. .
Bücher - Rezensionen und Neuheiten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
26. September 2008, 10:47 Uhr

"Die Aufmerksamkeit grenzt an Hysterie"

An diesem Samstag wird in Halle die Bühnenversion von Charlotte Roches Bestseller "Feuchtgebiete" uraufgeführt. Im stern.de-Interview spricht Regisseurin Christina Friedrich darüber, wie sie das Erlebnis von Schmerz und Onanie vermitteln will - und wie sie eine Intimrasur inszeniert.

Christina Friedrich

Regisseurin Christina Friedrich vor dem Neuen Theater in Halle© Jens Schlueter/DDP

Mit ihrem Roman "Feuchtgebiete" landete die frühere Viva-Moderatorin Charlotte Roche den literarischen Überraschungscoup der Saison. Seit Monaten belegt dieses Buch den ersten Platz der Bestsellerliste, bislang sind mehr als eine Million Exemplare verkauft worden. Darin erkundet die 18-jährige Helen Memel ihre Körperöffnungen und -flüssigkeiten. An diesem Samstag feiert die Bühnenfassung am Neuen Theater in Halle Premiere. Schon im Vorfeld ist die Inszenierung auf großes Interesse gestoßen. Alle zehn Aufführungen des Stücks sind seit langem ausverkauft. Ein Gespräch mit der Regisseurin Christina Friedrich.

Frau Friedrich, Sie bringen Charlotte Roches Bestseller "Feuchtgebiete auf die Bühne. Wie stellt man die explizit sexuellen Szenen oder eine Intimrasur dar?

Das musste ich gar nicht tun. Ich hatte keinen Auftrag, das Werk zu illustrieren. Ich kann mit dem Stoff so umgehen, dass ich in die Kanäle reingehe, die in unserem Interesse liegen. Die Intimrasur findet nicht statt.

In dem Buch wird eine individuelle Körpererfahrung geschildert. Lässt sich so etwas überhaupt verallgemeinert auf der Bühne darstellen?

Diese individuelle Erfahrung wird zu einer universellen Körpererfahrung. Es ist die Selbstberührung eines Mädchens, das sich in einer Isolation im Krankenzimmer befindet. Da liegt dieser Körper mit einer Wunde. Das Mädchen reißt die Wunde auf und dringt wie Alice im Wundenland darin ein. Der Zuschauer kann damit korrespondieren oder mitfantasieren und Dinge erleben, die er sonst nicht erlebt. Das sind Körperfantasien, die auch die eigene Fantasie inspiriert, anregt oder aufwühlt.

Viele Leser fühlen sich von den expliziten Schilderungen abgestoßen. Muss man wirklich den literarischen Skandal der Saison für die Bühne aufbereiten?

Das muss man nicht. Aber es ist ein rasend kluger Stoff zu einem gesellschaftlichen Diskurs über die Abwesenheit oder die ziemlich totale Anwesenheit des Körpers. Es ist eine rasante Körperfibel geworden, nahezu ein Volkskundebuch - eine Million Mal gelesen. Den Stoff und die Motive, die darin verhandelt werden, finde ich wesentlich und schön genug, um sie auf der Bühne zu erzählen und erkunden.

Welchen Erkenntnisgewinn bringt denn Ihre Bühnenversion, die das Buch nicht liefern kann?

Ich will keine Erkenntnis produzieren, ich kann nur Erlebnisse herstellen. Ich kann im besten Fall dafür sorgen, dass die Körperreise von Helen Memel erlebbar wird. Es geht darum, zu organisieren, dass man das Erlebnis von Schmerz, von Berührung, von Onanie teilbar macht. Nicht indem man darüber monologisiert, sondern indem man sie erlebt. Das ist ein Raum, der entstehen kann, wo man sagt: Vielleicht können wir einander das Fühlen lehren.

Haben Sie Angst, die Aufführung könnte dadurch gestört werden, dass Teenager kichern, um ihre Scham zu kompensieren?

Ich freue mich, wenn gelacht wird. Dass Scham Lachen freisetzt, ist völlig in Ordnung. Es gibt keinen Verhaltenskodex. Morgen kommt meine 19-jährige Tochter mit ihren zehn Freundinnen zur Generalprobe. Darauf freuen wir uns alle sehr. Alle Reaktionen sind erwünscht. Außer Furcht. Man kann sich nicht fürchten. Von diesem Mädchen geht eine Radikalität und Anarchie aus, der man nur genauso furchtlos hinterhergehen kann.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
bR4iNST0RM (26.09.2008, 16:21 Uhr)
Ultra leichte Kost
Das ist eben momentan in: das, was hohe Wellen schlägt (egal ob Inhaltlich Wertvoll oder nicht), ruft sofort Trittbrettfahrer auf den Plan.
Die Aufführung halte ich für genauso Sinnfrei, wie die Veröffentlichung vom „Buch“. Papierverschwendung.
Turboprop (26.09.2008, 15:50 Uhr)
ooohhhh bitte
"Warum ist das Buch auf so ein breites Interesse gestoßen?" - Eine solche Frage zu stellen, ist ein Witz - darauf zu antworten ebenso. Jedem ist es klar und jedes Wort dazu überflüssig. Für mich persönlich gibt es keine Tabus, daher bin ich nicht durch die Beschreibungen, sondern die totale und vollständige Leere dieses Buches angewidert. Jeder einigermaßen angesehene Literaturkritiker bestätigt, dass der Roman einfach nur unfassbar schlecht geschrieben ist und auschließlich davon zehrt...aber das hatten wir ja schon. @jo--jo: Was bitte soll das für ein Kommentar sein? Ebenso gut hätten Sie "Salami" oder "ich fühl mich Backofen" schreiben können. Das hätte exakt den gleichen Sinngehalt gehabt.
jo--jo (26.09.2008, 13:18 Uhr)
Respekt...
... Frau Friedrich!
MEHR ZUM ARTIKEL
Charlotte Roche Die Zotenkönigin von Muschiland

Provokation oder neues Selbstbewusstsein - was steckt hinter dem Erfolg des Bestsellers von Charlotte Roche? Eine Expedition in die "Feuchtgebiete" des Feminismus. mehr...

Charlotte Roches "Feuchtgebiete" Wer kauft den pinkfarbenen "Porno"?

Charlotte Roches "Feuchtgebiete" hat sich mittlerweile mehr als 450.000 Mal verkauft. Erstmal nur eine Zahl - doch wer gibt Geld aus für ein Buch, das sich mit Masturbation, Selbstverstümmelung und Analverkehr befasst? stern.de hat Buchhändler und den Verlag zum - bald auch internationalen - Erfolg des Buches befragt. mehr...

Alexa Hennig von Lange über "Feuchtgebiete" Die Entweihung des weiblichen Körpers

Alexa Hennig von Lange hat in ihrem Debütroman "Relax" selbst offen und unverblümt über Sex geschrieben. Für stern.de kommentiert die Autorin den Erfolg des Buches "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche und entdeckt dabei ein neues weibliches Feindbild. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft