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Warum Micky der bessere Donald war

Als frechen Bootsmaat lernte die Welt Micky Maus vor 85 Jahren kennen. Doch dann kam Donald - und der Mäuserich wurde zur Stimme der Vernunft. Laaangweilig, findet unser Autor.

Von Jens Wiesner

Gähn, schluchz, seufz: Früher streckte Micky Maus der Obrigkeit die Zunge aus, heute steht sie in ihren Diensten

Gähn, schluchz, seufz: Früher streckte Micky Maus der Obrigkeit die Zunge aus, heute steht sie in ihren Diensten

Meine liebste Disney-Figur lugt ihrer Freundin schon einmal unter den Rock. Für ein spontanes Konzert scheut sie sich nicht, unschuldige Tiere als Musikinstrumente zu missbrauchen. Sie zieht einer Katze am Schwanz, weil ihr Schmerzensschrei so schön klingt. Auf den Zähnen einer Kuh spielt sie Xylophon. Ein nicht zu bändigender Wirbelwind. Vorlaut, frech, frivol. Klingt nach Donald Duck. Falsch.

Mein Favorit aus dem Disney-Universum heißt Micky Maus - doch der hat schon lange das Zeitliche gesegnet. Denn jener Mäuserich, der sich seit Anfang der 1940er als Micky ausgibt, hat mit dem manischen Mausemann, der 1928 in "Steamboat Willie" erstmals auftrat, nichts gemein. Schuld an allem war - wie immer - Donald Duck. Gar nicht still und leise hatte sich die Ente nach ihrem ersten gemeinsamen Filmauftritt mit Micky (Die Kindervorstellung/Orphans Benefit, 1934) in den Vordergrund gedrängelt.

Irgendwann muss es Walt Disney dann aufgefallen sein: Zwei Chaoten in einem Film - das ist einer zu viel. Und weil ein selbstbewusster Frechdachs wie Micky eben nicht freiwillig seinen Platz räumt, wurde er kurzerhand kaltgestellt und durch eine blutleere Biedermeier-Maus ersetzt. Vielleicht wurde er auch mit einem Koffer voller Dollarmillionen in die Karibik geschickt und von Dr. Rab, Dr. Geier, Dr. Bussard und Dr. Habicht zum Schweigen verdonnert. Was weiß ich denn. Zu jener Zeit war noch nicht einmal mein Vater geboren.

Ein Chaot zum Verlieben

Die Maus, die sich einst mit blankem Oberkörper und roten Shorts in tolldreiste Abenteuer stürzte, habe ich erst Jahre später kennengelernt. Der Micky meiner Kindheit, der mit der giftgrünen Schirmmütze, dem weißen Kragenhemd und der roten Stoffhose, hätte niemals den Rock seiner Minnie gelupft, um sie - per Schürhaken am Schlüpper - an Bord zu hieven. Nein, diese Maus war ein Besserwisser, der sein Gegenüber siezte, der Obrigkeit in Form von Kommissar Hunter treu ergeben war und nicht einmal Kater Karlo gegenüber ausfällig wurde. Die Stimme der Vernunft neben dem tollpatschigen Goofy, der mahnende Onkel für seine Neffen Mack und Muck. Meine Eltern liebten Micky. Kein Wunder.

Ich dagegen verehrte Donald, diesen Wüterich, Pechvogel und Pleitegeier. Eine unbändige Naturgewalt, deren Jähzorn selbst Klaus Kinski ausgestochen hätte. Schnurstracks rannte ich "jeden Donnersduck neu" von der Schule nach Hause, riss meiner Mutter das neue "Micky Maus"-Heft aus der Hand und blieb für die nächste halbe Stunde unansprechbar. Aber wie groß die Enttäuschung, wenn der titelgebende Mäuserich tatsächlich den Großteil des Comics ausmachte. Ich wollte Enten! Donald! Dagobert! Tick, Trick und Track! Am besten irgendwo im Dschungel auf Schatzsuche. Zur Not auch das Fähnlein Fieselschweif.

Früher war doch alles besser

Mit den lahmen Polizeigeschichten rund um Micky und seinen treudoofen Kompagnon Goofy konnte ich nichts anfangen. Auch die Lustigen Taschenbücher, damals noch strikt in Enten- und Maus-Ausgaben geteilt, fanden nur dann ihren Weg in mein Regal, wenn sie mäusefrei blieben. Es ist paradox: Seit 1951 produziert der Verlag Ehapa ein Comic-Magazin für den deutschen Markt, dessen Hauptperson bis ins Mark spießig und piefig ist. Und ich musste erst erwachsen werden, bis ich dank Youtube und Co. den alten, archaischen Mäuserich kennen- und lieben lernte.

Seitdem kann Onkel Donald einpacken. Der einzig wahre Chaot im Disney-Universum heißt: Micky Maus.

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Wie heißt der Film?
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