. .
Bücher - Rezensionen und Neuheiten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
21. Juli 2008, 17:00 Uhr

Die deutsche Angst vor Obama

Mit Barack Obama kommt ein internationaler Polit-Popstar nach Berlin. Er kann reden, begeistern und junge Leute ansprechen, die sich nicht für Politik interessieren. Deutsche Politiker und Medien reagieren darauf mit Neid und Skepsis. Warum? Sie haben Angst vor Leidenschaft in der Politik. Von Bernd Gäbler

Ein Politik-Popstar in Aktion: Präsidentschaftskandidat Barack Obama© Robert Spencer/Getty Images

Obama kommt! Die Menschen sind begeistert, aber das offizielle Berlin reagiert reserviert.

Endlich ist es also klar: Barack Obama wird an diesem Donnerstag, dem 24. Juli, in unmittelbarer Nähe der Siegessäule sprechen, unter freiem Himmel, das Brandenburger Tor hinter ihm, gut sichtbar für alle Kameras. Eine Rede unmittelbar am Brandenburger Tor bleibt dem Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei verwehrt. Ariana Huffington ("Huffington Post") schrieb, Präsident George W. Bush persönlich habe bei der Kanzlerin interveniert, um das zu verhindern.

Überraschenderweise kommt diese Tatsachenbehauptung in der deutschen Presse allenfalls am Rande vor. Wie reagiert die deutsche politische Klasse auf Obamas Besuch? Und vor allem: Wie reagieren die führenden deutschen Medien?

Während der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit - um populäre Gesten nie verlegen - seine Arme sofort weit ausbreitete und den Politik-Popstar auch gern vor der symbolischen Kulisse des Brandenburger Tores willkommen heißen wollte, blockte Kanzlerin Angela Merkel genau dies ab. Auch die "National Mall" in Washington sei ja kein geeigneter Ort für deutsche Wahlkämpfe, ließ sie verlauten und tat fast so, als sei das Tor ein heiliger Ort. Tatsächlich sind beide Argumente falsch: Auf der "Mall" in Washington darf jeder Hans und Franz sprechen, und das Brandenburger Tor diente schon vielen Akteuren als Kulisse: dem Papst, dem Dalai Lama, nicht zu vergessen Jogi Löws Mannen. Gerne wird es auch mal an Samsung und andere Unternehmen vermietet.

Deutsche Politiker - neidisch auf mitreißende Politiker

Bei Angela Merkel mögen parteipolitische Präferenzen die ausschlaggebende Rolle gespielt haben. Aber generell sind deutsche Politiker skeptisch gegenüber Show-Stars der Politik und unterstellen per se Substanzlosigkeit, sobald einer beliebt ist. Das könnte man respektieren - würden sie sich tatsächlich mit der angeblich fehlenden Substanz befassen. Das tun sie aber nicht. Stattdessen sind sie neidisch. Da begeistert einer die jungen Leute? Das kann doch nicht sein! "Leider hat die Politik keine einfachen Lösungen parat", belehrt Wolfgang Thierse (taz v. 10.7.08): "Politik ist eine Sphäre der Mühsal, grau, hässlich und langsam." Man glaubt es ihm, dass er so empfindet. Entsprechend ausgeprägt ist die Anziehungskraft.

Hubertus Heil dagegen, glatt wie ein Aktenkoffer, hatte es zuvor schüchtern mit einem Imitat versucht. Leicht nach unten gebeugt, drehte er auf dem Nürnberger "Zukunftskongress" seiner Partei die Mikrofone zu sich, um aufzusagen: "Genossinnen und Genossen, bitte sprecht mir nach: Yes, we can." Dann sah er hilflos zu, wie die Worte im Saal verebbten - Mister Bean als Generalsekretär.

Von Obamas Methode nichts verstanden

Finanzminister Peer Steinbrück mag nicht mehr in Talk-Shows gehen. Die seien ja ohnehin nur Tand. Aber er findet es für die Stabilität des Landes am besten, in der Rolle des Juniorpartners einer großen Koalition kommod zu verharren. Dass der Wettbewerb um die Gunst der Wähler, der - ja: auch medial inszenierte - Kampf zum Erwerb der Macht, ein Element von Politik ist und sein sollte, scheint dieser oberste Finanzbeamte vergessen zu haben.

Frank-Walter Steinmeier, vermutlich der Kanzlerkandidat der SPD, hat ohnehin noch nie eine Wahl gewonnen. Natürlich gehört solides Verwalten und stetes Regieren auch zu demokratischer Politik - die Skepsis gegenüber Obama aber zeigt vor allem, dass die meisten deutschen Politiker von seiner Methode bisher nichts verstanden haben.

Warum ist Obama so attraktiv?

Mit 1,5 Millionen Menschen kommuniziert Barack Obamas Kampagne regelmäßig. Er kündigt seine Reden an, macht Mut, erklärt die nächsten Schachzüge, nennt seine Unterstützer. Vor allem aber hat er begriffen, dass das Internet nicht einfach ein Instrument der Propaganda ist, sondern ein Organisator. Bis Ende April hatte er 272 Millionen Dollar gesammelt - mit so vielen Kleinspenden wie kein Kandidat zuvor. Der etablierte Clinton-Clan hat es nicht einmal auf ein Viertel dieser Summe geschafft.

Zur Person

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags – das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
fuchs0202 (22.07.2008, 16:44 Uhr)
willkommen
wie kann einem ein mensch willkommen
sein, der für die todesstrafe ist.
Gisella (22.07.2008, 11:45 Uhr)
@Ricky2008
---- "Er"-OBAMA- ist doch noch nichts- weder noch. Wollen wir auch den MCCain hier sprechen lassen?Oder andere Politiker, die sich irgendwo gerade wählen lassen wollen?Wenn ich mich richtig erinnere, ist Frau Merkel -als sie noch eine "No-VIP" war, nur von der "unteren" Abteilung der US Regierung empfangen worden- Ich sage es nochmal- wartet ab, beide Kandidaten wollen mehr von uns als ihr denkt-ubd an die MACHT.
Ricky2008 (22.07.2008, 07:59 Uhr)
Oh Deutschland
So sind wir. Merkel = Bush. Merkel versucht Obama zu stoppen und wir folgen sie wie Blinde. Frankreich, England wollen den Mann, aber was machen die Deutschen? Keiner soll besser sein als unsere langweilige Politiker.
Ich sage einfach, gute Ideen oder nicht, der Mann ist charismatisch. Neid pur! Berliner, retten sie unsere Ehre und machen sie mit. Viva Obama.
gmathol (22.07.2008, 04:00 Uhr)
@Gisella
...richtig! Einfach mal bei CNN, PBS, C-SPAN1-4 (uebertraegt sogar die Debatten im Kongress/Senat) hereinschauen.
Zahllose Clips aus den US Nachrichten gibt es auch auf YOUTUBE oder sonstwo!
Wie heisst es so schoen: "Knowledge is power".
gmathol (22.07.2008, 03:57 Uhr)
Obama ist doch laengst Schnee von Gestern!
Er hat die Chance Praesident zu werden doch schon laengst verspielt, da er die Hoffnungen derjenigen die ihn in die Kandidatur erhoben schon laengst betrogen hat. Da war FEISA und das Abhoeren von US Buergern fuer das Obama stimmte, auch die Beendigung des Iraq Krieges ist fuer Obama kein Thema mehr, er tritt mittlerweile sogar fuer eine Verschaerfung der Abtreibungsgesetze in den USA ein - und ...und.
Der Beweis das die ehemalige Anhaengerschaft ihn schon verlassen hat zeigt das die Obama Kampagne laengst nicht mehr auf die Spendeneinnahmen hoffen kann, diese sinken naemlich.
Obama ist nur ein Opportunist der glaubt sein Volk dadurch vereinen zu koennen, indem man den kleinsten gemeinsamen Nenner, in diesem Fall den Wuenschen einer kleinen Gruppe von Wirrkoepfen und Hasardeuren entspricht.
Good bye Obama, wozu die ganze Aufregung.
Gisella (21.07.2008, 22:20 Uhr)
@chatahootchee
genau so "isses"- und OBAMA will vielmehr von Deutschland haben- als was wir willig zu geben sind. Money und Soldaten für die angezettelten Kriege der Bush-Administration. Und für alle, die english verstehen. guckt doch öfter mal in CNN rein. Der Sender sagt allen, was man von Europa und oder Germany haben will.
chatahootchee (21.07.2008, 19:56 Uhr)
@JOHANN58
Besser kann man Flip-Flop BHO nicht characterisieren.
Aussenpolitisch nichts drauf, sucht er jetzt ueber Schlagzeilentourismus um Profilierung; eine Art politische Schnellbesohlung. Und was soll der Quatsch mit der Rede in Berlin. Er ist ja nicht mal offizieller Kandidat.
Da rennt er rum mit dem Staatsoberhaupt von Afganistan, aber weltmaennisch die Haende in den Taschen. Bei Bush haette man, und mit Recht, gelaestert. Und hier? Der BHO ist ein Vielredner ohne viel zu sagen. Und wenn er was sagt ohne abzulesen, muss es meistens hinterher erlaeutert oder gerade gebogen werden.
hq79 (21.07.2008, 19:47 Uhr)
Fehler im Artikel
Laut Berliner Medien wird Obama an der Siegessäule das Brandenburger Tor nicht hinter sich haben, er wird auf das Tor blicken. Eine vor ihm positionierte Kamera wird hinter ihm die Siegessäule einfangen, eine zweite Kamera hinter ihm ist über seiner Schulter so positioniert, daß geschickt er selbst, die freudigen Massen und das Brandenburger Tor in einiger Entfernung im Bild sind. Eine äußerst ausgeklügelte Komposition, würd ich sagen.
Johann58 (21.07.2008, 19:43 Uhr)
Obamamania
Na toll, da hat jemand erkannt, dass Obama nur Praesidentschaftskandidat ist, nein ist er nicht, denn da muss er ja erst mal von seiner Partei gekuert werden und das ist noch nicht so weit. Ron Paul? Na super einer der aus dem Rennen vor Monaten ausgestiegen ist kommt nicht mehr in den Medien vor. Wozu auch?
Obama macht Wahlkamf, auch in Deutschland und kurioserweise hat er sich Berlin ausgesucht und GB undF irgenwie so ein wenig links liegen gelassen. Dann sorg er auch noch fuer einen Koalitionsstreit, da muss ich dann denken sind wir den in Deutschland voellig uebergeschnappt. Obama ist in gewisserweise Demagoga, da er mit wenig Aussage offensichtlich viele Mnschen anzusprechen vermag. Dann bleibt die Frage wer ist besser fuer Amerika und die Welt? Obama oder McCain. Da kommt dann der Punkt wo man nicht mehr wirklich weiss was man denken soll. Obama hat festgestellt, dass die weisse Bevoelkerung ihn eher nicht waehlen wird, so weit sie der Mittelklasse angehoert als begibt er sich auf einen gefaehrlichen Weg. Ich nenne hier nu die Waffenlobby und die Todesstrafe, beides Dibge die im Konservativen Spektrum angesiedelt sind und waehlerstimmen bringen, dabei hat man doch eigentlich gehofft, dass ein Obama genau damit aufraeumt. Erst sollen die Truppen aus dem Irak abgezogen werden und dann wieder noch nicht. Es ist irgendwie zum aus der Haut fahren. Yes we can do aber was denn? Die Europaeer will Obama staerker in die von den Amerikanern angefangenen Konflikte einbinden und da frage ich mich dann allen ernstes was die Europaeer so toll an Obama finden.
mupfeline (21.07.2008, 19:31 Uhr)
Die Menschen hier sind von Obama begeistert?
Wer sagt das? Der Stern? Na dann muss es ja wahr sein, oder?
Was soll dieser Hype um diesen Mann? ER ist zuallerst und immer den Interessen der USA verpflichtet. Würde er deren Werte und Traditionen und Überzeugungen nicht teilen dann wäre er nicht da wo er jetzt schon ist. Im übrigen - Reden kann man viel. Taten hingegen sind schon schwerer in die Realität umzusetzen. Ich frage mich ernstlich was WIR - ja, wir Deutschen - eigentlich von dem Mann erwarten? Ich erwarte nichts von ihm :) Er wird - vielleicht - Präsident der USA. Er wird die Interessen der dortigen Wirtschaft und der dortigen Militärs und DANACH die Interessen der dortigen Menschen vertreten - und nicht etwa umgekehrt.
Insofern ist dieser ganze lächerliche Hype in Deutschland um diesen Mann Humbug. Und einen "Messias" - als der er auch gerne bezeichnet wird - den stelle ich mir ehrlich gesagt anders vor!
MEHR ZUM ARTIKEL
Berlin-Besuch Wirbel um Obama-Rede

Am kommenden Donnerstag wird Barack Obama vor der Siegessäule in Berlin sprechen. Der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten hat seinen Auftritt nun auch offiziell bestätigt. Politiker von Union und FDP kritisierten jedoch die Ortswahl. mehr...

US-Wahlkampf Obama spricht vor Siegessäule

Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Barack Obama, wird seine Rede in Berlin offenbar vor der Siegessäule halten. Der Aufbau der Bühne wird ihm symbolträchtige Bilder mit dem Brandenburger Tor im Hintergrund möglich machen. mehr...

Die Medienkolumne Von Druckerschwärze und Schwarzmalerei

Immer weniger Menschen lesen gedruckte Zeitungen. In den Redaktionen herrscht ein enormer Sparzwang. Doch stimmt es wirklich, dass die Online-Medien den Tageszeitungen den Rang ablaufen? Hat es sich bald ausgeraschelt? Warum die gute alte Tageszeitung zu mehr taugt als nur zum Fisch einwickeln. mehr...

Die Medienkolumne Kein Bohlen im Bremer Rathaus

Als Ministerpräsident eines Bundeslandes ist Jens Böhrnsen wenig bekannt. Er tut auch nichts dafür, dass sich das ändert. Und dafür verdient er sogar Applaus. Warum es in Zeiten medialer Selbstdarstellung so herausragend ist, einem Pop-Titan zu widerstehen. mehr...

Die Medienkolumne Die Verdopplung der TV-Würstchen

Mit seiner spitzen Kritik an peinlichen TV-Formaten hat sich Oliver Kalkofe einen Namen gemacht. Doch in der vierten Staffel von "Kalkofes Mattscheibe" wird eines deutlich: Der Meister der Fernseh-Parodie muss aufpassen, dass er nicht selber zur Witzfigur wird. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft