. .

Ratgeber Kinderkrankheiten

Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
Ratgeber Kinderkrankheiten
30. März 2009, 10:06 Uhr

"Kinder-Koks" gegen Reizüberflutung

Sie werden Zappelphilipp oder Traumsuse genannt. Dass Kinder mit einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS/ADHS) ernsthaft leiden, wird gerne abgetan. Skeptiker bezeichnen die Krankheit als Modediagnose und ADS-Medikamente als "Kinder-Koks" - oft zu Unrecht. Von Britta Hesener

ADS, ADHS, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Ritalin, Methylphenidat, Atomoxetin, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom

Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom haben oft massive Probleme in der Schule© Colourbox

Das Kopfsteinpflaster war manchmal Sabiene M.s letzte Rettung. Wenn ihre Tochter Lisa (Namen geändert) nicht aufhörte zu brüllen. Wenn kein Trösten, kein Wiegen, kein Streicheln die Kleine beruhigte, schob ihre Mutter sie mit dem Kinderwagen übers Kopfsteinpflaster. Der Kinderwagen holperte - und Lisa schlief ein. War sie wach ging es von vorne los. Sie schrie, weinte, war ständig unzufrieden und trat mit ihren Beinchen, die in einer Spreizhose steckten, um sich. "Sie auf den Arm zu nehmen, war eine Pein", erinnert sich Sabiene. Dass Lisa anders sein könnte, kam ihr nicht in den Sinn. Als Lisa größer wurde, entwischte sie ihr oft, rannte auf die Straße oder machte Unsinn. Sie ist halt temperamentvoll, dachte die Mutter. Das Wort Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom(ADS) fiel erstmals, als Lisa in den Kindergarten ging. Eine Kindergärtnerin sprach Sabiene M. darauf an. Damals empfand sie den Verdacht als haltlos, die Erzieherin als übereifrig.

Probleme in der Schule

In der Grundschule nahmen Lisas Probleme zu, in der weiterführenden wurden sie massiv. "Lisa hat es sich mit vielen Kindern verdorben", sagt ihre Mutter. "Wenn sie mit anderen Kindern spielt, muss alles so laufen, wie sie es will." Läuft es anders, wird sie jähzornig.

Lisa ist mittlerweile 13 Jahre alt. Sie kann sich zum Teil nur schlecht konzentrieren, lässt sich oft ablenken und hat Schwierigkeiten mit dem Lesen. Muss sie vorlesen, stottert sie. Ihr Selbstwertgefühl leidet. Um sich interessant zu machen, erfindet sie Geschichten. Ihre Freunde fühlen sich belogen und meiden sie dann, was Lisa nicht nachvollziehen kann. Ihr Gerechtigkeitssinn, typisch bei ADS, ist allerdings sehr ausgeprägt - auch ihren Lehrern gegenüber. Fühlt sie sich ungerecht behandelt, sagt sie das laut und oft undiplomatisch. Die Lehrer unterstellen Boshaftigkeit und schicken schriftliche Missbilligungen an ihre Eltern.

Sabiene M. hat zwei weitere Töchter mit ähnlichen Schwierigkeiten. Haben Lisa und sie vielleicht doch ADS? Sie gingen zum Arzt. Seine Antwort: "Die haben kein ADS, sonst hätten die mir das Büro auseinander genommen." Eine seriöse Diagnose ist das nicht. Sabiene M. suchte eine andere Ärztin auf. Deren Vermutung: ADS. Die eindeutige Diagnose steht allerdings noch aus.

Sabienes Geschichte ist typisch. Die Probleme ihrer Kinder verunsichern Eltern. Sie fragen sich, ob etwas mit ihrem Kind, ihrer Erziehung oder der Schule nicht stimmt. Lehrer werfen ihnen vor, ihre Kinder verzogen zu haben. Dass ADS dahinter stecken könnte, wird oft mit der Vermutung abgetan, dass es eine Mode-Diagnose sei, um Kinder mit Psychopharmaka ruhig zu stellen. Was ist ADS aber wirklich?

Reizüberflutung stört die Aufmerksamkeit

Ärzte und Psychologen sind sich noch immer nicht einig über Ursachen, Diagnose und Behandlung. Die meisten gehen davon aus, dass bei ADS-Kindern bestimmte Botenstoffe im Gehirn Informationen nur eingeschränkt übertragen. Konkret geht es um die Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin. Noradrenalin steuert die Aufmerksamkeit, Dopamin die Motivation. Als Folge können ADS-Kinder Reize nur schlecht filtern und reagieren auf alle gleichzeitig. Sich konzentrieren, still sitzen, zuhören - für sie unmöglich. Sie reagieren aggressiv oder flüchten in Tagträume.

Die ADS-Diagnose-Kriterien sind im DSM IV (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen) und ICD 10 (International Classification of Diseases) festgelegt. Die wichtigsten Symptome sind impulsives Verhalten, Unaufmerksamkeit und extreme Unruhe (Hyperaktivität). Wenn die Symptome länger als sechs Monate andauern, vor dem siebten Lebensjahr auftreten und zu Beeinträchtigungen führen, spricht vieles für ADS. Nicht jedes Kind hat allerdings alle Symptome. Das DSM IV berücksichtigt darum drei Untertypen: den vorwiegend unaufmerksamen Typus (ADS), den vorwiegend impulsiven Typus (HI) und den Mischtypus mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung (ADHS).

Erste Anzeichen schon im Säuglingsalter

Anzeichen von AD(H)S lassen sich schon bei Säuglingen erkennen. Typisch seien laut der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte (AG ADHS) lange Schreiphasen, Unruhe, Ess- und Schlafprobleme, Ablehnung von Körperkontakt und Misslaunigkeit. Im Grundschulalter mache sich AD(H)S bemerkbar durch Plan- und Rastlosigkeit, geringe Ausdauer, Trotz und mangelnde Regelakzeptanz. In der Jugend seien eine Leistungsverweigerung, ein stark vermindertes Selbstwertgefühl, eine erhöhte Risikobereitschaft und häufige Verkehrsunfälle typisch.

  zurück
1 2
 
 
Adobe Flash Player

BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche

Ist Ihr Kind zu dick oder zu dünn? Unser Rechner für Kinder und Jugendliche sagt es Ihnen.