
Deon Meyer fährt gern Motorrad und schreibt seit 1994 Krimis© Rütten & Loening
Wenn Sie einen Thriller schreiben, suchen sie nach potentiellen Konflikten. Darum geht es in Thrillern und Krimis. Ohne Konflikt, keine Spannung. Ich nehme also alle Konflikte, die ich finde, verstärke sie und bringe sie in dieses Buch. Ich verzichte dabei auf das Leben von Millionen Menschen, die völlig konfliktfrei leben. Von denen zu erzählen, wäre langweilig. Machen Sie nicht den Fehler und betrachten ein fiktionales Werk als die Realität eines Landes. Das wäre unfair.
Ich verarbeite gar nichts. Ich schreibe Geschichten, um Menschen zu unterhalten. Große Teile des Romans sind frei erfunden. Es gibt keine Ökoterroristen in Afrika, wie sie in "Weißer Schatten" auftreten. Es gibt Meinungsverschiedenheiten über die Frage, wie mit dem Umweltschutz umzugehen ist. Aber die werden auf eine äußerst zivilisierte Art und Weise diskutiert. Das habe ich verstärkt und Terroristen, Fanatiker daraus gemacht.
Manches. Es ist keine Dokumentation, es ist eine Geschichte.
Puh. Das ist schwierig. Ich stehe beispielsweise an einer Tankstelle und ein Weißer redet sehr rassistisch mit einem Schwarzen. Dann passiert Wochen oder Monate nichts. Und irgendwann ist es wieder einmal so weit. Sie lesen den Leserbrief eines Schwarzen in der Zeitung, der sehr rassistische Bemerkungen macht. Das ist wie in Deutschland oder woanders auch.
Das ist wahr. Aber die meiste Zeit über kommen wir miteinander aus.
Ich glaube nicht, dass das wirklich der Grund ist, warum sie gehen. Sie tun es, weil sie nicht bereit sind, einen Beitrag für das Land zu leisten. Ich bin froh, dass sie dann gehen. Diese Menschen brauchen wir in Südafrika nicht. Wir brauchen Leute, die sagen: Ich habe die Früchte der Apartheid genossen. Jetzt muss ich meine Schuld zurückzahlen und dafür sorgen, dass dies ein besseres Land wird. Ich muss versuchen, die Probleme der Vergangenheit zu lösen. Die Leute, die gehen, weigern sich, das zu tun.
Ich tue viele Dinge, in vielen verschiedenen Bereichen. Ich engagiere mich für den Kampf gegen Armut. Aber ich spreche nicht darüber. Es ist nichts, was ich für die Öffentlichkeit tue. Ich tue es für die Leute.
Nein.
Damals habe ich mich schuldig gefühlt. Aber das ist kein sehr positives Gefühl, aus dem irgendetwas Nützliches erwachsen würde. Sie müssen sich überlegen, wie Sie eine bestimmte Sache sehen, wo sie stehen, wie sie das neue Südafrika sehen. Wollen Sie ein Teil davon sein, wollen sie beim Aufbau helfen? Schuldgefühle sind kein gutes Motiv.
Dass ich weiß bin, hat mir in diesem Land bestimmte Vorteile verschafft, mit denen ich jetzt etwas anfangen muss. Ich durfte studieren, ich habe ein ordentliches Einkommen. Was mache ich daraus? Wie wende ich das so an, dass es meinem Land hilft.
Alle und niemand. Wenn Sie so behütet aufgewachsen sind, wie das bei Ihnen wahrscheinlich der Fall gewesen ist: Können Sie sich vorstellen, so arm zu sein wie manche der Menschen in Afrika?
Versuchen Sie es. Stellen Sie sich vor, Sie haben nichts. Gar nichts. Sie wissen nicht, ob Sie am nächsten Tag etwas zu essen haben werden. Sie finden keinen Job, obwohl sie überall danach suchen. Sie haben keine Ausbildung. Sie mussten die Schule schmeißen, weil Ihr Vater plötzlich verschwunden ist. Ihre Mutter kann die Familie nicht ernähren. Und nun kommt jemand aus einem anderen Land in Ihres und macht einen Job, den Sie auch gern hätten, für noch weniger Geld. Würden Sie sagen: Hey, nimm den Job, alles klar, ich hungere noch ein paar Wochen? Und nun versetzen Sie sich einmal in den anderen. Er kommt aus einem afrikanischen Land, wo es den Leuten noch schlechter geht. Er will überleben und seiner Familie Geld schicken. Er hat gehört, in Südafrika gebe es Jobs, also macht er sich auf diese schreckliche Reise, auf der er fast an Hunger und Durst stirbt. Er ist bereit für quasi nichts zu arbeiten, denn er hatte nie etwas. Und wenn er zehn Rand in der Stunde verdient, ist das mehr, als er je zuvor besaß. Geben Sie ihm die Schuld, für das was er getan hat? Sagen Sie es mir. Ich kann es Ihnen nicht sagen.
Warum fragen Sie mich das? Wir beiden Privilegierten sitzen hier und sagen: Natürlich darf man nicht töten! Aber wir waren niemals in so einer Situation.
Das Buch Deon Meyer, "Weißer Schatten". Übersetzt von Ulrich Hoffmann. Rütten & Loening. 421 S., 19,95 Euro