Also ich habe mir eines gekauft, weil der Einsatz von hoch giftigen Pestiziden und Insektiziden beim konventionellen Anbau von Baumwolle jährlich tausenden Menschen das Leben kostet. Und weil es gut aussieht, hoffe ich jedenfalls. Die Nachfrage nach umweltfreundlich hergestellter Mode ist stark angestiegen, sonst würde H&M und andere nicht auf diesen Zug aufspringen oder ein Konzern wie adidas plötzlich mit einer "grünen" Sneakers-Kollektion ankommen. Die Sachen müssen heute natürlich auch gut aussehen, nur mit der Botschaft für eine bessre Welt allein verkauft man keine Mode.
Peter Ingwersen, der Kopf hinter dem dänischen Luxusmode-Label "Noir" hat mal verkündet: "Auch grüne Mode muss sexy sein. Meine Kleider kauft niemand, nur weil sie Fairtrade oder Öko sind." Und David Hieatt, Gründer des britischen Ökomodelabels Howie's behauptet: "Die größte Umweltsünde ist, Kleidung herzustellen, die nicht gut aussieht." Man mag das jetzt total oberflächlich finden, aber ich glaube, es hat auch viel zum Erfolg der Biolebensmittel beigetragen, dass es heute in den Geschäften nicht mehr aussieht als müsste man seine Sachen da selber ernten. Wenn sie ethisch-ökologisch korrekte Produkte nicht nur an absolute Hardcore-Grüne verkaufen wollen, müssen sie auch verführen können. Wichtig ist doch, wie die Sachen hergestellt werden und dass unökologische und unsoziale Produktionsweisen endlich verschwinden.
Da gibt es Unmengen. Ich finde es zum Beispiel sehr charmant, dass man bei den Outdoorspezialisten von Patagonia seine - hoffentlich gewaschene - Kunstfaser-Unterwäsche aus Kunstfasern abgeben kann und die dann daraus Fleece-Pullover machen. Die Zukunft gehört solchen geschlossenen Produktionszyklen, gehört dem Recycling und dem sparsamen Einsatz von Ressourcen und Energie.
Es gibt sehr wenig elektronische Geräte, die aus recyceltem Material hergestellt werden. Es ist doch absurd, dass für den Bau eines Computers genauso viele Rohstoffe und Energie aufgewendet werden wie für den Bau eines Mittelklassewagens. Bei Handys oder Computern würde es sich anbieten, alte Teile für die nächste Produktgeneration wiederzuverwenden. Entsprechende Prototypen gibt es längst, da müssen die Hersteller endlich in die Hufe kommen. Wir müssen nicht jedes neue Handy, nicht jeden Computer von Grund auf neu produzieren.
Da haben Sie völlig Recht. Das berüchtigte Hanfkleid sehen Sie heute nicht mal mehr auf einem Grünen-Parteitag (wobei die sowieso heute so schick aussehen wie früher nur die Abgeordneten von der FDP). Das Drei-Liter-Auto von Volkswagen ist das beste Beispiel für so einen Öko-Flop: Niemand wollte sich hineinsetzen, weil es einfach scheußlich aussah, technisch völlig überfrachtet war und absolut freudlos vermarktet wurde. Spaß, Genuss, ein Schuss Abenteuer und Verrücktheit gehören auch bei ökologisch sinnvollen Produkten dazu, sonst nützt der gute Wille bei den Anbietern nichts.
Das ist ganz unterschiedlich. In Sachen Mülltrennung - und auch was viele Umwelttechnologien anbelangt, ist Deutschland anderen Ländern ein ganzes Stück voraus. Doch die Briten haben die besseren Angebote in Sachen Ökomode. Die Franzosen haben einfach ein sehr großes Bewusstsein für hochwertige Nahrungsmittel. Sie geben fast ein Drittel ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel aus - in Deutschland sind es nur zwölf Prozent! Skandinavier haben ein besseres Steuersystem für umweltschädliche Autos. Und bei so profanen Dingen wie der Kraft-Wärmekopplung im Energiesektor sind uns die Dänen oder Niederländer weit voraus.
Ich denke gar nicht, dass man es ihnen beibringen muss. Der Ansatz ist mir zu pädagogisch. Es geht vor allem um Transparenz und Information. Wir alle sollten die Möglichkeit bekommen, genau zu erfahren unter welchen Bedingungen die Sachen hergestellt wurden, die wir kaufen und welche Umweltauswirkungen die Produktion hat. Dann können wir selbst entscheiden, was uns die gute Sache wert ist. Im Internet gibt es immer mehr Seiten, auf denen sich die Menschen gegenseitig Tipps geben, wie sie ökologischer leben und einkaufen können. Die Bereitschaft ist da: Bevor das Bio-Siegel eingeführt wurde, wusste kein Mensch, was aus biologischem Anbau war und was nicht. Die Leute waren skeptisch. Inzwischen klebt das sechseckige Siegel auf über 48.000 Produkten und die Nachfrage steigt.
Natürlich ist es auch ein Trend. Aber ein Trend mit nachhaltigen Auswirkungen. Wenn Modefirmen in großem Stil Biobaumwolle einkaufen, wenn Automobilhersteller umweltfreundlichere Autos bauen, wenn Computerfirmen energiesparender und Ressourcen schonender produzieren oder immer mehr Bauern von konventionellem Anbau auf Bio umstellen, dann sind das Prozesse, die sich nicht mehr so leicht zurückdrehen lassen. Ob sich jemand ein ethisch-ökologisch korrektes Produkt kauft, weil es gerade in Mode ist oder er die Ideologie dahinter schätzt, ist mir persönlich egal. Hauptsache wir fangen irgendwie an so zu kaufen, dass die Umwelt nicht darunter leidet.
Interview: Julia Mäurer
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