Castorfs "Walküre" stimmt das Publikum milde

28. Juli 2013, 10:07 Uhr

Mit seinem "Rheingold" hat Frank Castorf einen Fehlstart in Bayreuth hingelegt. Über die "Walküre" fällt das Festspiel-Publikum ein milderes Urteil. Dirigent Petrenko und die Sänger werden gefeiert.

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Die Sänger Anja Kampe (Sieglinde) und Johan Botha (Siegmund) wurden vom Bayreuther Publikum bejubelt©

Erst ein Fehlstart, dann tosender Jubel: Der zweite Teil von Frank Castorfs Interpretation des "Ring des Nibelungen" scheint dem Bayreuther Publikum deutlich besser zu gefallen als sein "Rheingold". Nach der Premiere der "Walküre" am Samstag gibt es tosenden Applaus. Der gilt allerdings vor allem den Sängern: Johan Botha und Anja Kampe als Siegmund und Sieglinde und deren Stimmgewalt werden frenetisch gefeiert. Das Bayreuther Festspielhaus steht Kopf schon nach dem ersten Aufzug, in dem die beiden aufeinandertreffen.

Catherine Forster als Brünnhilde hat es da nicht so leicht. Nach dem zweiten Aufzug wird sie sogar von Teilen des Publikums gnadenlos ausgebuht. Tatsächlich scheint sie nicht ihren allerbesten Tag erwischt zu haben und zeigt zu Beginn in den Höhen einige Schwächen. Am Ende aber haben Zuschauer und Sopranistin sich wieder versöhnt und sie wird ebenso stürmisch gefeiert wie Wolfgang Koch als Wotan. Für den Dirigenten Kirill Petrenko gibt es neben dem allergrößten Jubel sogar einige - wenn auch sehr wenige - Standing Ovations. Schon jetzt sprechen einige Kritiker nicht mehr vom Castorf-, sondern vom Petrenko-Ring.

Von der Route 66 nach Aserbaidschan

Die Inszenierung des Berliner Regisseurs scheint das Publikum weit weniger zu stören als sein grellbuntes "Rheingold". Darin verfrachtet Castorf Richard Wagners Geschichte in die USA der 1960er Jahre und in ein Motel und eine Tankstelle: Leuchtreklame, leicht bekleidete Rheinschwestern und Wotan als Gangsterboss.

Inszenierung und Bühnenbild fallen dagegen in der "Walküre" deutlich zurückhaltender aus. Diesmal spielt die Geschichte bei der Ölförderung in Aserbaidschan. Kulisse ist ein schäbiger Förderturm auf einer Drehbühne. Beziehung zu Teil eins? Eher Fehlanzeige.

Nur Castorfs Konzept bleibt weitgehend das gleiche: Er setzt weiter auf filmische Untermalung und lässt die Sänger stets von einem Kameramann begleiten. So nah hat man die Stars der Wagner-Oper selten bei der Arbeit beobachten können. Viel mehr an spannenden Ideen hat er aber - trotz wieder opulenter Bühne - leider nicht zu bieten. Sein großes Thema, das Öl als Gold unserer Zeit, wirkt trotz Förderkulisse und alten, oft anscheinend zusammenhanglos zusammengestellten Videos auf Leinwänden irgendwie aufgesetzt. Und was der Truthahn im Käfig im ersten Aufzug zu bedeuten hat - auch das bleibt das Geheimnis des Regisseurs.

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