Mit der Sängerin Arib entdeckt Agnes Imhof die erotische und emanzipierte Frau in der islamischen Welt. Und zeichnet das faszinierende Porträt der Bagdader Schickeria, in der es 800 Jahre nach Christus zugeht wie bei "Sex and the City". Von Tanja Beuthien

Agnes Imhof, Autorin und promovierte Islamwissenschaftlerin, schrieb den Roman über eine raffinierte Diva im Orient© Piper
Sie war der Popstar des Orients - begnadete Sängerin, verruchte Verführerin und erotische Offenbarung zugleich: Arib, Tochter der Barmakiden und Geliebte der Kalifen. Agnes Imhof, Autorin und promovierte Islamwissenschaftlerin, hat sie wiederentdeckt. Bei ihren Recherchen zu einem neuen Roman stieß sie auf den Namen der berühmten Diva, die nicht nur die beste Kurtisane sondern auch die raffinierteste Köchin am Hofe Bagdads gewesen war. "Sofort sah, spürte und schmeckte ich alles: Zimtrinde, Opium, Seide - es war fast unheimlich, wie vertraut sie mir war."
Die 35-jährige Münchnerin, die selbst Arabisch und Persisch spricht, stürzte sich in die Lebensgeschichte der Arib. Und fast immer, wenn sie sich ein neues Detail ausdachte, fand sie es wenig später in einer arabischen Chronik bestätigt. "Als ich ihr eine Tochter andichtete, erfuhr ich kurz darauf, dass ich selbst ein Mädchen erwartete. Und las dann, dass Arib tatsächlich eine Tochter gehabt hatte."
Dabei präsentiert sich das Leben der Arib schon ohne Dichtung wie ein Roman: Nach einem Massaker an ihrer Familie flieht die Zehnjährige 803 mit einer christlichen Singsklavin durch die Steppe und gelangt mit einer Karawane auf der Seidenstraße an den Hof des Kalifen von Bagdad. Sie wird selbst ausgebildet zur Sängerin und verdreht mit ihrer Stimme und ihren erotischen Künsten den hohen Herren den Kopf. In Bücher und Chroniken schwärmen die Zeitgenossen von ihrer Macht und Schönheit. Arib stirbt im hohen Alter von 90 Jahren und darf sich rühmen mit acht Kalifen im Bett gewesen zu sein.
"In einer Zeit, als die Haremsdamen nur darauf aus waren, den Kalifen an ihren fruchtbaren Tagen in ihr Bett zu bekommen um einen Thronfolger zu zeugen, hat sie einfach gemacht, was sie wollte", sagt Agnes Imhof: "Sie hat ihren blonden und blauäugigen Liebhaber geheiratet und die mächtigsten Männer vor den Kopf gestoßen. Sie war populär, wie heutzutage Madonna. Und sie hat unglaublich gut verdient. Schon ihre bloße Anwesenheit ließ sie sich ruinös bezahlen."
Die Singsklavinnen des Orients waren hemmungslos und freizügig, sie konnten trinken, Schach spielen, diskutieren, sie verführten mit aphrodisischen Speisen und sangen in ihren Liedern von Alkohol, Sex und Drogen. "Da waren die Texte manchmal deftiger als das Essen. Es ging es zu wie bei "Sex in the City": Die Bagdader Schickeria war eine exklusive Gesellschaft mit eigenem Codex, mit angesagten Parfüms und Kleidern."