Darunter sind auch Domkapitel-Protokolle aus dem Zeitraum vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Das Domkapitel war ein Kollegium von Geistlichen, das den Bischof von Köln bei der Leitung der Diözese unterstützte. Die Protokolle geben Aufschluss über das geistliche Leben in dieser Zeit. Gerade diese Dokumente sind bislang kaum ausgewertet, wie die Kölner Dombaumeisterin Dr. Barbara Schock-Werner im stern.de-Gespräch sagte. Erst vor ein paar Jahren sei mit der Erfassung und Sichtung dieser Bücher begonnen worden, doch man sei noch lange nicht fertig.

Von großer historischer Bedeutung sind auch die Unterlagen über die Pilgerreisen nach Köln. Die Domstadt gehörte im Hochmittelalter neben Rom und Santiago de Compostella zu den bedeutendsten Wallfahrtsorte jener Zeit, eine halbe Million sollen Pilger pro Jahr an den Rhein gekommen sein. Große Anziehungskraft besaßen die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die Kaiser Barbarossa 1164 dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel übergab. Zahlreiche Dokumente geben Aufschluss über die Pilgerströme im Mittelalter und beleuchten ein wichtiges Kapitel in der abendländischen Geschichte.
Auch Dokumente aus der jüngeren Vergangenheit lagern in der Kölner Südstadt: der Nachlass des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll oder des Komponisten Jacques Offenbach. Unterlagen über die Zeit des ersten Bundeskanzlers und früheren Kölner Bürgermeisters Konrad Adenauer bis zum Jahr 1945 waren dort ebenfalls aufbewahrt.
Sind diese Schätze nun alle unwiederbringlich verloren? Auf Nachfrage von stern.de gab Stefan Palm, Pressesprecher der Stadt Köln, teilweise Entwarnung. Ein Teil der rund 30 Kilometer Akten, die im Archiv schlummerten, musste bereits zuvor aus Platzgründen in umliegende Gebäude gebracht werden. Aber auch von den im Stadtarchiv gelagerten Dokumenten konnte einiges gerettet werden. So sind offenbar 40.000 von 65.000 kirchlichen Urkunden, die unterhalb des Verwaltungstraktes aufbewahrt waren, in Sicherheit.
Der schlimmste Feind für die historischen Dokumente ist die Nässe. Um die Unglücksstelle vor Regen zu schützen, hat man eine riesige Plane über die Ruinen ausgebreitet, zudem beginnt man zügig mit dem Bau eines provisorischen Daches.
Wieviele Stücke letztendlich gerettet werden können, ist zur Stunde noch unklar. "Die Schäden werden gigantisch sein", prognostiziert die Archiv-Leiterin Bettina Schmidt-Czaia. Und Kulturdezernent Quander wagt einen schockierenden Vergleich. Sollte der "worst case" eintreten, könnte der kulturelle Verlust schlimmer sein als beim Brand der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Am 2. September 2004 war der eine Million Bücher umfassende Bestand in Flammen aufgegangen, 50.000 Bände fielen dem Feuer zum Opfer, zigtausend weitere wurden schwer beschädigt.
Bundesweit nahmen damals Menschen Anteil an dem Schicksal der Bibliothek. Es bildeten sich Hilfskomitees, im ganzen Land spendeten Bürger Geld. Die Rettung und Restaurierung der verschütteten Dokumente am Rhein wird ebenfalls sehr kostspielig sein. Jetzt benötigt Köln die Solidarität der Bundesbürger.