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Die Wahrheit über Tattoos und Seeungeheuer

Das neue Heft schickt Asterix zu den Pikten nach Schottland. Dort erwarten Meeresungeheuer, tätowierte Krieger und Piktogramme die Gallier. Lesen bildet - aber stimmen die historischen Details?

Von Gernot Kramper

Der neue Asterix nimmt den Leser mit nach Schottland.

Der neue Asterix nimmt den Leser mit nach Schottland.

Über das Leben der Pikten ist wenig bekannt. Das ist gut für die "Asterix"-Hefte und auch für Hollywood, weil man ihr Leben mächtig ausschmücken kann, ohne bekannte Fakten allzu sehr verbiegen zu müssen. Schon der Name Pikten ist keine eigene Bezeichnung, sondern eine Sammelbezeichnung der Römer für die Völker im Norden Britanniens, mit denen sie nicht zu Rande kamen.

Unbeugsames Volk

Im Heft beißen sich die Römer die Zähne an den Pikten aus. Sie sind das historische Vorbild für die unbeugsamen Gallier. Sie sind ein kämpferisches, kleines Volk am Rande des römischen Imperiums. Und das ist historisch. Die Gallier hingegen fügten sich nach den Kriegen Julius Caesars ihrem Schicksal und fanden viel Gefallen an der römischen Lebensweise. Widerstand gab es nur in einem Dorf - und das ist fiktiv.

Wertung: korrekt

Niemals von den Römern unterworfen

Tatsächlich wurde Kaledonien, das heutige Schottland, niemals dem Imperium einverleibt. Das ist erstaunlich, weil es sich nur um einen überschaubaren Zipfel Britanniens handelt, eine Eroberung also eine deutliche Frontbegradigung für Rom ermöglicht hätte. Doch die Feldzüge der Römer scheiterten, und Kaiser Hadrian trennte den Nordteil der Barbaren entnervt mit einer Festungsmauer vom römischen Britannien ab.

Wertung: korrekt

Ein Volk mit Körperschmuck

Die feschen Pikten beeindrucken die Gallierinnen nicht nur mit ihrer schlanken Gestalt, sondern auch mit ihren Tribal-Tattoos. Wenig weiß man vom sozialen Leben der Pikten, doch sicher ist, dass sie sich tätowierten.

Wertung: korrekt

Geschminkte Männer

Asterix' Pikten haben ihre wahre Freude an Gesichts- und Körperbemalung. Schon Caesar berichtet von der Sitte der Pikten, sich zu bemalen und zu färben. Den historisch beglaubigten Körperkult nutzte auch Hollywood. In "König Arthur" tönen sich die Pikten blau ein.

Wertung: korrekt

Die Clans

Bei "Asterix" leben die Pikten in einer festen Clanstruktur. Das ist geografisch richtig, aber hier nimmt das Heft eine kleine Zeitreise vor. Obwohl einzelne Clans sich auf einen vorzeitlichen mythologischen Ursprung berufen, lassen sie sich nicht vor dem Jahr 1000 festmachen. Mit einigem guten Willen finden sich Hinweise für Clanstrukturen schon im Jahr 500. Doch die historische Bühne betreten die Clans geeint unter Jack the Bruce in den schottischen Unabhängigkeitskriegen, nur geht es dort gegen die Engländer und nicht gegen die Römer.

Wertung: künstlerische Zeitverschiebung

Die Clan-Accessoires

Ähnliches gilt für das typische Schottenzubehör wie Kilts, Clan-Muster und Highland-Games mit dem die Pikten im Heft ausstattet sind: Das sind alles Elemente der schottischen Folklore, deren Ursprünge aber im Mittelalter und nicht in der der Antike liegen.

Wertung: künstlerische Zeitverschiebung

Hauptfigur Mac Aphon

Der Name des verliebten Held Mac Aphon spielt auf Kenneth Mac Alpinan an, den ersten König Schottlands. Im Jahr 843 wurde zum gemeinsamen König der Pikten und Skoten gekrönt. Ein bisschen spät für Asterix.

Wertung: wiederum eine Zeitreise

Die Königswahl

"Asterix" hat einen Sinn für Details: Die Königswahl findet im "Asterix"-Band auf mächtigen Felsblöcken statt, in der echten Zeremonie spielt der Stone of Scone eine große Rolle. Auch die Wahl des Königs ist überliefert, selbst der Disput über den Vorrang der weiblichen Linie stützt sich auf historische Angaben.

Wertung: korrekt

Das nette Seeungeheuer

Seeungeheuer sind im wissenschaftlichen Sinn natürlich nie real. Und auch wenn Schottland für Nessie bekannt ist, ist das mysteriöse Seeungeheuer doch eine moderne Figur: Die erste Nessie-Sichtung datiert auf das Jahr 1933. Obendrein wurde das nette Monster wenig schottisch "Fafnie" genannt. Eine unglückliche Entlehnung. Spielt das Name doch auf "Fafnir" beziehungsweise "Fafner" an. In der nordischen Mythologie ist Fafnir einer der Söhne Hreidmars, der sich unter dem Einfluss eines verfluchten Goldhortes in einen schrecklichen Lindwurm verwandelt.

Wertung: gar nicht korrekt

Meister des Piktogramms

Die Pikten werden zum Urheber der Piktogramme erhoben. Das ist natürlich nur ein Wortwitz. Die vereinfachten Bilddarstellungen, die als sofort verständliche Bedienungsanleitung dienen, haben die Pikten nicht erfunden. Richtig dargestellt ist ihre Vorliebe für Ritzzeichnungen auf Steinen und Landmarken.

Wertung: nicht korrekt, aber nicht so schlimm, das ist ein Witz.

Besuch vom Volkszähler

Im gallischen Heimatdorf erfasst der römische Volkszähler alle Bewohner. Tatsächlich waren die Römer große Bürokraten, die Wert auf aktuelle Steuerlisten legten.

Wertung: korrekt

Fazit

Im Großen und Ganzen geht es bei Asterix zu wie im historischen Lehrbuch. Wenn die Schottenfolklore aus dem Mittelalter in die Antike schwappt, ist das nachzusehen. Echte Patzer finden sich nicht.

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