Jedes zehnte Kind leidet heute unter Migräne. Obwohl den Kindern gut geholfen werden kann: mit Medikamenten und mit Trainings-Programmen. Doch zu viele Kinder werden in Deutschland zu spät behandelt - meist haben sich dann schon Probleme in der Schule ergeben.
Wie Sie selbst helfen können
Leidet Ihr Kind unter mäßigen, gelegentlichen Kopfschmerzen, reicht es meist aus, seinen Tagesablauf ein wenig zu ändern. Beobachten Sie, wann Ihr Kind unter Stress steht und wann seine Kopfschmerzen auftreten. Gönnen Sie Ihrem Kind weniger Aktivitäten und Termine, aber mehr Zuwendung und Ruhe. Geben Sie ihm ruhige Musik, mit der es entspannen kann. Lesen sie Ihrem Kind vor oder erzählen Sie ihm Geschichten, anstatt es lange fernsehen zu lassen. Achten Sie auch darauf, dass Ihr Kind genug Schlaf bekommt. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Sorgen. Überlegen Sie, was Sie selbst tun können, damit es ihm besser geht. Fragen Sie sich selbst, ob
Ihr Kind in der Schule gut zurecht kommt oder ob es zusätzliche Unterstützung braucht,
es am Nachmittag genügend Zeit zum Spielen und Entspannen hat,
alle Termine, Trainingszeiten und Kurse tatsächlich nötig sind,
Ihr Kind zu viel Zeit vor dem Computer sitzt,
Sie sich genügend Zeit für Ihr Kind nehmen,
es genügend Gelegenheiten gibt, damit Ihr Kind Ihnen von seinen Freuden, Erlebnissen und Nöten berichten kann,
die Familienatmosphäre entspannt ist oder ob es oft Streit gibt.
Wann Sie zum Arzt müssen
Helfen all diese Tipps nicht und versagen auch Hausmittel wie Nickerchen, sanfte Nackenmassagen, kühle Tücher auf der Stirn oder Stirnmassagen mit Pfefferminzöl, sollten Sie eine Ärztin aufsuchen. In eine Kinderheilpraxis sollten Sie auch gehen, wenn
Ihr Kind immer wieder Kopfschmerzen hat,
die Schmerzen länger als zwei Stunden anhalten,
ein Arzt bereits Spannungskopfschmerzen oder Migräne diagnostiziert hat, die Attacken aber häufiger und stärker werden,
neue Symptome hinzukommen,
sich die Art der Schmerzen ändert,
Krampfanfälle auftreten oder die bisherige Behandlung nicht mehr wirksam ist.
Lebensbedrohliche Ursachen sind bei Kopfschmerzen zwar selten, aber Sie sollten dennoch sofort einen Arzt aufsuchen, wenn
der Schmerz urplötzlich und heftig einsetzt,
das Kind zusätzlich hohes Fieber hat,
das Kind den Kopf nicht beugen kann, weil der Nacken steif ist,
das Kind ungewöhnlich stark erbricht,
das Kind wie benommen wirkt,
erstmalig ein Krampfanfall auftritt,
zum ersten Mal Seh- und Sprachstörungen auftreten,
die Arme und Beine sich schlaff anfühlen,
Ihr Kind plötzlich nicht mehr sicher gehen kann.
Verabreichen Sie nicht wahllos Kopfschmerztabletten: Als Therapie sind nicht alle Medikamente für Kinder geeignet. Aspirin ist sogar gefährlich. Mittel, die nur Paracetamol oder nur Ibuprofen enthalten, sind hingegen akzeptabel. Alle anderen Tabletten, Zäpfchen oder Pulver sollten Sie nur nach Absprache mit einer Ärztin geben.
Constanze Löffler