiner Mutter und meinen Geschwistern sage. Ich sage ihnen: "Ich suche einen Weg zum Tod." Ich fühle es, dass ich sündig bin. Vorgestern oder vor ein paar Tagen habe ich meine Mutter angerufen und sie gebeten, für mich in ihren Gebeten den Märtyrertod zu erflehen. Ich habe ihr erklärt, was das bedeutet ..."

"So Gott will", fällt Zarqawi ihm ins Wort. "Gott möge dich beschützen." In Köln beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) herrscht nun helle Aufregung. Mitarbeiter des Amtes haben das Telefonat abgehört. Seit den Anschlögen in den USA werden einschlägig bekannte Islamisten strenger Überwacht, unter ihnen Abu Ali, der den deutschen Behörden als Yaser Hassan bekannt ist. Erstmals erhalten sie in dieser Deutlichkeit Kenntnis davon, dass nun auch in Deutschland Islamisten Selbstmordattentate begehen wollen. Der Terror scheint vor den Grenzen der Bundesrepublik nicht Halt zu machen. Ein neues Bedrohungsszenario für deutsche Behörden. Umgehend informiert das BfV den Generalbundesanwalt, der bereits am nächsten Tag Ermittlungsverfahren gegen Abu Ali und unbekannte Personen einleitet, Aktenzeichen AZ 2 BJs 83/01-3.

Eine Woche später, am 25. Oktober 2001, treffen sich unter der Federführung eines Vertreters der Bundesanwaltschaft Mitarbeiter des BfV, des BND und des Bundeskriminalamtes (BKA), das die Ermittlungen Übernommen hat. Der Vertreter des BND Überrascht die anderen Teilnehmer damit, dass der deutsche Auslandsnachrichtendienst Abu Ali bereits seit vier Jahren, seit 1997, auf dem Schirm hat. Der Iraker habe engen Kontakt zum Kopf eines Waffenhändlerringes wie auch zu Pass- und Kreditkartenfälschern in Düsseldorf. Zudem halte er Verbindung zu einem Berliner Islamisten, der derzeit versuche, Quecksilber für Sprengladungen zu kaufen. Die CIA glaube, Zarqawi, "der damit droht, terroristische Vergeltungsschläge gegen Deutschland und andere europäische Länder durchzuführen", sei "schon im Endstadium der Planung".

Der BND hält diese Einschätzung allerdings für überzogen. Dem Dienst ist das Treffen zwischen Abu Ali und Zarqawi im Iran bekannt. Aber dabei habe Abu Ali nur die Genehmigung erhalten, ein Zielobjekt auszusuchen und zu observieren. Der Anschlag selbst solle dann von Personen durchgeführt werden, die dafür aus dem Ausland anreisen wollen. BND-Experten haben verfolgt, wie Zarqawis Leute in Deutschland Kontakt zu ihrem Scheich halten. Sie rufen die Telefonnummer eines Gästehauses in Afghanistan an, von dort werde der Anruf vermutlich über eine Immarsat-Mobilstation weitergeleitet.

Der BND-Beamte weist

die Runde ausdrücklich auf einen anderen Zarqawi- Anhänger aus Deutschland hin, der sich momentan noch zur Ausbildung in einem afghanischen Terrorcamp aufhalte. Der wolle noch in diesem Jahr nach Krefeld zurückkehren, wo er seit 1997 als Asylbewerber gemeldet ist.

Der aber ist längst zurück aus Afghanistan. Er sei als Pilger in Saudi-Arabien unterwegs gewesen, erklärt der Mann der Ausländerbehörde in Krefeld seine einjährige Abwesenheit. Das ist nicht seine einzige Lüge. Emad Abdelhadie, laut Asylantrag Iraker, heißt in Wirklichkeit Shadi Abdallah und kommt aus Jordanien. Während seiner "Pilgerreise" war der 1,91 Meter große Abdallah in Herat Zarqawi sofort aufgefallen. Als der Jordanier noch erfuhr, dass Abdallah ein Landsmann ist und seinen Statthalter in Deutschland, Abu Ali, persönlich kennt, setzt er alles daran, ihn für Al Tawhid zu gewinnen. Mit Erfolg. Abdallah gehört fortan zu den "schwarzen Blumen", wie sich die Anhänger Zarqawis nennen.

Zurück in Deutschland, meldet er sich wie befohlen bei Abu Ali - wodurch ihm das BKA wieder auf die Schliche kommt. Am 19. Dezember 2001 dann ruft Zarqawi morgens um 10.07 Uhr bei Abdallah an: "Friede sei mit euch." Als Abdallah die Stimme Zarqawis erkennt, stößt er vor lauter Freude einen spitzen Schrei aus.

"Hör zu, hör zu, hör zu", versucht Zarqawi ihn zu beruhigen, "wie geht es dir, ich muss schnell fertig werden, wie läuft es bei dir?"

"Gut, danke", sagt Abdallah

und erkundigt sich nach einem Freund, den er bei Zarqawi wohnt. "Allah soll ihn segnen", sagt Zarqawi, "er ist fertig." Abdallah versteht, sein Freund ist tot, gefallen im Krieg um Afghanistan. "Allah ist sein Helfer", sagt Abdallah mit Trauer in der Stimme. Aber Zarqawi hat keine Zeit für Sentimentalitäten. "Ich werde später mit dir darüber reden."

Am 28. Dezember ruft Zarqawi wieder an. "Möge Allah euch beschützen. Gibt es was Neues bei euch?"

"So Allah will, haben wir eine Braut aus Marokko gekauft. Sie ist eine sehr gute Braut, ich habe sie selbst gesehen." Braut ist eine Chiffre für Reisepass. Zarqawi ist gut aufgelegt. "Aber du darfst sie doch nicht sehen", scherzt er. "Wie?" Abdallah ist verdutzt.

Zarqawi amüsiert sich, dass Abdallah seine Äußerung ernst nimmt. Lachend erklärt er: "Es ist doch nicht erlaubt, dass du sie siehst! Wieso machst du so etwas - meine Braut anschauen?" In der Welt strenggläubiger Muslime dürfen Frauen keinem Fremden ihr Antlitz zeigen. Zarqawi erzählt noch, dass zwei Kameraden gestorben sind. Er hoffe, sie mögen als Mörtyrer ins Paradies einziehen. "Ja, möge Allah sie annehmen", sagt Abdallah. "Möge Allah sie annehmen", wiederholt Zarqawi.

Zarqawi hält sich nun im Iran auf und meldet sich fast täglich bei Abdallah. Der soll 40 Pässe für Afghanistan-Kämpfer besorgen. Dafür bekommt er 48 900 Mark. In einer zweiten Lieferung soll er weitere 70 Papiere beschaffen. Das BKA fürchtet, dass Abdallah noch ganz andere verschlüsselte Anweisungen von Zarqawi erhalten hat. Mit Sorge registrieren die Beamten, dass er sich nach einem der Telefonate auf den Weg nach Berlin macht.

Auf Kosten der "Firma", wie sich Ab-dallah bei einem Telefonat ausdrückt, sei er in einem Hotel abgestiegen. Anhand der "Zellenkennung" seines Handys kann das BKA seinen Standort verfolgen. Immer wieder geht er in die Fasanenstraße; dort liegt das Jüdische Gemeindehaus. Beim BKA herrscht nun allerhöchste Alarmstufe.

Aber zunächst will Zarqawi woanders zuschlagen. Am 15. Februar 2002 nehmen türkische Beamte an der Grenze zum Iran zwei Palästinenser und einen Jordanier fest. Sie haben gefälschte Papiere und seltsame Diagramme bei sich. Sie sagen aus, sie seien auf dem Weg nach Tel Aviv. Dort wollten sie einen Anschlag ausführen. Ihr Auftraggeber sei Zarqawi.

Der lässt sich durch die Festnahmen nicht von seinen Mordplänen abbringen. Im März 2002 explodiert unter dem Wagen eines Geheimdienstlers in Amman eine Bombe; der Offizier überlebt, zwei Passanten sterben. Und am 28. Oktober töten zwei seiner Anhänger den 60-jŠhrigen Amerikaner Laurence Foley, als er in seinen Mercedes steigen will. Sie schießen mit einer schallgedämpften Pistole. Beide werden festgenommen. Koordiniert hat die Attentate Zarqawi, der nun zeitweise im Nordirak auftaucht, in Regionen außerhalb Saddam Husseins Kontrolle. Von dort aus lenkt er die Operationen seiner Zellen im Ausland.

Die ganze Zeit

hält Zarqawi engen Kontakt nach Deutschland. Am 2. April 2002 ruft er Abdallah an. "So Allah will, alles ist gut", sagt der. Doch die Gruppe hat wohl Probleme: "Es läuft nicht so, wie manche möchten. Wir bestellen Sachen, Obst oder das Gleiche, aber sie verlangen hohe Preise oder halten mich hin."

"Hör zu, hör zu", fällt ihm Zarqawi ins Wort. "Du sollst dich nicht darum kümmern, ob was teuer ist oder nicht." Zarqawi schärft Abdallah ein, dass Geld keine Rolle spiele. Aber der hat offensichtlich Schwierigkeiten, an die erforderlichen Waffen heranzukommen. "Wir haben ein paar Sachen erreicht, aber nicht das Stumme. Das haben wir noch nicht, wir benötigen das Stumme, verstehst du. Sie haben mir eins gebracht. Ich sagte, ich brauche es nicht, was soll ich damit. Das schafft Probleme, ich brauche das andere."

Zarqawi versteht.

"Das Stumme" ist die Chiffre für eine Waffe mit Schalldämpfer. "Warum bleibst du nicht dabei und nimmst die schwarze Pille?", fragt er. "Das ist doch gut, was willst du mit dem anderen. Du kannst es, wenn du auf Reisen bist, im Auto hinstellen, dann brauchst du dir keine Sorgen zu machen."

"Wir haben daran gedacht, aber das Medikament, das damit benutzt wird, ich meine Honig, ist nicht vorhanden." Zarqawi drängt: "Es ist sehr einfach, sehr einfach, sehr einfach."

"Die schwarze Pille wird doch mit dem Honig gemischt, oder?", fragt Abdallah. "Ich habe verstanden", sagt Zarqawi. "Die schwarze Pille ist vorhanden, alles ist vorhanden, aber nicht der Honig. Honig ist hier kein Naturprodukt, es ist künstlich, ein Mischprodukt." Es geht um Sprengstoffe.

"Du kannst den fixieren, konzentrieren", empfiehlt Zarqawi. "Hör zu, hör zu, ihr müsst euch zusammenreißen, ehrlich. In diesen Zeiten, bei Allah."

"Wir bemühen uns, bei Allah, wir bemühen uns", versichert Abdallah.

Schließlich fragt Zarqawi, ob Abdallah die Sache nicht allein durchziehen will. "So Allah will, jetzt verstehe ich, mit Allahs Genehmigung." "Dies ist eine große Chance, eine große Chance", insistiert Zarqawi.

Ratlosigkeit und Sorge herrschen beim BKA. Die Codewörter sind noch nicht entschlüsselt, die Vehemenz, mit der Zarqawi offensichtlich die baldige Durchführung einer Aktion fordert, alarmiert die Beamten. Abgehörten Telefonaten zwischen Mitgliedern der deutschen Tawhid-Zelle glauben die BKA-Beamten entnehmen zu können, dass etwas für den 23. April 2002 geplant ist. An diesem Tag werden in einer konzertierten Aktion bundesweit sieben Personen festgenommen, allen voran Abdallah und Abu Ali.

Die Festgenommenen schweigen oder machen sich lustig über die Ermittler und Bundesanwälte. "Ich gehöre der Gruppe des Fladenbrots an, damit will ich sagen, dass ich hierher kam, um Asyl zu bekommen", sagt Abu Ali, als er gefragt wird, ob er Mitglied von Al Tawhid ist. Nach zwei Tagen jedoch bricht Abdallah sein Schweigen. Zur Überraschung der Beamten packt er aus, erzählt, wie er Zarqawi kennen lernte und dass Abu Ali die konkrete Anweisung erhalten habe, Anschläge in Deutschland vorzubereiten. Eine Diskothek in Düsseldorf und eine jüdische Einrichtung in Berlin seien die Ziele gewesen. Er verblüfft die Beamten mit dem Geständnis, dass er eine Zeit lang als Bodyguard für Osama bin Laden gearbeitet habe, bevor er sich dann doch lieber Zarqawi angeschlossen habe, zu dem er eine "sehr intensive Beziehung" gehabt habe.

Abdallah ist die Quelle,

von der Ermittler träumen. Detailliert macht er Angaben zur Struktur von Al Tawhid und al Qaeda, zeichnet Lagepläne von den Ausbildungscamps in Afghanistan und dechiffriert die Codewörter. Viele seiner Angaben decken sich mit Informationen, die der BND von einem Nachrichtendienst erhalten hat. Abdallah kommt ins Zeugenschutzprogramm des BKA.

Die Verhaftung der Tawhid-Zelle in Deutschland ist ein schwerer Schlag für Zarqawi. Er muss fürchten, dass seine Aufenthaltsorte verraten sind. "Gewöhnlich pendelte er zwischen dem Iran, Syrien und dem Nordirak", sagen GID-Offiziere dem stern. Im Sommer 2002 reist Zarqawi dann angeblich nach Bagdad. "Wir hatten ihn auf dem Schirm. Er wollte dort Terrorzellen aufbauen." Jordanische Behörden verlangen von Saddam Hussein die Ausweisung des Jordaniers, hätten aber "keine Antwort" erhalten. Der BND hingegen ortet Zarqawi im Iran und im Nordirak, nicht in Bagdad.

Das Konterfei des Terroristen wird am 25. November 2002 großformatig auf eine Leinwand im Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin projiziert. "Das ist meiner Meinung nach derzeit einer der gefährlichsten Männer der Welt", sagt Hans-Josef Beth den anwesenden Anti-Terror-Experten. Beth ist Leiter der BND-Abteilung Internationaler Terrorismus, Organisierte Kriminalität und Gegenspionage.

"Wegen Verdachts der Rädelsführerschaft in einer terroristischen Vereinigung" erlässt der Bundesgerichtshof unter dem Aktenzeichen AZ 2 BJs 9/03-3 am 5. Februar 2003 einen internationalen Haftbefehl gegen Zarqawi. Der macht an diesem Tag weltweit Schlagzeilen. Denn in New York erklärt US-Außenminister Colin Powell dem Weltsicherheitsrat, Zarqawi gehöre zum "finsteren Nexus" zwischen Irak und al Qaeda. Saddams Irak "beherbergt heute ein Terrornetzwerk, geführt von Abu Musab al-Zarqawi". Die deutschen Nachrichtendienste sind verdutzt. "US-Außenminister Powell hat in seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat Abu Musab al-Zarqawi als Bindeglied zwischen der al Qaeda und Saddam Husseins Regime in Bagdad bezeichnet. Diesbezügliche Hinweise konnten im vorliegenden Ermittlungsverfahren nicht festgestellt werden", schreibt ein BKA-Beamter am 17. Februar 2003 in die Ermittlungsakte. Laut Powell hatte Zarqawi sogar ein Bein verloren und habe sich deshalb in Bagdad behandeln lassen. "Das waren Fehlinformationen, Propaganda", sagt der GID zum stern.

Was vor dem Krieg Propaganda war,

ist heute blutige Realität. Der Irak ist zum Ausbildungs-, Aufmarsch- und Schlachtfeld des internationalen Terrorismus geworden. Und es gibt keinen Zweifel, dass Abu Musab al-Zarqawi das "tödliche Terrornetzwerk", von dem Powell sprach, jetzt tatsächlich aufgebaut hat. Zwar morden und bomben im Irak nach einer Analyse des jordanischen Geheimdienstes auch Ex-Baathisten, ehemalige Geheimdienstler und Offiziere, irakische Fundamentalisten und ausländische "Freiwillige" gegen die Besatzung, aber Zarqawis Tawhid-Gruppe spielt im Kampf der Aufständischen die entscheidende Rolle. Denn im Unterschied zu den anderen Kombattanten hat seine Organisation feste Strukturen. Geführt von neun Emiren operieren angeblich Hunderte Mitglieder.

Allein in den vergangenen 30 Tagen zählten private Sicherheitsdienste 2368 Angriffe, nach Ansicht der Experten ein "ganz normaler Monat". Mehr als 100 Ausländer sind in den vergangenen Wochen im Irak entführt worden, mindestens 27 von ihnen wurden ermordet. Mindestens drei von ihnen enthauptete Abu Mussab al-Zarqawi hšchstpersönlich. In einem 17-seitigen Dokument, das kurdische Fahnder im Februar einem Boten abnahmen, bezeichnet Al Tawhid den Terror im Irak als "al Qaeda 2".

Verfasser des Strategiepapiers war Sheikh Abu Anas Al Shami, der geistige Kopf der Gruppe. Am 17. September trifft eine Rakete auf einem Feld im Osten Bagdads sein Auto. Drei Tage nach dem Tod des Sheikhs taucht im Internet das bestialische Video von der Enthauptung Eugene Armstrongs auf. Stunden später stirbt ein zweiter Amerikaner, die Bilder von diesem Mord sind genauso schockierend. Tagelang bangt die Welt um das Leben des dritten Entführten, des Briten Kenneth Bigley. Zarqawi lässt derweil eine neue Botschaft ins Internet stellen.

Unter Bezug auf den Tod seines Stellvertreters "Abu Anas" verkündet er: "Das Köpfen der Amerikaner war unser erstes Signal, dass wir weitermachen werden."

Uli Rauss und Oliver Schröm/print

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