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13. Mai 2004, 15:23 Uhr

Glücksspielparadies in Seenot

Mit "Tricky Business" legt der Pulitzer-Preisträger und Kolumnist Dave Berry sein zweites Buch in deutscher Sprache vor. Der Autor zeigt sich hier einmal mehr in Hochform.

In seinem Romanerstling "Big Trouble" ließ Dave Barry noch eine Atombombe durchs hektische Florida transportieren, um zu beweisen, dass alle Bewohner des Rentnerparadieses schwer einen an der Waffel haben. So tief muss der Autor in "Tricky Business" nun nicht mehr in die Trickkiste greifen. In Barrys zweitem Roman tut es auch ein abgetakelter Dampfer mit dem Namen "Melodie der Meere".

Der tuckert jede Nacht über die Siebenmeilengrenze hinaus, um einer Horde süchtiger Zocker zu erlauben, an 205 Spielautomaten und 29 Spieltischen ihr letztes Geld auszugeben. Und das, während im Hintergrund eine drittklassige Kombo spielt und das Buffetessen so schlecht ist, dass es bereits seit Wochen nicht mehr ausgetauscht wurde.

Thriller mit derben Slapstick-Späßen

Barry lässt sein Casinoschiff in eine Hurrikan-Nacht heraustuckern, bei der sich das Schicksal aller Menschen an Bord während einer schlecht geplanten Drogentransaktion erfüllen wird. Doch bevor es zu einem Finale kommt, das beste blutrünstige Thrillerelemente mit dem derben Spaß einer Slapstick-Klamotte vereint, lässt sich Barry viel Zeit, um sein Ensemble vorzustellen.

Schräge Typen und die "Melodie der Meere"

Das könnte glatt einem Kuriositätenkabinett entsprungen sein, würde der Autor nicht glaubhaft versichern, dass die Leute in Florida tatsächlich mehr oder weniger so schräg drauf seien. Da gibt es etwa Wally, den antriebslosen Gitarristen und Sänger der Band "Johnny und die Prellungen", der jeden Morgen aufs Neue überlegt, seinen Job auf der "Melodie der Meere" aufzugeben. Wenn er doch nur nicht so verschossen wäre in die einsame Kellnerin Fay, die in Wirklichkeit eine Undercover-Polizistin ist. Was sicherlich schlecht für den Kleinkriminellen Bobby Kemp ist, der sein Geld mit Airbag-Attrappen und dilettantisch ausgeführten Busenvergrößerungen gemacht hat und nun hilflos zusehen muss, wie das organisierte Verbrechen alles daran setzt, um sein Zocker-Schiff zu übernehmen. Nur Arnie und Phil, die aus dem Altersheim entwischten Rentner, kriegen nicht so richtig mit, was um sie herum passiert.

Ständig pupsende riesenbrüstige Croupier-Damen, sich in den Tod stürzende Wetterjournalisten, sadistische Drogenkuriere und struntzdoofe Sekretärinnen tragen das ihre dazu bei, die Statistenschar der Irrsinnigen noch zu erweitern.

Komisch und ververkelt

Dave Barry stellt seine Romanprotagonisten mit schneller pointenreicher Schreibe vor, die vor allem bei den aus dem Leben gegriffenen Dialogen ganz besonders vergnüglich zu lesen ist. So vergnüglich jedenfalls, dass der Autor seine prüden US-Landsleute im Vorwort warnen musste: Im Roman würden viele derbe Schimpfwörter vorkommen und außerdem etliche sexuelle Szenen beschrieben werden. Prima. Da greift der deutsche Leser ja erst recht gerne zu, wenn es nicht nur komisch, sondern auch noch ein bisschen verferkelt zugeht. Barry gelingt es, dass man all seine Figuren schon nach ein paar Seiten so kennt, als würde man bereits seit Jahren mit ihnen zusammen zum Zocken aufs Meer fahren. Umso spannender wirkt dann das Finale, wenn der Hurrikan am Schiff zerrt und lauter waffenstarrende Mafiosi auf alles ballern, was sich bewegt.

Wer schon lange auf der Suche nach einem Roman ist, der sich in wenigen Stunden wie von selbst wegliest und der hemmungslos den schlechten Sitten, dem Sex, der Gewalt und dem schnöden Dialogwitz huldigt, der kommt an "Tricky Business" nicht vorbei. Und hey: Wer gefragt wird, warum er denn freiwillig einen solchen Schund liest, der kann sich immer noch damit herausreden, dass der Autor ein echter Pulitzer-Preisträger ist. Ehrlich.

Carsten Scheibe, Redaktionsbüro Typemania

Dave Barry: "Tricky Business"
Eichborn Verlag
296 Seiten, 19,90 Euro

 
 
 
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