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3. Oktober 2004, 10:58 Uhr

Hurra, wir lesen noch!

Auf der Frankfurter Buchmesse in der nächsten Woche wird wieder viel gejammert werden. Die Buchbranche hat Probleme, aber für Untergangsszenarien gibt es keinen Grund.

Geld wird schon noch verdient: Neun Milliarden Euro Umsatz machte der Buchhandel im vergangenen Jahr© Frank May/DPA

Es werden Autoren wie Dan Brown, Frank Schätzing und Bill Clinton sein, die den Umsatz des Buchhandels 2004 mit etwas Glück auf dem Niveau des Vorjahres halten werden. 2002 war der noch um zwei Prozent zurückgegangen. 2003 sank er um weitere 1,7 Prozent - und es wäre wohl noch schlimmer gekommen, hätte es nicht, zum Leidwesen mancher Schöngeister, Leute wie Dieter Bohlen, Stefan Effenberg und den Buchhelden Harry Potter gegeben. Doch auch der junge Magier konnte nicht verhindern, dass vergangenes Jahr 987 Buchhandlungen im "Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel" nicht mehr vorkamen.

Trotz der Umsatzzunahme wird wohl erneut von einer Krise die Rede sein, wenn in der kommenden Woche die Frankfurter Buchmesse beginnt. Die Signale sind widersprüchlich. Immerhin ist die Zahl der Erstveröffentlichungen deutscher Buchverlage im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent auf 61.538 Titel gewachsen. Mehr Bücher bedeuten allerdings nicht mehr Erfolg. Masse ist nicht Klasse. 90 Prozent des Umsatzes werden inzwischen mit zehn Prozent des Sortiments gemacht: Ohne King, Mankell und die Stars des Sachbuchmarkts wie Susanne Fröhlich ("Moppel-Ich") oder Stefan Klein ("Die Glücksformel") wäre es problematischer bestellt um den deutschen Buchhandel.

Das meiste Geld wird immer noch mit Belletristik verdient. Romane, Krimis, Fantasy oder Geschenkbücher machen 30 Prozent des Gesamtumsatzes von neun Milliarden Euro (2003) aus. Es folgen Sachbücher und Ratgeber mit 17 Prozent und Kinder- und Jugendbücher mit 14 Prozent. Den ersehnten Zuwachs gab es vor allem in einem Nischensegment: den Hörbüchern. Im Vergleich zum Vorjahr ist deren Umsatz im ersten Quartal 2004 um 20 Prozent gestiegen. Davon können die Verleger gedruckter Werke nur träumen. "Vor zehn Jahren wurden im Hardcover von einem ordentlich beworbenen neuen Autor noch locker 20.000 bis 25.000 Bücher verkauft. Heute müssen wir uns schon mit 10.000 zufrieden geben", stöhnt ein Verlagsmanager, der nicht genannt werden will.

"Jahr für Jahr gehen etwa eine Million Menschen weniger in die Buchhandlungen", sagt Lothar Menne. Das will der ehemalige Ullstein-Verleger ändern. Er hat ein Projekt ausgebrütet, das die Branche in den Messetagen wohl stärker beschäftigen wird als der Auftritt des Ehrengasts "Arabische Welt". Am 7. Oktober kommt der erste Band der "Bild-Bestseller-Bibliothek" - Mario Puzos "Der Pate" - in die Buch- und Zeitungsläden. 25 Wochen lang werden das Boulevardblatt und die Verlagsgruppe Weltbild jeweils einen Band bestens bekannter Unterhaltungsliteratur für einen Stückpreis von 4,99 Euro auf den Markt werfen.

"Das ist Werbung für das Buch", freut sich Nina Hugendubel, Juniorchefin der gleichnamigen großen Buchhandelskette. Die "Bild"-Bibliothek werde Leute in Buchhandlungen locken, die sonst nie zu einem Buch griffen: "'Bild' nimmt sozusagen die Hemmschwelle, dass Bücher immer etwas ungeheuer Anspruchsvolles sein müssen."

Joachim Unseld, Chef der Frankfurter Verlagsanstalt, sieht das ganz anders: "Weltbild macht mit großer Aggressivität über den Preis Werbung. Wenn der Handel vergisst, was Inhalt ist, sind wir beim letzten überhaupt noch denkbaren Argument angekommen, und das heißt "billig"." Dann werde es schwer für neue Bücher, die nicht nur Satz-, Druck- und Lieferkosten einspielen müssen, sondern auch noch Autorenhonorare, Übersetzungs- und Lektoratskosten beziehungsweise Lizenzgebühren.

Büchermachen ist ein teures Geschäft - und ein wichtiges. Wer den Ruf vom Volk der Dichter und Denker erhalten will, muss für kulturelle Vielfalt sorgen. Deshalb sichert in Deutschland die Buchpreisbindung, dass neue Bücher nicht im Sonderangebot verkauft werden dürfen, sondern überall das Gleiche kosten müssen. Der Bestseller für 24,90 Euro wirft genügend Geld ab, damit ein Verlag auch einen neuen Erzähler oder Lyriker veröffentlichen kann. Außerdem garantiert die Preisbindung kleinen Buchhandlungen das Grundgeschäft - und somit die literarische Basisversorgung der Bevölkerung.

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