Der israelische Satiriker Ephraim Kishon feiert seinen 80. Geburtstag. stern.de sprach mit ihm über sein Lebenswerk und seine beiden großen Wünsche für die Zukunft.

Ephraim Kishon wird am 23. August 80 Jahre alt© Gaetan Bally/AP
Nun, es belastet mich, aber ich ertrage es gerne. Der Rummel ist groß und die Zeitungen sind voll mit Lobeshymnen über mein Lebenswerk. Es ist eine gute Werbung. Was ich aber bisher noch nicht wusste ist, dass man wohl 80 Jahre alt werden muss, um einen solchen Erfolg zu haben. Die Menschheit im Allgemeinen, in allen Religionen und in allen Sprachen, misst dem Geburtstag eine solch große Wichtigkeit bei, was ich einfach nicht verstehen kann. Vor einigen Jahren habe ich die Billard-Weltmeisterschaft gewonnen, das ist eine viel größere Leistung als geboren zu sein. Das war ja in erster Linie eine besondere Leistung meiner Eltern.
Das Besondere ist, dass ich noch niemals 80 war. Es ist das erste Mal. Es ist sehr nett Geburtstag zu haben, aber die Zahl ist schon erschreckend. Sie ist so unwahrscheinlich und erscheint sehr unsympathisch.
Ich würde auch die Filme, die ich in jüngeren Jahren gedreht habe, wieder ganz genauso machen. Nehmen Sie den "Blaumilchkanal". Der Film ist total absurd, völlig unmöglich und doch möglich. Er ist ein Dokument mit dem Beweis über menschliche Dummheit. Und glauben Sie, dass sich daran über die Jahre etwas geändert hat? Man kann ihn als Kultfilm verstehen, denn er ist zeitlos. Wissen Sie wie man "Blaumilchkanal" in Israel nennt? "Unsere Titanic". Der Film lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln anschauen. Man kann sagen, dass es ein sehr komischer Film mit vielen komischen Momenten ist. Man kann aber auch sagen, dass es eine mörderische Satire über Bürokratie ist. Solche Dinge geschehen in der ganzen Welt.
Ich habe israelische Filme gedreht, die die ganze Welt interessierten. In jungen Jahren habe ich vier Filme gemacht, von denen gleich drei den Golden Globe gewonnen haben. Ich war ein echtes Wunderkind in Hollywood. Ich habe auch dort gelebt habe, bin aber rechtzeitig wieder geflohen.
Zumindest bin ich plötzlich und still abgereist. Allerdings wurde ich bei meiner Abreise von einer Reporterin in der Flughafenhalle abgefangen. Sie fragte mich warum ich weggehen würde, obwohl mir doch eine so große Zukunft in Hollywood bevorstünde. Ich sagte ihr: "Hollywood ist nichts für mich, denn es gibt hier nur drei Arten von Einwohnern: Ein Drittel ist Alkoholiker, ein Drittel sind Drogensüchtige und das letzte Drittel hat sich noch nicht entschieden." Ich habe viele Purzelbäume solcher Art gemacht. Manchmal bin ich erstaunt, wie ich alles überlebt habe.
Schreiben ist eine der langweiligsten Tätigkeiten überhaupt. Aber weil ich einen gewissen Erfolg mit meiner Schreiberei erreicht habe, kann ich Ihnen nicht, ohne ein Heuchler zu sein, sagen, dass ich es sehr bedauere. Allerdings ist es schon ein Bruch, wenn man über sieben Jahre die Bildhauerei auf hohem Niveau erlernt hat und plötzlich keine Zeit mehr dafür hat. Hier in meinem schönen Haus in Israel, habe ich ein Atelier, doch leider komme ich viel zu selten dazu, es zu nutzen. Das ist eins meiner größten Probleme, denn ich bin ein sehr neugieriger Mensch und ich möchte gern viel erleben und möchte viel machen. Aber da geht es mir wie wohl allen Menschen: Heutzutage hat niemand mehr Zeit. Der Tag müsste heute 48 Stunden dauern, aber das hat der liebe Gott leider nicht in Betracht gezogen.
Diese Frage ist mir schon oft gestellt worden. Ich werde Sie daher ganz kurz beantworten: Ich habe deshalb so großen Erfolg, weil ich ein so guter Schriftsteller bin.
Diese Frage stellen Sie jemandem, der ein biblisches Alter erreicht hat. Also bitte Vorsicht! Es ist mit Sicherheit mein letzter Roman. Allerdings sage ich das auch mit Vorsicht, da ich dieses schon oft angekündigt habe. Die Frage kann aber nicht sein, ob ich noch für Deutschland schreibe - bei aller Ehre für diesen größten und erfolgreichsten Buchmarkt. Die Frage muss sein, ob ich überhaupt noch schreibe. „Der Glückspilz“, den ich als mein Lebenswerk beurteile, ist mein erstes sehr, sehr intimes Buch. Es ist auch mein letztes.
Jubiläums-DVD-Edition Der Satiriker Ephraim Kishon war neben seiner schriftstellerischen Arbeit auch als Regisseur von Filmen tätig. Mit diesen gewann er mehrere Preise wie Golden Globes und Golden Gate Awards und wurde auch zweimal für den Oscar nominiert. Anlässlich seines 80. Geburtstages ist eine Jubiläums-DVD-Edition seiner besten Filme aufgelegt worden. Die Box enthält die Filme "Der Blaumilchkanal" (1969), "Der Fuchs im Hühnerstall", "Ervinka" (1967), "Sallah - oder: Tausche Tochter gegen Wohnung" und "Schlaf gut, Wachtmeister" (1971). Als Special Features sind Kishon-Interviews und Hintergrundinfos zu jedem Film vorhanden, ein 16-seitiges Booklet enthält eine Filmographie.