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"Ich mach' das jetzt einfach"

Was war der Sommer ihres Lebens? Judith Hoersch über das amerikanische Gefühl, Sehnsucht nach dem Alleinsein und Wind im Haar.

Judith Hoersch ist Schauspielerin, Sängerin, Synchronsprecherin und Autorin. Man kennt sie aus dem "Tatort", aus "Soko" und hat sie in Bully Herbigs "Buddy" gesehen. Gerade dreht sie den RTL-Eventmovie "Witwenmacher" über die Starfighter-Affäre. Außerdem steckt ihr Herzblut in einer Tarantinoesken Low-Budget-Produktion namens "Schneeflöckchen".

Ihr Vater ist Journalist, hilft das eigentlich im Umgang mit uns Medien?

Mein Vater ist Musikjournalist und war Chefredakteur von VIVA. Bei uns gingen Künstler ein und aus, und ich sah das Business aus der Innenansicht und von der Marketingseite, was vorerst eher abschreckend auf mich wirkte. Ich war im Reitsport zuhause. Das hat sich dann aber mit 16, 17 geändert. Man kann seinen Wurzeln offensichtlich nicht ganz entkommen.

Sie haben drei Monate lang in Los Angeles Schauspiel studiert. Was war das beste daran?

Ich habe vier Jahre die deutsche Schauspielschule besucht - mit ihren Vor- und Nachteilen, ihrer Ernsthaftigkeit und auch Strenge. In Los Angeles konnte ich mich freispielen, mich ausprobieren. Das war toll. Das hatte etwas Verspieltes, und die Leute strahlen tatsächlich dieses "everything is possible" aus.

Sie spielen, singen, schreiben. Wollen Sie sich irgendwann festlegen?

Im ersten Beruf bin ich Schauspielerin, damit verdiene ich die Brötchen. Aber ich schreibe nach wie vor leidenschaftlich gern, wenn mir dazu auch meist die Zeit fehlt. Ich habe manchmal Sehnsucht nach diesem "Allein" des Schreibens. Aber ehrlich gesagt sind Schreiben, Singen und Spielen für mich gar nicht getrennt, sondern miteinander verknüpfte Formen des Ausdrucks. Am schönsten ist es natürlich, wenn ich auf der Bühne stehe und ein selbstgeschriebenes Lied interpretiere, was ich wiederum aus der Seele einer Schauspielerin tue. Die erzählt Geschichten. Und das will ich auch. Vielleicht deshalb hat es mir auch in Amerika so gut gefallen: Die spielen, singen und tanzen einfach alle. Und das mit größter Selbstverständlichkeit, was vielleicht auch daran liegt, dass es nicht brillant sein muss, sondern: Ich mach' das jetzt einfach. Dieses Einfach-Losträllern haben wir leider nicht mit auf den Weg bekommen.

Was ist Ihre liebste Sommerbeschäftigung?

Schauspieler arbeiten im Sommer besonders viel, deshalb ist mein Sommer häufig im Winter. Ansonsten mag ich Berlin im Sommer sehr! Ich gehe gern spazieren, so oll' das klingt. Stundenlang. Draußensitzen, Grillen mit Freunden, abends keine Jacke brauchen, Wind im Haar, Eis essen…

Hatten Sie ein Lieblingseis als Kind?

Das mit dem Kaugummi als Stil, Bum-Bum. Aber ich fand auch das Wassereis für zehn Pfennig super.

Gab es ein Ferien-TV-Programm, das Sie besonders gern geguckt haben?

Es gab in den Sommerferien diese Telefonaktion: Du konntest den Sender anrufen und zwischen fünf oder sechs Filmen auswählen. Das fand ich total geil und habe da immer mitgemacht.

Das Gespräch führte Sophie Albers Ben Chamo.

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