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4. März 2009, 18:30 Uhr

Unter Trümmern verborgene Schätze

Darunter sind auch Domkapitel-Protokolle aus dem Zeitraum vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Das Domkapitel war ein Kollegium von Geistlichen, das den Bischof von Köln bei der Leitung der Diözese unterstützte. Die Protokolle geben Aufschluss über das geistliche Leben in dieser Zeit. Gerade diese Dokumente sind bislang kaum ausgewertet, wie die Kölner Dombaumeisterin Dr. Barbara Schock-Werner im stern.de-Gespräch sagte. Erst vor ein paar Jahren sei mit der Erfassung und Sichtung dieser Bücher begonnen worden, doch man sei noch lange nicht fertig.

Köln, Stadtarchiv, historisches, Severinstraße, Einsturz, Südstadt

Von großer historischer Bedeutung sind auch die Unterlagen über die Pilgerreisen nach Köln. Die Domstadt gehörte im Hochmittelalter neben Rom und Santiago de Compostella zu den bedeutendsten Wallfahrtsorte jener Zeit, eine halbe Million sollen Pilger pro Jahr an den Rhein gekommen sein. Große Anziehungskraft besaßen die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die Kaiser Barbarossa 1164 dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel übergab. Zahlreiche Dokumente geben Aufschluss über die Pilgerströme im Mittelalter und beleuchten ein wichtiges Kapitel in der abendländischen Geschichte.

Auch Dokumente aus der jüngeren Vergangenheit lagern in der Kölner Südstadt: der Nachlass des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll oder des Komponisten Jacques Offenbach. Unterlagen über die Zeit des ersten Bundeskanzlers und früheren Kölner Bürgermeisters Konrad Adenauer bis zum Jahr 1945 waren dort ebenfalls aufbewahrt.

Einiges konnte gerettet werden

Sind diese Schätze nun alle unwiederbringlich verloren? Auf Nachfrage von stern.de gab Stefan Palm, Pressesprecher der Stadt Köln, teilweise Entwarnung. Ein Teil der rund 30 Kilometer Akten, die im Archiv schlummerten, musste bereits zuvor aus Platzgründen in umliegende Gebäude gebracht werden. Aber auch von den im Stadtarchiv gelagerten Dokumenten konnte einiges gerettet werden. So sind offenbar 40.000 von 65.000 kirchlichen Urkunden, die unterhalb des Verwaltungstraktes aufbewahrt waren, in Sicherheit.

Der schlimmste Feind für die historischen Dokumente ist die Nässe. Um die Unglücksstelle vor Regen zu schützen, hat man eine riesige Plane über die Ruinen ausgebreitet, zudem beginnt man zügig mit dem Bau eines provisorischen Daches.

Wieviele Stücke letztendlich gerettet werden können, ist zur Stunde noch unklar. "Die Schäden werden gigantisch sein", prognostiziert die Archiv-Leiterin Bettina Schmidt-Czaia. Und Kulturdezernent Quander wagt einen schockierenden Vergleich. Sollte der "worst case" eintreten, könnte der kulturelle Verlust schlimmer sein als beim Brand der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Am 2. September 2004 war der eine Million Bücher umfassende Bestand in Flammen aufgegangen, 50.000 Bände fielen dem Feuer zum Opfer, zigtausend weitere wurden schwer beschädigt.

Bundesweit nahmen damals Menschen Anteil an dem Schicksal der Bibliothek. Es bildeten sich Hilfskomitees, im ganzen Land spendeten Bürger Geld. Die Rettung und Restaurierung der verschütteten Dokumente am Rhein wird ebenfalls sehr kostspielig sein. Jetzt benötigt Köln die Solidarität der Bundesbürger.

Stadtarchiv in Köln eingestürzt
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Von Carsten Heidböhmer
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KOMMENTARE (10 von 19)
 
Vincent_Vega (06.03.2009, 12:05 Uhr)
@hakma
Das wird aber schwierig, den Kölner Doom jetzt noch zum Einsturz zu bringen; schließlich wird in dessen Nähe nicht mehr gebaut. Da müsste erst noch die halbe Altstadt wegsacken, bevor das passiert.
horst.pachulke (06.03.2009, 00:47 Uhr)
@ Adventsprofi:
Rechnen Sie mal nach, wieviel Seiten 30 Regalkilometer sind. Und dann rechnen Sie mal nach, wie lange das dauert, das alles abzufilmen (in guter Qualität, versteht sich). Anschließend schreiben Sie mal mit brauner Tinte auf ein Papier, legen Sie das mal für ein, zwei Sommer in die Sonne. Dann scannen Sie das Schriftstück ein. Mit einem sehr guten Scanner. Sie werden wahrscheinlich überrascht sein, dass man nicht wirklich was sieht. Dann nehmen Sie jeweils ein leeres weißes und ein leeres elfenbeinfarbenes Blatt Papier und scannen dieses ein. Sie werden überrascht feststellen, dass Sie sehr wohl was sehen. Dann überlegen Sie, was das heißt bei einer ohnehin schon schwer zu lesenden Originalhandschrift. Man merke: Ein Duplikat ist niemals so detailreich und eindeutig wie das Original. Und einige Dinge werden nicht erfasst bei der Abphotographiererei; vor 1100 Jahren gab es halt noch kein DIN-Format; und wenn man das irgendwie am Stück auf einen Mikrofilm kriegen will, schneidet man halt den Rand, auf dem "eh nur Kommentare" stehen, einfach ab. Also sind die Kommentare (die wahrscheinlich ebenso interessant sind wie der Text) weg. Ganz davon abgesehen, dass das Mikrofilm-Duplikat schwarz/weiß ist. Und nicht in Farbe.
Vincent_Vega (05.03.2009, 12:27 Uhr)
Die Kulturgüter stehen deshalb im Vordergrund, weil...
von den Vermißten niemand mehr wird gerettet werden können. Davon gehen zumindest die Rettungskräfte von aus. Die Kulturgüter hingegen könnten eventuell noch gerettet werden, bevor zuviel Regen und Staub sie unrettbar beschädigen.
Damit sind die vermutlich Toten zwar immer noch wichtig, aber helfen kann man ihnen nicht mehr.
gaga007 (05.03.2009, 11:52 Uhr)
Vergilbte Papiere ...
Erst wird ein Vermerk eines Beamten verschlampt, der frühzeitig auf die Auswirkungen dieser dilletantischen U-Bahn-Baumaßnahme hingewiesen hat und jetzt sind den Protagonisten die vergilbten Papiere wichtiger, als die Verschütteten - welch menschenverachtende Einstellung ! Scheinbar hat der Kölner Karneval doch Folgen und die Spätschäden sind sehr offensichtlich ...
haakma (05.03.2009, 11:30 Uhr)
Kölner Klüngel bringt bald den Kölner Dom zum Einsturz
Jeder hat 3 Versuche!
400 Mio. € und kein Schutz?
Wer schütz die Bürger bei soviel Ignoranz gegen den Verlust wertvoller Kulturgüter.
Und erst wenn mal wirklich dem zahlenden Steuerbürger Gefahren drohen?
Aus dem Schaden der Amalienbiblothek nichts gelernt?????
provocateur (05.03.2009, 10:53 Uhr)
Alles halb so schlimm...
Es ist ja kein World Trade Center zusammengebrochen, welches über 400 Meter wie eine Knochenmühle alles zu Staub zermahlen hat. Die meisten Dokumente dürften zu retten sein, zumal die wirklich wertvollen Urkunden wohl im Panzerschrank gelegen haben dürften und dieser wird den Zusammebruch wohl mit ein paar Kratzern überstanden haben. Sicherlich ist zu bedauern, was da passiert ist, aber vielleicht lernen wir ja etwas daraus: Nicht jede Großprojekt macht Sinn. Gerade hier zeigt sich beispiel- und schicksalhaft, was passiert, wenn wir aus Prestigegründen die Erde unserer Vorfahren durchwühlen: Wir verlieren unsere Geschichte.
FleurdeLis (05.03.2009, 10:38 Uhr)
@Adventsprofi
Ich gehe mal schon davon aus, dass es Kopien gibt. Aber das wirklich wertvolle sind halt die Originaldokumente.
Natürlich sollten die Vermissten im Vordergrund stehen, aber nicht nur die. Die Bewohner der umliegenden Häuser, die teilweise mit eingestürzt sind oder abgerissen werden müssen, weil man dort Kräne zur Schuttbeseitigung hinstellen muss, die können einem auch leid tun. Teilweise durften die nur noch ein paar Habseligkeiten aus ihren Wohnungen holen, manche durften gar nicht mehr rein und jetzt ist alles weg, das stelle ich mir auch grauenhaft vor. Von den persönlichen Dingen mal abgesehen - wer keine Hausratversicherung hat, ist jetzt echt angeschmiert. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt Köln mit großzügigen Entschädigungszahlungen in die Bresche springen wird.
dist-bln (05.03.2009, 10:33 Uhr)
"SCHÄTZE"..?
ICH VERSTEHE NICHT GANZ, WIESO DIE ANGEBLICHEN "SCHÄTZE" IM VORDERGRUND STEHEN UND NICHT DIE RETTUNG DER VERMISSTEN...
WIE KANN MAN SICH SO LANGE ZEIT LASSEN, BIS MAN MIT DEM SCHUTTABTRAGEN BEGINNT...
IST DAS DIE GLEICHE UNFÄHIGKEIT UND ,VERZEIHUNG, - LECK-MICH-AM-ARSCH- EINSTELLUNG, DIE SCHON FÜR DEN EINSTURZ VERANTWORTLICH IST...
undueberhaupt (05.03.2009, 10:12 Uhr)
Wie kann man nur?
Ich hoffe sehr, das die Verschütteten noch lebend geborgen werden. Aber nichts desto trotz. Was sind das für U-Bahnbauer; für Planer und für Architekten. Die kommen wohl aus Schilda? Und dann dieses Archiv, das haben die Heinzelmännchen aus Pappe wie Ihre Karnevalswagen gebaut.
Ja, ja die Kölner sind eben jeck.
hannes_schinder (05.03.2009, 09:38 Uhr)
Es wird immer absurder
Warum bewahrt man diese "Schätze" auch in einem baufälligem Gebäude auf? Und noch schlimmer warum lässt man Menschen in ein baufälliges Gebäude neben dem zudem noch Baustellen sind? Demnächst wird noch ausgerechnet was die Menschen wert waren und kosten, die verschüttet sind, Gott sei dank saß Herr Ackermann nicht im Archiv.
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