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15. April 2010, 22:10 Uhr

Der Daniel Düsentrieb des Digitalzeitalters

Legitime Steuer auf Ruhm

Wie ein faires Zusammenspiel von Urheber- und Nutzerrechte im Internet-Zeitalter aussehen könnte, versucht der Urheber Doctorow mit seinen eigenen geistigen Produkten auszuloten. Jeder seiner Romane erscheint in zwei Versionen: Einmal als klassisches Printexemplar, das man im Buchhandel kaufen kann, gleichzeitig stellt Doctorow die digitale Version in allen verfügbaren E-Book-Formaten zum kostenlosen Download auf seiner Website zur Verfügung.

"Mein Problem als Autor ist nicht Piraterie, sondern Unbekanntheit", erklärt er. "Wenn die Leute mein Buch nicht kaufen, dann nicht etwa, weil sie es sich umsonst herunterladen können, sondern weil sie mich nicht kennen. Natürlich gibt es Leute, für die eine kostenlose digitale Kopie ein Ersatz für ein gedrucktes Buch ist. Aber für die meisten ist die digitale Kopie ein Kaufanreiz für die gedruckte Version." So befremdlich dieses Geschäftsmodell erst einmal klingt, so erfolgreich ist es. Fast 100.000 gedruckte Exemplare hat Doctorow von "Little Brother" verkauft. Raubkopien betrachtet er als eine legitime Steuer auf Ruhm.

Lieber vorne dran sein bei dem, was im Markt passiert

Doctorows Strategie ist nicht der Traum eines naiven Info-Hippies, sondern der Versuch, den Realitäten des Netzes gerecht zu werden. "Niemand weiß, was die Zukunft bringen wird", erklärt er. "Aber eins ist sicher: Ich werde niemals verhindern können, dass Leute meine Bücher kostenlos herunterladen, wenn sie es wollen. Es ist nicht besonders schwierig, Bücher einzuscannen. Und sobald ein Buch im Netz ist, können wir das Kopieren nicht aufhalten. Wenn Ihr Plan für E-Books auf der Idee gründet, dass die Leser es nicht irgendwo umsonst bekommen, haben Sie ein Problem. Jedes Geschäftsmodell muss auf der Idee gründen, dass die Leute uns freiwillig bezahlen."

Doctorow weiß so wenig wie alle anderen Auguren, in welche Richtung sich das Verlagsgeschäft entwickeln wird. Vielleicht werden Amazons Kindle oder Apples iPad alles verändern. Aber ihm ist es wichtig, an der vordersten Front der Technik dabei zu sein, um experimentieren zu können. "Es ist falsch zu glauben, dass wir uns auf eine Periode technischer Stabilität zu bewegen", sagt er. "Wir werden nicht in fünf Jahren aufwachen und sagen können: 'So, jetzt haben wir alle technischen Veränderungen hinter uns. Jetzt wissen wir für die nächsten 100 Jahre, wie das Verlagsbusiness funktioniert.' Nein. Wir werden das Verlagsgeschäft bis zum Ende aller Zeiten neu erfinden müssen. Und mein Fingerspitzengefühl wird besser sein, wenn ich verstehe, was im Markt passiert und darauf reagieren kann. "Fingerspitzengefühl" - er sagt das Wort auf Deutsch - "ist mein Lieblingswort in Ihrer Sprache."

Von Stephan Maus
Seite 1: Der Daniel Düsentrieb des Digitalzeitalters
Seite 2: Legitime Steuer auf Ruhm
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Preston (16.04.2010, 19:52 Uhr)
@Daneel: endlich sagt es mal jemand...
Genau das ist der Punkt:
es gibt keine "Internet-Generation"; es gibt höchstens eine, die glaubt, Bücher zu lesen, sei Zeitverschwendung (was eine üble Selbsttäuschung ist).
Für alle anderen, skeptischen Menschen ist das Internet nur ein Werkzeug, kein Mittel der Selbstdarstellung.
Daneel (16.04.2010, 18:10 Uhr)
Wer ist die Internet-Gemeinde?
"Ihr Kommentar, Daneel, dokumentiert allerdings eindrucksvoll den großen Bruch in den Denkweisen der Vor-Internetgeneration (Sie) und der Internetgeneration (Doctorow)."

Ich verbringe seit 1992 täglich mehrere Stunden im Internet. Und Sie? Und Doctorow? Leider neigen viele Journalisten dazu, als "Internetgemeinde" nur die zu bezeichnen, die die Piratenpartei gut finden; alle anderen sind Steinzeitmenschen. Es ist sehr wohl möglich, sich im Internet auszukennen und trotzdem eine andere Meinung haben, obwohl manche Leute es lieber sehen würden, wenn es keine Meinungsfreiheit gäbe.
KilianKissling (16.04.2010, 17:11 Uhr)
Little Brother als Hörbuch
Auch bei seinem aktuellen Buch gibt es neue Wege. Neben einer freien Fanversion produziert der Argon Verlag als erster "normaler" Verlag eine proffessionelle Fassung, die auch unter Creatice Commons freigegeben werden soll. Mehr unter http://little-brother.argon-verlag.de/
iosono (16.04.2010, 11:58 Uhr)
ps
für die fragezeichen im text kann ich nix-waren vorher nicht da.schei.....mac
iosono (16.04.2010, 11:57 Uhr)
Musik und Film
vor ca.100 Jahren hat der Mensch es geschafft Audio
zu speichern und wiederzugeben.
Technik hat ermöglicht das man aus Musik ein
Geschäft machen konnte.
Es war also keine Selbstverständlichkeit das man für
Musik-hören bezahlt hat-1800 Jahre mindestens im Christentum-)

Damals tingelten die Künstler durchs Land und verdienten
ihr Geld mit Auftritten.

Wenn also Technik es ermöglicht hat mit Cd's,Platten usw.
Millionen zu verdienen,also man brauchte nicht mehr vor Ort zu sein
um mit seiner Musik Geld zu verdienen-
so macht die heutige Technik und damit
der normale menschliche Fortschritt dieses einträgliche Geschäft kaputt.
Natürlich möchte die Musikindustrie diesen Fortschritt aufhalten
und erzählt uns so etwas ist nicht fair.

Wieso? Hat die derzeitige Musikindustrie eine Art Artenschutz?
Viele unserer Vorfahren haben ihre Arbeitsplätze oder ihr Auskommen
durch technischen Fortschritt verloren-andere neue Arten des Geldverdienens
sind entstanden.das ist ein natürlicher Prozeß.
Fragt mal die 'Faltkartenproduzenten''---schei.. Nav'is -)

Die Künstler werden wieder durch die Gegend tingeln und
mit Auftritten ihr Geld verdienen müssen um auf das geiche Geld zu kommen wie vor 20 Jahren ,
das kommt den kulturellen Angebot unserer Städte zugute--wer viel verdienen
will muss viel auftreten.
Ich garantiere das man damit weiter seine Villen,seine Autos,seine Frauen,Drogen......
finanzieren kann und viel mehr als Herzchirurgen,die meisten Wissenschaftler,Ingnieure
verdient--und demokratischer ist es sowieso da keine Industrie mehr bestimmt,
Wer wie lange die derzeitigen Superstars-plätze belegt und welches image gerade ''in'' ist.
Alben werden nur noch Werbegeschenke sein so wie heute Kugelsschreiber-kostenlos.
War auch mal anders das mit den Kugelschreibern.......

und was den download von Filmen angeht---eine Filmindustrie ,die seit der ?Erfindung der bewegten Bilder,es gerade mal geschafft hat das es mehr Farbe im ?Kino gibt und das es etwas lauter ist und nacht Popcorn stinkt, ?diese Kino--Industrie braucht sich nicht zu wundern das Leute lieber ?Homekino schauen, denn Kino ist ja kein Erlebnis mehr,Homekino reicht. Es stelle sich nur einer vor die Autoindustrie hätte sich auch so entwickelt ?die letzten 100 Jahre----dann würden wir heite gerade mal den Sicherheitsgurt ?kennenlernen. ?wo war das 3-d Kino?Geruchskino?abrupte Klima-temperaturregelungen im Kino ?um das Gefühl von Sahara oder Alaska-kälte zu transportieren............. ?ok,das letzte habe ich mir ausgedacht. ?Aber langsam tut sich was -siehe 3d------aber ein Menschenrechts-Existenzrecht ?hat die Musik und Filmindustrie nicht----siehe Geschichte des menschlichen ?Fortschritts. ??P.s.-Filmindustrie profitiert auch vom Fortschritt---vor 20 Jahren ?gab's noch kaum Videospiele-heute macht Hollywood damit mehr Umsatz als mit Kino--- ?sehen sie das als Entschädigung für die illegalen download's liebe Filmbosse. ?Fortschritt ist nicht nur für euch da.
Technik gibt-und Technik nimmt.
Ich bin mir sicher das es ohne illegale downloads heute immer noch keine 3D Kinos und Filme geben würde.

Helly (16.04.2010, 10:31 Uhr)
0c3z0
Sehr schön beschrieben. Deckt sich zu 100% mit meiner Meinung. Genau aus diesen Gründen, habe ich mir nicht die neuen Games wie Assassins Creed II oder Die Siedler 5 gekauft. Nicht weil ich es nicht kann, sondern weil es eine Frechheit ist, beim einem Singleplayer permanent online sein zu müssen. Ich spiele die Story nur alleine, ohne andere Teilnehmer im Netz, wozu dann die permanente Verbindung? Genauso ist es eine Frechheit, dass teilweise die Spiele-Server ausgefallen sind, und man das Spielt garnicht mehr spielen konnte, obwohl legal erworben! Somit war der ehrliche Käufer mal wieder in den Arsch gekniffen.

Entschuldigung, aber wenn ich mir ein Auto kaufe, frage ich auch nicht erst beim Hersteller an, ob ich jetzt einsteigen und losfahren darf bzw. bestimmt der Hersteller wann, wo und wie ich zu fahren habe.
0c3z0 (16.04.2010, 09:08 Uhr)
Niemand sagt das es kein Urheberrecht mehr geben soll, noch das alles umsonst sein soll...
Aber das jetzige DRM ist einfach eine Zumutung für jeden Käufer. Und darüber hinaus wird das jetzige DRM zur Urheberechtschützung dazu mißbraucht, Käufer in eigene geschlossene System zu binden. bzw im eigenen Markt festzuhalten. Apple ist das beste Beispiel... Und ich denke nicht Apple Hauptaugenmerk ist das Urheberrecht, sondern wieviel $$$ am Ende durch die Apple Kassen laufen. DRM ist dazu eine gute Methode...
Preston (16.04.2010, 08:29 Uhr)
sie müssen es ja nicht kaufen
- aber nur weil das bisherige Digital Rights Management schlecht ist, bedeutet das noch lange nicht, daß es ÜBERHAUPT KEINE Urheberrechte mehr geben darf, und alles "umsonst" sein muß.
Aber es geht ja noch weiter:
es geht ja uch um Fotos + Bilder aus dem privaten Bereich. Bob Dylan z.B. hat lange (und vergeblich) gegen Bootlegs geklagt, die ihm aus dem privaten Bereich quasi "gestohlen" wurden; Probeaufnahmen gewissermassen.
Heute nennt man das schick "geleakt". Upps. Der Künstler will das gar nicht?
Ist uns doch sch...-egal.
0c3z0 (16.04.2010, 07:53 Uhr)
Dem Autor geht es nicht darum alles kostenlos herzugeben. Sondern das das momentane digitale Urheberrecht-Managment völlig aus dem Rahmen ist. Jeder digitale Schutz kann gehackt werden, was im Endeffekt aber nur dem Piraten zugute kommt, während der legale Käufer dumm in die Röhre schaut, und "bestraft" wird. Bsp: Songs von iTunes laufen nur auf iPod. Wer hat das Recht mir vorzuschreiben auf welchen mp3-Player ich meine Musik höre? WMV-protected Movie (gekauft, nicht geliehen), sind nur auf dem PC abzuspielen mit dem man Sie erworben hat, und benotigen den entsprechenden Player. Das gleiche. Wer hat das Recht mir das vorzuschreiben? Niemand... Vielleicht mochte ich mir den Film vom meinen USB auf meinen TV ansehen... Siedler 7; man muß online sein damit das Spiel überhaupt startet... Der Pirat hingegen, bekommt das Produkt umsonst, und kann a) sein Musik auf jedem beliebigen Player abspielen b) Sich auf die Couch legen und dem Film auf seinen HighDef Flat-Screen ansehen c) Siedler im Zug auf seinem Laptop zocken. Neben ihm der ehrlich Käufer, "Mist,.. muß warten bis ich zu Hause bin, hab kein NET hier"... Der Pirat bekommst umsonst und ist glücklich während der ehrlich Käufer eingschränkt wird. Und das zielt auf den zweiten Punkt des Autors. Es wird bei digitalen Medien immer Kopien geben, das steht außer Frage. Aber bei qualitativen Mediem, wird es auch immer Käufer geben.
Beispiel SINS (PC-Game, Multiplayer, Aufbau Spiel). Das Spiel wurde von Stardock komplett ohne Kopierschutz ausgeliefert, incl Netzwork Play etc...Sicher gab es eininge die es sich einfach runterzogen und spielten. Jedoch sprechen die Zahlen für das Konzept, 200,000 verkaufte Units im 1. Monat. Overall 500.000 verkaufte Units und kam damit auf Platz 2 der Top-Sales, gleich hinter Call of Duty Modern Warfare. Das bei einem Spiel das komplett umsonst im Original zu haben ist, und das von einer kleinen Games-Schmiede (9-Mann-Team) entwicklet wurde. Das digitale-Rechte-Managment muß endlich damit aufhören dem ehrlichen Käufer vorzuschreiben wie er selber mit seinem gekauften Produkt in legaler Form umgeht...
Preston (16.04.2010, 05:38 Uhr)
@salz63: fein beobachtet. Genauso geht es Schriftstellern
- die keinen hippen Blog betreiben (auf dem sich 3 Millionen Leute im Monat tummeln und die von der "New York Times" hofiert werden).
Selbst zu Lesungen mit berühmten Schriftstellern (wie Günter Grass) kommen selten mehr als 1000 Leute - und dann kostet der Eintritt vielleicht 5 Euro (und nicht 100, wie bei Madonna).
Wovon sollen diese Leute leben - wenn man ihre Bücher auch noch kostenlos runterladen darf?
Wahrscheinlich werden sie dann auch noch kopiert - und müssen teure Prozesse führen, um überhaupt zu BEWEISEN, daß sie etwas Wertvolles geschaffen haben. (So wie bei Bushido und der frranzösischen Gothic-Band. Was wäre gewesen, wenn die KEINE Platte veröffentlicht, sondern nur eine Webseite -mit downloads- gehabt hätte?)
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