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17. Dezember 2009, 10:51 Uhr

In den Fängen der rumänischen Securitate

Ist Ihnen das gelungen?
Zunächst nicht, es gab noch weitere Begegnungen mit der Securitate, da holten sie mich vor der Schule ab und brachten mich in eine konspirative Wohnung in Temeswar. Da war mir klar, was sie wissen wollten. Nichts über die Schule, sondern über den Literaturkreis "Adam Müller-Guttenbrunn" (Gruppe deutschrumänischer Autoren, der u. a. auch Herta Müller angehörte, Anm. d. Red.), in dem ich das wohl jüngste Mitglied war, auch das schwächste dadurch. Zwei Tage bevor sie mich in diese konspirative Wohnung gebracht hatten, fand eine Sitzung des Literaturkreises statt. Und ich sagte ihnen genau das, was sowieso in der Zeitung stand darüber. Sie waren unzufrieden. Ich war entsetzt. Deswegen suchte ich Hilfe bei den um fünf, sechs Jahre älteren Schriftstellern Richard Wagner und William Totok. Ich sagte, ich könne das nicht ertragen, immer wieder abgeholt zu werden, so könne ich nicht leben. Leiter des Literaturkreises war damals Nikolaus Berwanger, eine schillernde Gestalt, Politiker und Schriftsteller zugleich, ein Parteimitglied, das seine Funktionen für den Erhalt deutscher Kultur in Rumänien einsetzte. Wagner sprach daraufhin mit Berwanger, der sprach daraufhin mit dem Securitate-Chef von Temeswar und ich hatte die Plage los. Das klingt so einfach. War es aber nicht. 1979, während meines Wehrdienstes in Corbu des Jos, begegnete mir die Securitate erneut. Bevor ich zur Wache sollte, ich hatte schon die Kalaschnikow geschultert, rief mich der militärische Geheimdienst-Offizier in den Seminarraum. "Ich weiß, in Temeswar hast du meine Kollegen verraten, aber hier hast du keinen Ausweg, hier wird dir kein Berwanger helfen." Dann stand er auf, nahm die Kalaschnikow, die vor mir auf einem Tisch lag, zielte auf mich und sagte: "Das nächste Mal werde ich Patronen drin haben." Ich machte mir fast in die Hose. Und dennoch: Das beeindruckte mich nicht mehr. Ein zweites Mal kriegen die keine Unterschrift.

Im November 2008 haben Sie erstmals Ihre Securitate-Akte eingesehen können. Was stand dort?
Zu den Anwerbungsversuchen habe ich in den Unterlagen nichts gefunden. Als ich 1984 zu Verhören zitiert wurde, wegen staatsfeindlicher Tätigkeit, während derer ich auch verprügelt wurde, waren bei dem Securitate-Oberst Padurariu schon Rachegelüste zu spüren. "Du hast uns ja damals verraten, bist zu Berwanger gerannt und hast ihm gesagt, was wir von Dir wollten. Jetzt zeigen wir es Dir." Auch davon steht nichts in den Akten.

1987 sind Sie nach Westdeutschland ausgereist, etwa zur selben Zeit wie Herta Müller, Richard Wagner und William Totok.
Ja, und im Westen haben wir dann gemeinsam die "Internationalen Aktionstage Rumänien" organisiert, in denen wir auf die desaströsen Zustände in Rumänien hinwiesen - dafür erhielten wir weiterhin Morddrohungen und die Securitate bearbeitete uns weiter. Das geht aus den Akten hervor: wie sie versucht haben, uns einzuschüchtern, wie sie uns Spitzel nachgeschickt haben, um uns zu beeinflussen und in der Öffentlichkeit zu diskreditieren. Ich sage nicht, dass das jeder so hätte durchmachen müssen. Aber wenn heute Menschen wie Frau Demski, um Werner Söllner zu schützen, ihn zu einem tragischen Helden machen, der sich nicht anders verhalten konnte, diskreditiert dies alle rumäniendeutschen Schriftsteller, die nicht mitgemacht haben und drangsaliert wurden. Dann geht die Verharmlosung der Securitate-Mitarbeit weiter - und eine Aufklärung wird unterbunden.

Von Andrea Ritter
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KOMMENTARE (1 von 1)
 
CarlGibson (17.12.2009, 16:43 Uhr)
Halbe Wahrheiten - Wo bleibt die Opposition?
Der damalige Rektor des "Lenau-Lyzeums in "Temeschburg Erich Pfaff wird hier schwer belastet. Wo blieb die konkrete Opposition Fraudendorfers gegen die Kommunisten? Weshalb appellierte er mit R. Wagner, H, Müller u. a. an die Protektion der RKP, die doch der Herr und Auftragggeber der Securitate war?Was ist mit den Privilegien, die sie z.T. als KP-Mitglieder genossen und ihre Bücher drucken durften? Alles vergessen? Söllner hat auch Meriten - und Eva Demski liegt richtig, wenn sie betont, dass alle, die damals unter der Ägide der KP veröffentlichen durften, Dreck am Stecken haben. Müller und Wagner durften in den Westen reisen! Wer hat sie verfolgt? Das sind alles Legenden" Beweise fehlen! Und Werner söllner hat sich 5 Jahre vor Herta Müller, Wagner, Frauendorfer von der Ceausescu-Diktatur losgesagt! Was soll diese Heuchelei. Die Dissidenten in Ceausescus Diktatur landeten im Gefängnis oder wurden umgebracht. Gegen den Diktator opponiert haben andere. Herta Müller und Richard Wagner sind nackte Opportunisten und Wendehälse, die als frühere Kommunisten heute einem primitiven Anti-Kommunismus das Wort reden, während ehemaligen Dissidenten das Wort verboten wird via Maulkörbe. Das in die Tasche Lügen ist Mode geworden - und die Lüge Methode. Weshalb wurde die moralische und politische Integrität von Herta Müller nicht öffentlich hinterfragt. Kritiker wurden gestoppt, um diesen Nobelpreis zu forcieren, ohne Rücksicht auf die Fakten. Frauendorfer und ein paar andere aus dem KP-Umfeld so genannter Schriftsteller helfen mit, einen Mythos zu zementieren und sind auch bereit, mit Steinen auf Kollegen zu werfen, die druchaus auch ihre Meriten haben. Im Gegensatz zu einigen Neidern hat Söllner ein Werk geschaffen, als Lyriker und als Übersetzer. Bevor er an den Pranger gestellt wird, sollten Herta Müller und ihr damaliger Gatte Richard Wagner ausführliche Lebensläufe vorlegen, damit man erkennen kann, ob sie selbst mit dem System verstrickt waren und Gegenleitungen für Privilegien erbrachten. Carl Gibson, Verfasser des Werkes zur Thematik: Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur. 2008.
P.S. Zur IKGS-Tagung in München: Echte Dissidenten wurden gar nicht erst eingeladen. Nicht die tatsächlich Verfolgten der Securitate interessierten, sondern die Pseudo-Verfolgten. Viel Stoff für STERN TV mit Günther Jauch!
Ich lüge, also bin ich! Das scheint die Devise zu sein bei der Vergangenheitsaufarbeitung in Rumänien. Die Wahrheit hat einen schweren Stand, wenn die Freiheit der Andersdenkenden via Medien unterbunden wird.
Befinden wir uns auf dem Weg in eine Meinungsdiktatur, wo einige Seilschaften bestimmen, was gesagt werden darf? Das Gängeln der freien Meinung geht bekanntlich der Errichtung einer echten Diktatur voraus! Wehret den Anfängen - und stoppt diese Heuchelei und Verlogenheit einer kleinen Gruppe, die pro domo redet, weil sie alle profitieren. Carl Gibson, Autor, ehem. Bürgerrechtler.
 
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