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In der Pillen-Falle

Expertenrat

Professor Hartmut Göbel antwortet
Warum können Schmerzmedikamente wie ein Suchtmittel wirken? Nimmt man nur gelegentlich Schmerzmittel ein, hemmen diese Substanzen verschiedene Botenstoffe im Nervensystem, die Schmerzen übertragen. Auf diese Weise lindern die Arzneimittel die Schmerzen. Wenn Sie sehr oft Tabletten einnehmen, also an mehr als zehn Tagen pro Monat, registriert dies Ihr Nervensystem und versucht gegenzusteuern. Dazu setzt es verstärkt Botenstoffe frei. Will man jetzt das Schmerzmittel weglassen, sind zu viele Botenstoffe im Nervensystem und der Entzugskopfschmerz setzt ein. Der erinnert die Patienten sofort daran, weitere Schmerztabletten einzunehmen. Damit ist der Teufelskreis geschlossen. Es ist extrem wichtig, dass der Arzt den Schmerzmittel-bedingten Kopfschmerz diagnostiziert. Nur so kann er die Patienten richtig behandeln.

Welche Tabletten sind besonders gefährlich? Grundsätzlich kann jedes Medikament Schmerzmittel-bedingten Kopfschmerz auslösen und aufrechterhalten. Aus Untersuchungen wissen wir, dass besonders Schmerztabletten mit kombinierten Wirkstoffen diesen Kopfschmerztyp verursachen. Die internationale Kopfschmerzgesellschaft hat für diese Kombinations-Präparate wesentlich strengere Grenzen gesetzt: Sie sollten nicht so häufig eingenommen werden wie Einzelsubstanzen oder Triptane. Substanzen wie Acetyl-Salicyl-Säure, Paracetamol oder Ibuprofen erhalten die Kopfschmerzen aufrecht, wenn die Patienten mehr als 15 Tage im Monat diese Medikamente nehmen. Kombinations-Präparate verursachen Kopfschmerz schon, wenn sie an mehr als zehn Tagen pro Monat missbräuchlich eingenommen werden. Manche Betroffene nehmen von solchen Mitteln 20 bis 30 Tabletten pro Tag ein, und dies oft über Monate und Jahre.

Unterscheiden sich die Symptome bei den verschiedenen Wirkstoffen? Nein. Die Kopfschmerzen können zwar sehr unterschiedlich sein. Das liegt dann aber am zugrunde liegenden Kopfschmerz und nicht an den Medikamenten. Dieser mischt sich mit einem dumpf-drückenden oder pulsierenden, mittelstarken Dauerkopfschmerz. Stoppt man die Schmerzmittel, tritt ein Entzugskopfschmerz mit starker Intensität auf. Dieser Absetzkopfschmerz dauert bei Kombinationsschmerzmitteln, Ergot-Alkaloiden (Migräne-Mitteln) und Opioiden (Morphin-ähnlichen Schmerzmitteln) besonders lange, hier ist der Entzug also sehr schwer und langwierig. Leichter ist das Absetzen von Substanzen wie Acetyl-Salicyl-Säure, Paracetamol, Ibuprofen oder Triptan, weil sie nur bestimmte Regelkreise im Nervensystem beeinflussen. Aus diesen Gründen plädieren wir in der Kopfschmerzbehandlung für letztere Präparate.

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