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13. März 2010, 15:54 Uhr

"Grenzen gab es für mich nicht"

Wie erreichbar sind Sie heute? Ich hatte schon einiges bei den Recherchen zu meinem letzten Buch gelernt: Mails checke ich nur noch dreimal am Tag zu bestimmten Zeiten. Wenn ich unterwegs bin, gucke ich manchmal auch gar nicht rein. Zwei Tage keine Mails zu lesen, das war früher undenkbar.

Und wie haben Sie in Ihrem Privatleben aufgeräumt? Mein Berliner Arzt hat gesagt: 'Sie müssen sich mal versuchen vorzustellen, welche Menschen Ihnen auch ab und zu etwas geben - und welche eigentlich immer nur ihre Energie saugen.' Und als er das Zweite sagte, machte es vor meinem inneren Auge ein paar Mal: plopp! Sofort hatte ich ein paar Kandidaten im Sinn. Daraus habe ich Konsequenzen gezogen.

Gab es Beschwerden aus Ihrem Freundeskreis, weil sich viele plötzlich vernachlässigt fühlten? Manchmal. Aber wenn ich meine Situation erkläre, verstehen das eigentlich alle. Das Buch, das ich über meinen Burnout geschrieben habe, hilft mir auch, es besser verständlich zu machen. Die Freunde, die es bereits gelesen haben, haben wirklich süß reagiert. Sie sagen zum Beispiel: 'Du musst gar nicht anrufen!' - weil ich nicht gerne telefoniere. 'Melde dich einfach, wenn du Zeit hast.' Viele sind im Umgang sanfter geworden und das finde ich wunderbar. Es ist beruhigend zu wissen, dass man nicht sofort eine Freundschaft verliert, wenn man sich mal eine Zeit lang nicht hört oder sieht.

Haben Sie den Eindruck, Sie werden von anderen geschont, seit Sie Ihren Burnout öffentlich gemacht haben? Ich möchte gar nicht geschont werden! Viel wichtiger ist, dass ich es selbst hinbekomme, Nein zu sagen. Die Menschen dürfen ruhig zu mir kommen, ich sage dann Nein, wenn es mir zu viel wird.

Wofür schaufeln Sie sich heute Zeit frei? Für Genuss. Ich gehe wahnsinnig gern schön essen, trinke ein gutes Glas Rotwein, höre klassische Musik, lese. Früher hatte ich dafür wenig Zeit, weil ich ständig unterwegs war. In den neun Monaten vor meinem Burnout war ich gerade mal zwei Wochenenden zu Hause in St. Gallen, so etwas geht einfach nicht. Jetzt blocke ich mir die Zeit regelrecht im Kalender. Und ich sorge für Ruhezeiten. Selbst wenn ich einen wissenschaftlichen Aufsatz lesen muss, muss ich das nicht am Schreibtisch machen, sondern kann mich auch aufs Sofa legen, dabei Musik hören und Tee trinken. Mit kleinen Veränderungen schaffe ich so manchmal eine ganz andere Situation.

Was haben Sie durch den Burnout gelernt? Der buchstäblich übervoll gepackte Koffer, der mein permanenter Begleiter war und aus dem ich gelebt habe, war das Symbol für meine Situation, mein Leben: Es gab zu wenig Raum für zu viele Dinge, die sich nicht entfalten konnten. Dieses Verhältnis von Raum und Zeit habe ich nun für mich anders definiert: Ich kann nur mit so viel Stoff oder Dingen umgehen, wie in den vorhandenen Raum passen. Also mache ich nur noch so viel, wie ich in vorhandener Zeit mit gutem Gefühl tun kann.

Steckbrief Miriam Meckel Ihre Karriere begann die 1967 geborene promovierte Kommunikationswissenschaftlerin als Journalistin beim WDR, sie arbeitete für Vox, RTL und moderierte bei n-tv. Mit 31 Jahren wurde sie Deutschlands jüngste Professorin an der Uni von Münster. 2002 holte sie Wolfgang Clement als Regierungssprecherin nach Düsseldorf. Sie schrieb wissenschaftliche Aufsätze, Artikel sowie Bücher und erhielt 2005 den Ruf an die renommierte Schweizer Universität in St. Gallen. Privat ist Miriam Meckel mit der Moderatorin Anne Will liiert.

"Brief an mein Leben"

"Brief an mein Leben" Man mag es verstörend finden, dass Miriam Meckel, noch während sie in der Klinik ihren Burnout auskurierte, ein Buch verfasste. Doch das Ergebnis kann sich lesen lassen: Ungeschönt und selbstkritisch betreibt Meckel Seelenstrip und gibt Einblick in ihr Workaholic-Dasein und der XXL-Portion an Selbstausbeutung. Darüberhinaus reflektiert sie klug und bisweilen philosophisch über den Leistungsdruck und legt dabei fein beobachtet den Daumen in die Wunden unserer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft.

Interview: Tina Röhlich
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KOMMENTARE (10 von 15)
 
laketahoe (16.03.2010, 10:26 Uhr)
@lliycat Darf ich mitweinen.....
Ist ja in ordnung, wenn Sie für Frau Professor Meckel schwärmen.

Das ändert nur nichts an meinen Argumenten.

Ich hatte bisher einen ganz neutralen Eindruck von Miriam Meckel. Ich fand nur, dass dieses Outing verzichtbar war. Aber jeder, wie er mag.

Als ich dann mitbekam, dass Sie ihre Burn-Out-Erkrankung in einem Buch aufgearbeitet hat, um damit die Bestsellerlisten zu stürmen, da ging Sie mir dann plötzlich auf die Nerven, wid alle im TV mit ihren redundanten Werken omnipräsenten Autoren. Das hat damit zu tun, dass man im Deutschen Fernsehen manche Talkdhows und Magazine zum Großteil nur noch dafür produziert, um den TV-Geschöpfen, wie ich sie nenne, eine kostenlose PR-Plattform zu bieten.

Ich hoffe, Sie verzeihen mir, dass Frau Mecke da bei mir keine Ausnahme macht.

Man kommt heute in eine Buchhandlung und kann weite Areale schon mal umlaufen, da dort nur noch dieser Kram liegt.....

Und nun noch ein Wort zu Frau Professor Meckel als Wissenschaftlerin: Ich hatte ja bereits gesagt, sie kann es bestimmt besser. Dann soll sie es doch endlich beweisen. Mit Büchern und anderen Veröffentlichungen, die international zu Standardwerken oder Bestsellern der Fachliteratur werden.

Die kritische Betrachtung ihrer Person, inklusive leichztem Spott und etwas Häme in Deutschen Medien hat sie sich jedenfalls selbst zuzuschreiben.

lillycat (15.03.2010, 09:21 Uhr)
Das ist unfair @ laketahoe
Sie müssen gar nicht so ironisch rüberkommen. Was die Frau Meckel in den vergangenen Jahren geleistet hat, kann sich wohl sehen lassen. Mit ihren Büchern und Vorträgen hat sie schon vor Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass die Informationsüberbordung ein brandheisser Gefahrenherd ist. Und wenn sie jetzt selber sich daran die Finger verbrannt hat, dann ist das der beste Beweis dafür wie recht sie gehabt hat. Ausserdem finde ich es sympathisch, so richtig irden und noch volksverbunden dazu, dass sie das Ploppen vom Sekt- und nicht vom Champagnerkorken liebt. Das zeigt, dass sie trotz des ganzen Ruhmes und der Berühmtheit auf dem Boden geblieben ist.
laketahoe (14.03.2010, 14:44 Uhr)
Weiblicher Lehrstuhl für triviale Boulevardwissenschaften?
«Ich gucke die Show nie, finde ihn nicht wahnsinnig lustig», so Miriam Meckel in einem Interview über Harald Schmidt und seine Show in der FAZ Sonntagszeitung, nachdem Schmidt in seiner jüngsten Show das Burn-Out-Buch der Frau Professor Meckel - meiner Ansicht nach -.gebührend würdigte......... ganz schön unsouverän und öffentlich angesäuert für eine Kommunikastionswissenschafterin ....

Schade, dass Frau Professor Meckel mehr und mehr zu einem Mitglied der mit ihren trivialen Büchern und Botschaften durch die Talkshows tingelnden - sich rasend vermehrenden - Nullaussagen-Verkünder wird.

Als Wissenschaftlerin sollte sie den Fokus darauf richten, mit einem im internationalen Kontext großartigen Fachbuch oder Sachbuch, das dann zur Standardliteratur ihrer Branche wird, den internationalen Durchbruch in der Fachwelt zu schaffen.

Kollegen und Kolleginnen, deren Namen man nicht von allen Dächern pfeift, gewinnen mit ihrer publizistischen Arbeit den Pullitzer Prize ? während die kluge Überfliegerin Miriam Meckel im Fernsehen und in der Presse Selbstverständlichkeiten über Burn-Out und das Zuviel von Allem, wiederkäut.

Tragisch und interessant zugleich!
Welche Chance, zu glänzen in unserer Welt, haben ganz normale Frauen, wenn Premium-Ausgaben wie Miriam Meckel solche Bücher schreiben und auf ihrer Website neben ZItaten des Dichters Ringelnatz und Kollegen dann unter dem Menüpunkt Pipifax als Lieblingsgeräusch das Ploppen eines Sektkorkens hören lassen......

....wenn das mal nicht brandheisser Content einer Vorzeigewissenschaftlerin ist.

Nachdem ich daran glaube, dass Frau Meckel mehr drauf hat, als es im Moment in den Medien den Anschein hat, hoffe ich aber, dass sie sich nicht zu einer Professor Dr. Gertrud Höhler "für Arme" macht.......
shantisa (14.03.2010, 13:57 Uhr)
@mfritzbangkok: burn out
ist ein immer größeres Thema und daher keinesfalls "pille-palle"! Die permanente Erreichbarkeit, Multi-tasking und der Anspruch immer und überall perfekt zu funktionieren fordern eben ihren Preis. Daher alle Anerkennung für Frau Meckel, dass sie beschreibt, was ihr widerfahren ist. So können andere vielleicht etwas daraus lernen und die Bremse ziehen, bevor ihnen ähnliches passiert.
Cerberus (14.03.2010, 13:55 Uhr)
schneller, höher, weiter und immer jünger
Persönlich tut es mir sehr leid, dass Frau Meckel an einem "Burnout" erkrankt ist bzw. war.
Ich frage mich allerdings, was machen Frauen, die sich neben ihrer Berufstätigkeit (oder Karriere) noch um die Erziehung der Kinder und um die Gestaltung eines Familienlebens kümmern müssen?
Administrator (14.03.2010, 13:15 Uhr)
@Sanjoaquin
Ihr Beitrag wurde gelöscht. Sie können gern Kritik übern, aber mittels sachlicher Argumente und nicht persönlich beleidigend.
mfritzbangkok (14.03.2010, 09:08 Uhr)
Interview Miriam Meckel "Grenzen gab es für mich nicht"
Das Interview zeigt mal wieder, daß die Interviewte in einer Gesellschaft lebt, in der jeder schon alles hat.
Kommen Sie doch mal hierher ins ländliche Thailand und werden eines Tages mit Krebs diagnostiziert. Der Arzt rät Ihnen dann, das Sie noch schnell möglichst viele Verwandte treffen sollten, bevor es in ein paar Wochen zu Ende geht...vielleicht sehen Sie Ihre "Burnout"- Probleme hinterher als das, was sie wirklich sind...nämlich Pille- Palle.
Sternchen2020 (14.03.2010, 08:36 Uhr)
Was soll eigentlich immer diese Werbung?
Unglaublich!
Lugge (14.03.2010, 07:40 Uhr)
In China....
....ist gerade ein Sack voll Reis umgefallen!
GermaninUS (14.03.2010, 00:38 Uhr)
Okay, nun wollen wir doch mal...
...ein Gegengewicht zu all den "Nay"-Sayers bieten: tolles Interview, man bekommt einen Eindruck davon, wie diese Frau gelernt hat, nicht immer nach der Pfeife der anderen zu tanzen, sondern ihr Leben mehr zu geniessen.

Herzlichen Gruss aus dem sonnigen Kalifornien.
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