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Verlag zieht Eva Hermans umstrittenes Buch vor

Schon vor Veröffentlichung ihres Buches "Das Eva-Prinzip" sorgen die Ansichten der "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman für Diskussionen. Nicht nur Feministinnen kritisieren ihre Thesen. Die Autorin kontert die Vorwürfe.

Wenn "Tagesschau"-Sprecher plötzlich selbst zur Nachricht werden, beobachtet die Hamburger ARD-aktuell-Redaktion deren Auftritte in den Medien mit Argusaugen. Das Flaggschiff des Ersten musste in der Vergangenheit so manch unerwünschte Schlagzeile über Mitglieder seine Sprechercrew umschiffen. Susan Stahnke schmiedete Hollywood-Pläne, Jens Riewa plauderte in der Boulevardpresse über sein Liebesleben, und Eva Herman heizt derzeit mit umstrittenen Thesen die Emanzipations-Debatte an. Nun nimmt sich die 47-Jährige, die seit 1989 bei der "Tagesschau" Nachrichten verliest, nach ihrer vorerst letzten Sendung am Donnerstagabend eine Auszeit. Gerade rechtzeitig, bevor der PR-Rummel um ihr neues Buch noch größer wird. Den Erscheinungstermin hat der Verlag bereits vorgezogen.

Kontroverse Diskussionen garantiert

Ihr nächstes Buch, "Das Eva-Prinzip", werde "voraussichtlich" für kontroverse Diskussionen in der Öffentlichkeit sorgen, hatte Herman laut Norddeutschem Rundfunk (NDR) ihrem Chefredakteur Kai Gniffke erst vor wenigen Tagen die überraschende Pause begründet. Die "Bild"- Zeitung berichtete indessen, es habe "Riesenkrach" gegeben, weil das Buch bei Feministinnen auf Ablehnung stoße. Letztere hatten schon Wochen zuvor in der Öffentlichkeit aufbegehrt, nachdem die TV-Frau im Magazin "Cicero" Thesen zur Rolle ihres Geschlechts publiziert hatte: "Es ist selbstverständlich, dass Frauen etwas lernen, dass sie sich weiterbilden und Aufgaben auch außerhalb der Familie übernehmen, wenn sie das Talent dafür haben. Doch all das sollte in Maßen geschehen."

Der Beitrag unter dem Titel "Die Emanzipation - ein Irrtum?" war nur der Auftakt. Schon Wochen vor Erscheinen ihres Buches sind die Diskussionen um die Thesen der prominenten Journalistin in vollem Gange. Dafür sorgen provokante Äußerungen der in Hamburg lebenden Autorin in einzelnen Interviews. Für die Moderatorin, selbst Mutter eines Sohnes, in vierter Ehe verheiratet und seit Jahren erfolgreiche TV-Karrierefrau, hagelte es harsche Kritik. Feministinnen und berufstätige Mütter, Frauen in Politik und Wirtschaft - Hermans Forderung nach einer Rückkehr zur traditionellen Wahrnehmung der Geschlechter erntete im ganzen Land scharfen Widerspruch. Dreiviertel der Deutschen halten ihr Frauenbild laut einer Umfrage für überholt und falsch.

"Zu viel Eva" und "Urgroßmuttis Küche"

"Frauenrolle rückwärts", schrieb die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Grüße aus Urgroßmuttis Küche", meinte die "Welt am Sonntag", "ein bisschen zu viel Eva", kommentierte die "Berliner Zeitung". Herman selbst wollte sich am Donnerstag weder zum Buch noch zu ihrer "Tagesschau"-Pause äußern. Dafür hatte sie sich in der "Bild am Sonntag" gewehrt: Viele Mails und Briefe stärkten ihr den Rücken - die "so genannte 'schweigende Mehrheit', die sonst meist nicht zu Wort kommt". Zudem zeigte sie sich "verwundert, wie viele selbst ernannte Kritiker ein Buch aburteilen, das noch gar nicht erschienen ist".

Das wird sich nun früher ändern als geplant. Der Verlag will das Werk bereits am 6. September ausliefern, sagte Sprecher Claus Carlsberg am Donnerstag. "Durch die Diskussionen über ein Buch, das noch keiner gelesen haben kann, sind wir gezwungen worden, so zu handeln." Hermans zum ursprünglichen Erscheinungstermin am 14. September in Berlin geplante Buchvorstellung wurde auf den 7. September vorgezogen. Unterdessen berichtete der NDR, dass es bei der "Tagesschau" keine Nachfolgerin für Herman geben soll. "Das wird vom Team aufgefangen", sagte NDR-Sprecherin Iris Bents.

Forderung nach "Neuem Feminismus"

Für die Nachrichtensendung hätte die Autorin, die nach wie vor im NDR Fernsehen ihre Talksendung "Herman & Tietjen" sowie die Quizshow "Wer hat's gesehen?" moderieren wird, wohl ohnehin vorerst keine Zeit mehr gehabt. Das Thema ihres Buches dürfte die Öffentlichkeit weiterhin beschäftigen. In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" etwa fordern prominente Frauen einen "neuen Feminismus". Zu den Autorinnen der 15 Beiträge, die alle das Gefühl teilten, "dass es in Deutschland einen Rückschritt gibt", gehört Hermans TV-Kollegin Anne Will. Die "Tagesthemen"-Moderatorin schreibt über eine "optische Täuschung" im TV: Frauen seien zwar auf den Bildschirmen präsent, nicht aber in den Chefetagen.

Dorit Koch/ DPA/DPA
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