Peter: Es geht nicht nur darum, künftig Bio-Joghurt zu essen, sondern darum, weniger Energie zu verbrauchen, und zwar erneuerbare. Das wäre der Hauptpunkt.
Martin: Mit "Dreh mal ein bisschen die Heizung runter" ist es nicht getan. Aber wenn man sich einfach sagt, "50 Prozent runter in zwei Jahren", dann kommt man auch automatisch auf die richtigen Prioritäten. Die wichtigste Frage ist doch, "was verbrauchst du an Gas, was an Strom?" Und wenn man die einem normalen Menschen stellt, weiß das kein Schwein. Energiesparlampe gut und schön: Aber wie können wir mit Laptop und Wireless LAN in einem Haus sitzen, das kein Doppelglas hat! Das passt auch produktmäßig nicht zusammen! Auf der einen Seite wollen wir die Super-Sexy-Produkte im IT-Bereich, aber es ist allen wurscht, ob ihr Haus Steinzeit ist...
Peter: Es funktioniert wie beim Pop. Über die Oberfläche. Oder Peer-Group-Pressure. Wenn alle Ökostrom haben, denkst du, "Oh Mist, muss sofort zum nächsten Lichtblick-Stand am Biomarkt und schnell unterzeichnen, damit es keiner merkt!" Und dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du sagst, "Fall erledigt!" oder du fängst an, tiefer einzusteigen.
Martin: Was wir produzieren und kaufen, hängt auch von unseren Wünschen ab. Meine Hoffnung ist, dass die ökologische Entwicklung durch faszinierende Produkte vorangetrieben wird, weil ich darin die meisten Potenziale sehe. Wenn ich einen Hype um Photovoltaik schaffe und sich jeder die Dinger aufs Dach knallt, dann brauche ich die nicht mehr moralisch zu bequatschen.
Martin: Diese Öko-Stalinismus-Angst ist ein bisschen aberwitzig in einem Land, in dem schon die Dachneigung gesetzlich vorgeschrieben ist, oder wie die Regenrinnen zu verlaufen haben. Und beim Thema Solarverordnung schreien die Leute gleich Ökoterror.
Peter: Ja, beim Autofahren zum Beispiel. Der Kick, wenn du statt drei Litern auf hundert Kilometer nur 2,7 brauchst.
Martin: Oder wenn du deinen eigenen Solarstrom produzierst und einmal im Jahr den Strom, den du eingespeist hast, abliest und dann deine 2200 Kilowattstunden an den regionalen Versorger meldest und dafür deine 1000 Euro kassierst. Das sind natürlich ganz starke Momente im Leben eines solaren Effizienzrevolutionärs.
Martin: Vielleicht deswegen, weil ich die Rock'n'Roller des Klimaschutzes für mich entdeckt habe. Hermann Scheer zum Beispiel, wenn man dem mal zwei Stunden zuhört, wie der Leute anschiebt, dann ist das ein Rock'n'Roller! Oder der Grünen-Abgeordnete Hans-Josef Fell, der maßgeblich das Erneuerbare-Energien-Gesetz geprägt hat: Der lebt das, was viele andere Grüne nur predigen, ist immer im Elektromobil unterwegs und wohnt in einem voll autarken, klimafreundlichen Haus.
Martin: Genau. Warum gibt es in Deutschland keine mediale Elite, die da vorangeht, wie in Kalifornien Leonardo di Caprio und andere?
Peter: Dass die Ökos nicht durchgedrungen sind, liegt natürlich auch an der Sprache. Nehmen wir die Worte "Verzicht" und "Vernunft": Beide sind in diesem Zusammenhang negativ aufgeladen. Wenn man es aber positiv wendet, geht es nicht darum, auf etwas zu verzichten, sondern künftig nach anderen Kriterien zu konsumieren - man kauft nicht vernünftiger ein, sondern besser. Mit besseren Produkten kommt auch eine höhere Produktzufriedenheit. Wie bei den neuen Super-Mini-Boxen. Da sagt man doch auch eher, "Mensch, aus diesen kleinen Boxen kommt so ein astreiner Sound!", und nicht: "Ich möchte wieder die Riesen-Boxen aufstellen." Wenn man das mal kapiert hat, schaut man auch die Produkte ganz anders an.
Peter: Zumindest in der okay verdienenden Mittelschicht wird es so sein. Wir werden nicht überrollt werden, aber es in unser Leben integrieren. Und es nicht als Verzicht, sondern als Gewinn betrachten, und auch damit angeben.
Lese-Tipps Hermann Scheer, "Solare Weltwirtschaft. Strategie für die ökologische Moderne", Aktualisierte Neuausgabe, Kunstmann Verlag 2002, 16,90 Euro
Nico Stehr, "Die Moralisierung der Märkte", 2. Auflage, Suhrkamp Verlag 2007, 14 Euro
Eike Wenzel, Anja Kirig & Christian Rauch, "Greenomics. Wie der grüne Lifestyle Märkte und Konsumenten verändert", Redline Wirtschaftsverlag 2008, 19,90 Euro
Toralf Staud &, Nick Reimer, "Wir Klimaretter - So ist die Wende noch zu schaffen", Verlag Kiepenheuer & Witsch 2007, 8,95 Euro
Fred Grimm, "Shopping hilft die Welt verbessern: Der andere Einkaufsführer", Goldmann Verlag 2008, 8,95 Euro