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"Ich schreibe Überlebensgeschichten"

Oliver Sacks ist bekannt wegen seiner Geschichten über Menschen, die durch eine Krankheit aus dem Raster der Normalität gefallen sind. Nun wird der Verfasser der "Überlebensgeschichten" 80.

Selbst mit 80 Jahren empfängt Oliver Sacks noch jede Woche Patienten

Selbst mit 80 Jahren empfängt Oliver Sacks noch jede Woche Patienten

Oliver Sacks ist blind auf einem Auge und braucht einen Stock zum Gehen. Doch der Hirnforscher, der Bestseller wie "Zeit des Erwachens" und "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" geschrieben hat und am Dienstag, 9. Juli, seinen 80. Geburtstag feiert, empfängt noch immer jede Woche Patienten. Vor kurzem hat er sein neuestes Buch "Hallucinations" veröffentlicht. "Ich habe nie mit jemandem zusammengelebt, bin keine Verpflichtungen eingegangen", sagte Sacks kurz vor seinem Geburtstag dem "Telegraph". "Trotzdem habe ich es irgendwie geschafft, bald 80 zu werden."

Geboren wurde Sacks 1933 als Sohn eines jüdischen Ärztepaares in London. Er wuchs mit drei älteren Brüdern, die auch Ärzte wurden, in einem naturwissenschaftlich geprägten Haus auf. Später studierte er an verschiedenen Universitäten und machte Abschlüsse in mehreren Fachrichtungen, darunter einen Bachelor in Physiologie und Biologie sowie Medizin. Praktische Erfahrungen sammelte er unter anderem am Middlesex Krankenhaus in London, wo er sich der Neurologie zuwandte.

1960 verließ Sacks Großbritannien, um Ferien in Kanada zu machen. Doch kurz nachdem er dort angekommen war, schrieb er seinen Eltern ein Telegramm. Darin stand nur ein Wort: "Bleibe". Danach zog es ihn in die USA, zuerst nach Kalifornien, dann nach New York. Dort eröffnete er eine neurologische Praxis und arbeitete jahrzehntelang am Einstein College in der Bronx. Später war er an der New Yorker Columbia Universität tätig, wo er Seminare hielt und Patienten betreute. Derzeit ist er Professor an der NYU School of Medicine.

Privat hält sich Sacks bedeckt

In den 1970er Jahren begann Sacks, populärwissenschaftliche Bücher zu verfassen über Menschen, die durch eine Krankheit aus dem Raster der Normalität gefallen sind. "Ich schreibe Überlebensgeschichten", erklärte er einmal. "Geschichten davon, wie man mit diesen Krankheiten lebt." Sein literarischer Erstling "Zeit des Erwachens" (1973), der von Opfern der "Europäischen Schlafkrankheit" handelt, wurde ein internationaler Bestseller. Das Buch wurde später mit Robin Williams und Robert De Niro verfilmt.

Doch auch mit "Stumme Stimmen" (1989), "Das Innere Auge" (2011) und zuletzt "Drachen, Doppelgänger und Dämonen: Über Menschen mit Halluzinationen" (2013) war der Hirnforscher erfolgreich. Hauptfiguren in seinen Büchern sind Patienten, Freunde, Familienmitglieder oder er selbst. Mit den Fallgeschichten, die witzig und einfach geschrieben sind, stellt Sacks die eigene Normalität immer wieder infrage. "Eine winzige Hirnverletzung, und wir geraten in eine andere Welt", erklärte er einst.

Über Sacks' Privatleben ist wenig bekannt. Er interessiert sich für Botanik und Mineralogie, ist ein "Star Trek"-Fan und schwimmt jeden Tag. "Im Wasser kann ich am besten denken", sagte er einmal. "An Land bin ich tollpatschig, doch im Wasser fühle ich mich so anmutig wie ein Delfin." Geheiratet hat der Neurologe und Psychiater nie. Er habe sich vier- oder fünfmal in seinem Leben verliebt, verriet er dem "Telegraph". Wievielmal genau, habe er vergessen.

Afra Gallati, DPA/DPA

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