Immer mehr Kinder leiden unter Kopfschmerzen. In den meisten Fällen können Sie Ihrem Kind selbst helfen. Geben Sie Ihrem Kind aber nicht wahllos Tabletten: Manche Pillen sind nicht geeignet.
Professor Hartmut Göbel von der Kieler Schmerzklinik antwortet
Können alternative Heilmethoden meinem Kind helfen?
Für Verfahren wie Akupunktur und Homöopathie liegen keine eindeutigen Studiendaten vor. Ihre Anwendung entspricht deshalb nicht den Kriterien der evidenbasierten Medizin. Therapieversuche mit diesen Verfahren können dennoch im Einzelfall gestartet werden, beispielsweise wenn andere Verfahren versagt haben.
Warum kann ich meinem Kind nicht irgendeine Kopfschmerztablette geben?
Aspirin, also Acetylsalicylsäure, ist für Kinder nicht geeignet. Kombinationspräparate wie zum Beispiel Thomapyrin enthalten neben den eigentlichen Schmerzwirkstoffen wie Acetylsalicylsäure oder Paracetamol auch gefäßverengendes Koffein. Auch deshalb sind sie für Kinder ungeeignet.
Kopfschmerzen können entstehen, wenn man zuviel Schmerztabletten nimmt. Trifft das auch bei Kindern zu?
Der schmerzmittel-induzierte Kopfschmerz ist bei Kindern sehr selten, da die Kinder normalerweise keinen freien Zugriff auf Medikamente haben. Diese Form des Kopfschmerzes zählt zu den sekundären Kopfschmerzen.
Durch die stetige Einnahme von Schmerzmitteln wird im Gehirn ein Gewöhnungsprozess in Gang gesetzt. Dieser führt offenbar dazu, dass manche Schmerzmittelrezeptoren ihre Reaktionsbereitschaft und damit auch die Wirkung der Substanz mindern, gleichzeitig jedoch Schmerzreize vermehrt ungefiltert weitergeleitet werden. Dadurch ist die natürliche Schmerzregulation gestört. Es werden immer höhere Arzneimittelkonzentrationen benötigt, um den immer stärker empfundenen Schmerz zu bekämpfen - ein Teufelskreis entsteht.
Erst wenn auf diese Medikamente verzichtet wird, kann der Arzt eine unverfälschte Diagnose stellen und mit einer angemessenen Therapie beginnen. In der Kieler Schmerzklinik zum Beispiel werden die Präparate abrupt abgesetzt. Eine bis zwei Wochen später können die Ärzte eine richtige Diagnose stellen.
Kinder, die nicht gut schlafen, haben häufig Kopfschmerzen. Was können Eltern tun?
Der Zusammenhang zwischen einem veränderten Schlafrhythmus und dem Auftreten von Kopfschmerzen ist mittlerweile mehrfach bewiesen. Unter einem veränderten Schlafrhythmus versteht man einerseits Schlafmangel infolge von Schlafstörungen, andererseits aber auch zu viel Schlaf.
Dabei ist jedoch nach wie vor ungeklärt, ob die Kinder unter Kopfschmerz-Attacken leiden, weil sie einen veränderten Schlafrhythmus haben oder ob sich die Schlafstörungen durch die Kopfschmerzen einstellen. Allerdings ist bekannt, dass Migräne-Patienten teilweise schon als Säuglinge Schlafstörungen hatten.
Wir empfehlen den Eltern folgendes:
einen regelmäßigen Tagesablauf mit wiederkehrenden Ritualen,
einen Schlafraum, der auch nur zum Schlafen gennutzt wird - Fernseher und Videospiele gehören nicht ins Schlafzimmer von Kindern,
beruhigende Rituale in der letzten Stunde vor dem Einschlafen wie Lesen, Puzzeln oder Kuscheln.
Hier können Sie Ihre Fragen stellen. Unser Experte Professor Hartmut Göbel aus Kiel wird Ihnen so schnell wie möglich antworten.