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Modeblogs und Zeitungen stürzen sich auf die hippen Demonstranten aus Manhattan. Verkommt der Protest zur Fashionshow? Oder sind die New Yorker Aktivisten nur clever?
In seinem neuesten Film "Factotum" schlüpft Matt Dillon in die Rolle des versoffenen Alter Egos des Schriftstellers Charles Bukowski. Dabei stieß Dillon auf erstaunliche Parallelen zu seinem eigenem Leben.
Oder: Wann ist das Leben so eine Achterbahn, das die Achterbahn ein Leben ist? Worum es heute geht: Busfahren, Schnittchen, Möhren, Sigur Rós, Marie hat Geburtstag, gespaltene Gefühle, gefühlte Gespaltenheit, Alexander lässt einen Drachen steigen, Christo und Jeanne-Claude, Sam Shephard/Bruce Weber und ein Schlusswort von Charles Bukowski. Seitdem der getrennte Papi kein Auto mehr hat, fährt er Bus, das Fahrrad ist ihm geklaut worden und ein neues ist in der Versicherungs-Pipeline, Busfahren ist übrigens sehr entspannend, man sieht so andere, viele, ganz andere Menschen, fröhlich, traurig, gespannt, verknallt, laut, leise, stumm, mit Gepäck und ohne, kleine Kinder, große Kinder, Multi-Kulti ohne Ende, obwohl uns Politiker vorquasseln, es sei doch vorbei damit, Kulti-Multi hat es hier auch, der getrennte Papi jedenfalls kann im Bus fein seinen Gedanken nachhängen. War dieser Satz jetzt arg zu lang? Egal, ist ja der Papi-Blog. Und eigentlich hätte ich heute Abend noch einen Termin gehabt, aber den konnte ich kurzfristig absagen (Danke, Mr. Big !), weil ich das überwältigende Bedürfnis hatte, nun des Abends den 29. Blog zu schreiben. Also mit der 109 zum Hauptbahnhof gedüst, ins neue St.Georg-Zuhause, ab unter die Dusche (fast heiß), danach Schnittchen gemacht, einige Möhren dazu, Bionade (Ingwer-Orange, my favourite) aus der Pulle, Sigur Rós in den CD-Player geschmissen, der Titel der Doppel-Albums ( "Heima" ) passt sowieso, irgendwie ist dem getrennten Papi isländisch zumute (was immer das sein mag - mögen Sie völlig zu Recht fragen), in die rechte Sofa-Ecke wirft er sich, das Laptop findet seinen Platz auf der breiten Lehne und es wird geschrieben. Marie ist heute neun Jahre geworden und wie Millionen von Vätern vor dem getrennten Papi und Millionen von Vätern nach ihm, denkt er sich: "Himmel, wo ist die Zeit bloß geblieben?" Gibt es sie doch, die Zeitdiebe oder sind die Zeiten bisweilen einfach diebisch und wir lassen sie einfach zu rasch durch unsere Finger gleiten wie das Wasser in einem sehr klaren, aber doch etwas zu kalten Gebirgsbach, der auf den ersten Blick ganz so wunderbar anzuschauen ist, mit dessen unsichtbaren Stromschnellen wir jedoch auf den zweiten es vielleicht  nicht aufnehmen wollen? Nun, so ein eiskalter Gebirgsbach kann uns entschleunigen, das schafft allerdings ein Kindergeburtstag mit links - freilich ist der getrennte Papi erstmal mit sehr gespaltenen Gefühlen in seine Ex-Daheim gefahren und war so in seine Gedanken und Gefühle verstrickt, dass er im Bus einige Stationen zu spät ausgestiegen ist, retour fahren musste, besser war's, im Auto wäre er vermutlich über Rot geraten, wer sich verstrickt, kommt manchmal darin um...so, da bin ich wieder, zwischendurch eine Birne geschält, falls es jemanden etwas angehen sollte. Warum also die gespaltenen Gefühle? Logo, weil der Papi getrennt ist und weil er morgens eben nicht Marie in den Arm nehmen konnte und weil der Happy-Birthday-Anruf vor der Schule eben nicht das Gleiche ist wie gemeinsames Auspusten der Geburtstagskerzen morgens um sieben oder zusammen Auspacken der Geschenke oder süsses Zerkrümmeln des obligatorischen Zitronenkuchens. Alexander bekommt das eine oder andere kleine Präsent, ist ein bisschen angefasst, dass er nicht schon wieder Geburtstag hat, ist doch schließlich schon zwei Wochen her, der getrennte Papi entsinnt sich: in solchen Situationen hat er sich als Pöx einfach mal unter einen Tisch gekauert und ziemlich lang geschmollt und irgendwann gelang es, ihn rauszulocken und er stand kurz im Mittelpunkt und die Sache hatte sich erledigt. Nur, die gefühlte Gespaltenheit in diesen Tagen erledigt sich keineswegs pronto, denn neun Jahre sind neun Jahre sind neun Jahre, die hinter dem getrennten Papi liegen wie eine tiefe Furche in seiner Lebensspur, die hier und da über den Kopf ragt oder gar über ihm zusammenschlug als würde er lebendig begraben, aber dann wachte er nass geschwitzt doch wieder auf und hat es glücklicherweise lediglich geträumt, puh. Und zu diesem innerlichen Gedröhne passt es prima, dass Alexander vor die Tür will, um den Piraten-Drachen steigen zu lassen, den ihm der getrennte Papi mitbrachte. Raus an die frische, neblige, verhangene Luft, der modrige Geruch der Blätter hängt drin, der kleine Drache schwingt sich nach oben und Alexander und der getrennte Papi juchzen als hätten sie das Drachensteigen soeben erfunden. Im Haus spielt Marie mit ihrer besten Freundin und hat das Geschenk des getrennten Papi im Arm, ein Plüschpferd, um den Hals ein Tuch auf dem doch tatsächlich der Name des Bruders steht, das finden die Geschwister saukomisch und sie lachen sie scheckig und schräg und schräg und scheckig. Das Kaffeetrinken mit Mama und Omi und Opi gestaltet sich durch die Kinder entspannt, gleichwohl spürt der getrennte Papi die gefühlte Gespaltenheit, sie stichelt und sticht und bohrt und biegt sich ins Herz, sie umklammert es wie das Glück, wenn es unverhofft aus irgendeiner Ecke heraus uns lauernd anschaut mit diesem surrealistischen Blick: "Erkennst Du mich in Dir oder erkenne ich mich in Dir?" Dann ist es dunkel, verdammt, die Tage werden wieder so blöde und sinnlos kurz, Marie hat noch etwas für den getrennten Papi eingepackt, sie hat ihm in der Schule ein Krokodil gebastelt, steht schon auf einem Fensterbrett und Christo und Jeanne-Claude scheinen es aus ihrem Bild von sich aus anzulächeln, das ich heute endlich mit einem Rahmen versehen habe, ein schwarz-weißer Original-Print aus den Seventies, es zeigt die Beiden während ihres "Running Fence" in Kalifornien und das Glück lauert da nirgendwo, es springt geradewegs aus ihren Augen (Danke, Wolfi !). So, jetzt gibt's noch einen Pfefferminz-Tee und einige Seiten Buch im Bett. "Sam" von Bruce Weber ist dem getrennten Papi wieder mal in die Hände gefallen, eine kleiner photographischer Geniestreich wie Mr. Weber den Sam Shephard eingefangen hat, samt Jessica Lange, what a great couple. In diesem Büchlein finden sich die Hollywood -Schlussworte (für heute) von Charles Bukowsk i: "Lawyers, doctors, plumbers, they made all the money. Writers? Writers starved. Writers suicided. Writers went mad." Dazu alsbald mehr vom getrennten Papi...
Michael Bukowski ist Berliner Szene-Literat - mit tollen Ideen, aber keiner Zeit, sie in dicken Büchern aufzuschreiben. Wie gut, dass die Aufmerksamkeitsspanne eines lesenden iPhone-Besuchers auch nicht sehr lange hält. In seiner "Lektüre für Nichtleser" kommt Bukowski deswegen ganz schnell auf den Punkt. Nein, Michael Bukowski hat nichts mit Charles Bukowski zu tun, dem genialen Gossen-Literaten aus Amerikas Unterschicht - der mit der Ledertasche. Michael Bukowski ist nämlich Berliner und hat lieber ein wachsames Auge auf die schrägen Vögel in Berlin-Schöneberg. Da, wo sich genervte Studenten, elitäre Kunstliebhaber, gewiefte Lebenskünstler und Malocher mit Migrantenhintergrund auf einen Kaffee in einer coolen Bar treffen, genau da hört Michael Bukowski ganz genau hin. Er protokolliert das Großstadtleben in kleinen, feinen Geschichten, die selten länger als eine iPhone-Bildschirmseite sind. Das ist die Lektüre für Nichtleser, denn Bukowski sagt ganz offen: "Sie haben kaum Zeit, große Romane zu lesen. Ich habe keine Zeit, welche zu schreiben. Daher hier die Lektüre für Nichtleser - für zwischendurch, nebenbei und unterwegs." Dass Bukowskis Geschichten im Kopf bleiben und nicht zwischen ödem Meeting und langweiligem Sex ins schnell verglimmende Kurzzeitgedächtnis wegkonsumiert werden, das liegt an den völlig abgefahrenen Figuren, die den Nichtleser-Kosmos bevölkern. Grabowski ist der Mann, der länger am Tresen sitzt, als dieser lang ist. Charming Heinz ist Fachwirt für schlechte Laune. Pistolen-Pete hat zwei Handys am Gürtel und betreibt ein Restaurant, in dem es immer nur Eintopf gibt. Eisi Verspeisi, Minh Phran Dings, Long Dong Copy und Ernesto Excèl sind weitere Figuren, die so schräg sind, dass es sie eigentlich gar nicht geben kann. Wenn man aber Schöneberg kennt - und ich habe da während meiner Studentenzeit in einer WG gewohnt, dann weiß man, dass das Leben in Berlin genau SO ist. Die Texte im Nichtleser tragen Titel wie "Schwedische Verfassung", "Gleich mal abmahnen" oder "Doppelkinn". Sie sind nicht nur kurz, sondern auch kurzweilig. Mal treiben sie die Handlung im Schöneberg-Kosmos voran und erzählen, wie es mit den lieb gewonnenen Figuren weitergeht. Oder sie spinnen einfach nur ein wenig herum. Etwa wenn es darum geht, der Marketing-Idee vom Whale Watching auf dem Berliner Wannsee Leben einzuhauchen. Oft genug wird aber einfach nur Quatsch gemacht. Etwa so: "Aus Grabowskis Bundestagswahltagebuch: War das eigentlich in Ordnung, daß ich im Wahllokal meinen Stimmzettel mit den Worten "Stimmt so!" in die Urne warf, ohne den Leuten Trinkgeld zu geben?" Ich habe Nichtleser 91 eine Woche lang jeden Abend im Bett weggeschmökert - immer zwei, drei Geschichten auf dem iPhone; das war die perfekte Bettlektüre vor dem Wegschnarchen. Jetzt ist Nichtleser 92 erschienen und ich freue mich schon wie Bolle auf ein Wiedersehen mit den lieb gewonnenen Figuren aus dem Berliner Kiez. Weitere Apps aus der Neunerserie - insgesamt sechs - werden im Wochentakt folgen - alle zum Mitnahmepreis von 79 Cent. Ich hab mir inzwischen auch den Nichtleser 1 besorgt. Das ist das pralle Einstiegswerk mit 135 Kapiteln für 4,99 Euro. Es sammelt alle Geschichten aus den gedruckten Nichtleser-Bänden 1 bis 8, denn die anfassbare (und ziemlich kleine und dünne) Variante fürs Buchregal gibt es auch. Band 9 wird nun in mehrere Apps zerfleddert, um den Lesern kontinuierlich neues Futter reichen zu können. Wie dem auch sei: Nichtleser ist völlig anders als der normale Lesestoff. Er ist feinsinnig, witzig, verschroben, irre, Großstadt-like, Kiez-intim und jenseits aller Konventionen. Mit seiner kurzen schnoddrigen und zugleich intelligent-durchtriebenen Art passen die Texte perfekt aufs iPhone. Ich hoffe, der Autor hört mit dem Schreiben so schnell nicht wieder auf. Und irgendwann, da gibt es trotz der Kürze aller Texte vielleicht mal ein dickes, fettes, gedrucktes Buch, das alle Shorties sammelt. ( Carsten Scheibe ) Nichtleser 92 1.0 Entwickler: St. Oberholz Verlagsg. / Michael Bukowski Größe: 0,3 MB Preis: 0,79 Euro Sprache: Deutsch Wertung: ***** (5 von 5) Link zur Homepage Link zum AppStore
Der Fauxpas, als er vor acht Jahren den "Big Brother"-Container besuchte, haftet ihm immer noch an. Dabei ist Guido Westerwelle ein exzellenter Kunstkenner. Der FDP-Chef im Kulturcheck.
Mit dem Roman "Die Vermessung der Welt" gelang Daniel Kehlmann einer der größten Erfolge der Nachkriegsliteratur: Allein die deutsche Ausgabe verkaufte sich 1,4 Millionen Mal. Nach vier Jahren literarischen Tastens erschien nun Kehlmanns neues Buch. Der stern traf ihn zum Gespräch zu Hause in Wien.
Sie sieht aus wie Lolitas morbide Schwester, und ihre Sätze treffen ins Schwarze: Gwendoline Riley ist das hochgelobte Nachwuchstalent der britischen Literatur. Ein Besuch in Manchester.
Vor 20 Jahren starb der Schriftsteller Jörg Fauser. Nachts, zu Fuß auf einer Autobahn. Er hatte gerade seinen 43. Geburtstag begossen. stern-Reporter Werner Mathes erinnert an seinen einstigen Kollegen und Trinkkumpanen.
Jörg Fauser verstand sein Werk immer als Teil einer "Gegenströmung zur offiziellen deutschen Literatur." In diesem Jahr wäre der unangepasste Autor 60 Jahre alt geworden.
Mit Texten des Schriftstellers Jörg Fauser tourte Wiglaf Droste auf Lesereise durch Deutschland. Im stern.de-Interview spricht er über Fauser, die Würde eines Schriftstellers und Rudelbildung im Literaturbetrieb.
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Henry Charles Bukowski jr. war ein US-amerikanischer Dichter und Schriftsteller polnisch-deutscher Abstammung. Er veröffentlichte zwischen 1960 und den frühen 1990er-Jahren über vierzig Bücher mit Gedichten und Prosa.