So erfahren die Leser, warum die damals 21-jährige Forstwirtschaftsstudentin in erster Ehe den gleichaltrigen ungarischen Grafen Benedikt von Batthany heiratet. Und wie sie sich mit den Eltern des Angetrauten aufmacht ins Burgenland, um im Schloss der Ahnen den Zustand der einbalsamierten Adels-Sippe zu inspizieren. Als die Deckel der Sarkophage geöffnet werden, fällt ihr Blick auf 300 Jahre alte mumifizierte Gestalten mit eingefallenen Gesichtern und verfilzten Zottelmähnen. Ehemalige Würdenträger in verblichenen Uniformen, Adelsfräulein in brüchigen Prachtroben. Was sich liest wie eine Neuauflage aus "Tanz der Vampire", war für die noblen Schwiegereltern ein ganz normales, heiteres Familien-Ritual.
Mit leichtem Grausen erinnert sich Gräfin von Pfuel auch an die tollkühnen Flugmanöver an der Seite ihres 1991 verstorbenen Vaters. "Mein Vater liebte die Gefahr", erzählt sie, "im Krieg war er Stukaflieger". Später schaffte er sich eine Do 27 an. Ein echtes Oldtimer-Fluggerät. Wenn sie als kleines Mädchen neben ihm saß, durfte sie weder Blitz noch Donner fürchten. "Ich war sein couragiertes Fienchen. Er flog waghalsige Loopings, raste im Sturzflug auf unser Schloss zu, schrappte ganz dicht an den Türmen vorbei oder schaltete den Motor aus, um die Segelfähigkeit zu testen. Zum Glück ist das Ding nach einigem Gurgeln und Spucken kurz vor der Landung immer wieder angesprungen."
Dabei war das Verhältnis zu ihrem Vater höchst problematisch. "Er war ein autoritärer Machtmensch. Sein strafender Blick war für mich schlimmer als eine Ohrfeige meiner strengen Mutter. Unsere Beziehung war eng, intensiv und reich an Konflikten." Nur um ihm zu gefallen, studierte sie Waldbau statt Medizin. Doch als sie nach dem Studium im väterlichen Forstbetrieb mit der Arbeit begann, "ließ er mich ständig auflaufen, hatte für mich nichts übrig als Kritik, Belehrung und Spott. Er schaffte es einfach nicht, die Führungsrolle abzugeben."
Trotzdem: Kein anderer Mann hat die 45-Jährige so geprägt. Sie übernahm seine Liebe zur Natur, zum Wald, zum Landleben, seine Wertevorstellungen von Disziplin, Verantwortungsbewusstsein und Tatkraft. Wenn man etwas anfängt, muss man es auch zu Ende bringen. Dieser - seiner - Devise hat sie ihren Lebensstil angepasst. "Kann schon sein, dass ich einen Vaterkomplex mit mir herumschleppe", meint sie selbstkritisch. Die Wahl ihrer Ehepartner spräche dafür. Als Väter ihrer Kinder suchte sie sich Männer aus, die wesentlich älter waren. Zielsicher flog sie immer wieder auf den gleichen Typ Alpha-Männchen: selbstbewusst, weltgewandt, charmant, witzig - aber ohne Talent für ein ländliches Clan-Leben, in dem sie "die Chefin" ist. Die Liebe jedenfalls überlebte den Alltag an der Seite dieser Powerfrau nicht. "Dabei bin ich mit Leib und Seele Familienmensch", sagt sie und es hört sich ein bisschen traurig an.
Doch nicht einmal nach der dritten gescheiterten Ehe sei sie jemals auf die Idee gekommen, einen Verwalter einzusetzen und sich einem stressfreieren Dolce Vita zwischen München und Marbella hinzugeben. Das wäre auch nix für eine, die daran gewöhnt ist, jeden Morgen mit geschultem "Borkenkäferblick" durch den Forst zu düsen, dann mit ihrem Nachwuchspferd Lord für zukünftige Dressur-Prüfungen Traversaden zu üben, nachmittags die Hausaufgaben der siebenjährigen Milana zu überwachen, mit den Handwerkern über Fliesenqualitäten zu diskutieren, die Rosenbeete von Unkraut zu befreien - und vor allem, immer wieder neue Geldquellen zu erschließen, um all das bezahlen zu können. Doch auch für eine geschäftstüchtige Frau wie sie, gibt es Grenzen. Als im Jahr der Fußball-WM 40 zahlungskräftige Mexikaner mit Sack und Pack für sechs Wochen ins Schloss ziehen wollten, lehnte sie ab. Und ließ sich 100.000 Euro durch die Lappen gehen. "Ich hätte in der Zeit mit meinen Kindern ausziehen sollen", erklärt sie, "aber das hier ist mein Haus und kein Hotel."
Adel verpflichtet. Manchmal eben auch zu Verzicht. "Das Schloss hier", sagt sie energisch, "ist wie mein siebtes Kind. Es für die nachwachsende Generation zu erhalten, ist meine Lebensaufgabe. Ich habe mich darauf getrimmt, ständig mit Scanner-Blick die Gebäude abzusuchen, damit ich sofort reagieren kann, wenn irgendwo ein paar Dachziegel undicht sind und Wasser eindringt."
"Mein Tag beginnt morgens um 6.30 Uhr und meist falle ich abends um kurz nach acht in den Tiefschlaf." Luxuriöses Prinzessinnen-Leben sieht sicher anders aus. "Aber nichts und niemand", sagt Frau Gräfin, "werden mich je hier weglotsen." Und so lodern auch die Gefühle für den 54-jährigen Verleger Hendrik teNeues, Ex-Mann von Dschungelcamp-Insassin Caroline Beil, auf Distanz. Und das sei - bei aller Liebe - gut so. "Ganz ehrlich", sagt Stefanie von Pfuel, "ich brauche keinen Mann zum Glühbirnenauswechseln, zum Waschmaschine reparieren, zum Nagel in die Wand hauen. Das kann ich alles selber. Ich liebe Hendrik, aber ich brauche auch Zeit für mich - und die Kinder. Ich finde es wunderbar, wie es ist." Und dann ist sie schon wieder auf dem Sprung. Kunden warten auf eine Führung durch die Prachtsäle. Den Barocksaal vermietet die Chefin für 7500 Euro pro Tag. Ein exklusiver Spaß für die zahlungskräftigen Gäste. Aber es soll sich schließlich lohnen, sein Haus zur Partyzone zu machen. Wenn schon, denn schon.