Ein Schatten fiel auf die Person Christa Wolf, als die Stasi-Akten sie als "Gesellschaftliche Mitarbeiterin" und kurze Zeit auch als IM "Margarethe" in frühen Jahren (1959-1962) enttarnten, die sie dann aber sofort selbst in einem Dokumentationsband "Akteneinsicht Christa Wolf" offen legte, der auch ihre eigene Bespitzelung durch die Stasi offenbarte. Es bleibe aber "ein Wunder, ein dunkler Punkt" in ihrem Leben, wie sie später bekannte. Sie wurde auch nicht wie ihr Mann Gerhard Wolf aus der SED geworfen (aus der sie erst 1989 austrat, zu spät, wie sie bekannte), als sie gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 protestierte. "Den Prozess, den ich gegen mich eröffnet habe, muss ich ohne Beistand führen", notierte sie 1993.
Es kamen auch wieder die literarischen Erfolge, so 1996 mit "Medea" über Liebe und Verrat. "Kindheitsmuster" (1976) steht der Autorin nach eigenem Bekunden am nächsten, weil da das meiste von ihr hineingeflossen sei, meinte die im heute polnischen Landsberg/Warthe geborene Schriftstellerin rückblickend. 2002 erschien ihr Buch "Leibhaftig", der Albtraum eines Krankenhausaufenthaltes in der Endzeit der DDR, Patientin und Staat stehen vor dem Zusammenbruch.
Großes Interesse fanden auch Wolfs veröffentlichte Briefwechsel zum Beispiel mit DDR-Autorinnen wie Brigitte Reimann. Zu ihrem jetzigen Geburtstag ist der Briefwechsel mit der aus Deutschland emigrierten Philosophin, Ärztin und Autorin Charlotte Wolff (bei Luchterhand) erschienen.
Das soll die Zeit bis zum Erscheinen des neuen Romans überbrücken, an dem Christa Wolf wieder arbeitet. Und ein Thema bleibt ihr immer im Blick - die "weltgeschichtliche Niederlage der Frau". In Krisenzeiten zeige sich die dünne Decke der Zivilisation. "Angst, Gier, Rücksichtslosigkeit der Männergesellschaft kommen nackt hervor, die Frauen werden wieder an den Rand gedrängt."