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Trauer um den Vater der "Kleinen Hexe"

Er schrieb den "Räuber Hotzenplotz" und "Die kleine Hexe". Der Kinderbuchautor Otfried Preußler starb im Alter von 89 Jahren.

Erinnert sich noch wer an den etwas trotteligen Wachtmeister Dimpflmoser oder den Zauberer Petrusilus Zwackelmann? Die beiden sind nur zwei der Figuren aus dem scheinbar unerschöpflichen Kosmos von Otfried Preußler. Sie gehören zur Geschichte des "Räuber Hotzenplotz", einem der bekanntesten Bücher des Schriftstellers.

Über Jahrzehnte faszinierten die Geschichten Preußlers Generationen von Kindern - und vermutlich auch deren Eltern. Der Schöpfer dieser Figuren ist jetzt gestorben. Am 20. Oktober wäre er 90 Jahre alt geworden.

Preußler starb nach Angaben des Stuttgarter Thienemann-Verlags bereits am 18. Februar in Prien am Chiemsee, wie erst jetzt bekannt wurde. Viele seiner Werke zählen zu den beliebtesten und bekanntesten Kinderbüchern überhaupt.

"Wir sind alle traurig"

Geschichten wie "Die kleine Hexe", "Das kleine Gespenst" oder "Kater Mikesch" werden in aller Welt gelesen - mehr als 50 Millionen Mal wurden Otfried Preußlers Bücher verkauft. Auch seine Bühnenstücke zählen zu den meistgespielten Werken des zeitgenössischen Kindertheaters.

Insgesamt schrieb er 32 Kindebücher, sein erster großer Erfolg war 1956 der "Kleine Wassermann". Seine Werke wurden in 55 Sprachen übersetzt. Preußler erhielt etliche Auszeichnungen, viele seiner Geschichten wurden auch als Kinderhörspiele veröffentlicht oder verfilmt. Unvergessen ist beispielsweise Gert Fröbe als Hotzenplotz.

"Wir sind alle traurig, dass wir diesen großartigen Schriftsteller verloren haben", sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Er hatte Preußler 2010 den Maximiliansorden verliehen.

Vom Volksschullehrer zum Schriftsteller

Geboren wurde Preußler 1923 im böhmischen Reichenberg, heute Liberec in Tschechien. Nach dem Abitur wurde er 1942 im Zweiten Weltkrieg zur Wehrmacht eingezogen. Er verbrachte fünf Jahre in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und siedelte 1949 ins oberbayerische Rosenheim über.

Nach dem Krieg wollte er Lehrer werden, verdiente sich Geld fürs Studium als Reporter und mit dem Schreiben von Hörspielen für den Kinderfunk. Zunächst arbeitete er nur nebenbei als Schriftsteller und war im "wirklichen Leben" Volksschullehrer, einige Zeit sogar Rektor einer Schule.

Doch seine Bücher machten ihn schnell berühmt, den "Räuber Hotzenplotz" brachte er 1962 zu Papier. Hotzenplotz gibt es übrigens wirklich. Die Gemeinde Osoblaha (auf Deutsch Hotzenplotz) liegt im Nordosten Tschechiens an der Grenze zu Polen. Preußler benannte seine Phantasiefigur nach diesem Ort.

"Krabat" wurde in 31 Sprachen übersetzt

Ab den 70er-Jahren war mit dem Lehrerberuf Schluss, bis zu seinem Tod lebte er als freier Schriftsteller in Bayern.

Nach dem "Kleinen Gespenst" von 1966 präsentierte Preußler 1971 schließlich seinen ersten Jugendroman "Krabat". Das Buch wurde ein Welterfolg, der in 31 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen, ausgezeichnet wurde - darunter dem Deutschen und Europäischen Jugendbuchpreis.

Zu seinem 85. Geburtstag wurde "Krabat" verfilmt, die Geschichte vom Müllerjungen, der nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Oberlausitz sein Glück sucht und den Teufel findet. "Ich glaube ja nicht an Zufälle, für mich ist es Fügung, dass die Geschichte, mit der ich mich mein ganzes Leben lang auseinandergesetzt habe, ausgerechnet zu meinem 85. Geburtstag ins Kino kommt", schrieb Preußler den Filmemachern gerührt in einem Dankesbrief.

Die Kunst des Lachens lehren

Es sind aber vermutlich seine Kinderbücher, mit denen ihn die meisten Menschen verbinden. Preußler plädierte dafür, Kinder nicht zu früh mit den Problemen der Erwachsenen zu belasten. Mit seinen Büchern versuche er "nichts weiter, als den Lesern Spaß zu machen, sie in der Kunst des Lachens zu üben, ihrer Fantasie Nahrung zu geben, sie in ihrem natürlichen Lebensmut zu bestärken - und dies alles in der Hoffnung, ihnen auf solche Weise ein bisschen zusätzlicher Reserve an Kraft und Vertrauen mitgeben zu können auf den Weg in die Zukunft", sagte der Autor nach Angaben des Verlages einmal.

Auch sozial engagierte Preußler sich: Seit den 70er-Jahren unterstützte er die Orthopädische Kinderklinik Aschau am Chiemsee. Er gründete zudem eine gemeinnützige Vereinigung mit, die Kinder und deren Familien in Notfällen unterstützt.

Preußlers Geschäfte führt seine Tochter Susanne Preußler-Bitsch. Erst vor Kurzem erschien seine letzte Veröffentlichung: "Der kleine Wassermann - Sommerfest im Mühlenweiher".

In den vergangenen Jahren war es ruhig geworden um Otfried Preußler. Er gab keine Interviews mehr und lebte zurückgezogen am Chiemsee in Oberbayern. An der von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) angestoßenen Debatte um die Tilgung von Begriffen wie "Negerlein" und "Neger" aus "Die kleine Hexe" beteiligte er sich nicht mehr öffentlich. Wie es hieß, sträubte er sich zwar gegen Änderungen an seinen Texten, ließ am Ende die Streichungen aber zu. Zeitlos aktuell bleiben seine Bücher auch so.

anb/DPA/DPA

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