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31. Januar 2008, 16:35 Uhr

Bestseller vor Gericht

Zwei Wochen vor der Premiere des Kinofilms "Feuerherz" auf der Berlinale ist der Streit um die Buchvorlage der Autorin Senait Mehari hochgekocht. Das Landgericht Hamburg bestätigte am Donnerstag den Eingang einer Klage gegen Mehari und den Verlag Droemer Knaur.

Die in Eritrea geborene Autorin und Sängerin Senait Mehari mit ihrem Buch "Feuerherz"© Frank May

Zwei Eritreer wehren sich laut NDR damit gegen Meharis Darstellung ihrer angeblichen Zeit als Kindersoldatin im Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien. Der Verlag betonte die Rolle des Buches als "ein Stück Zeitgeschichte". Kläger sind laut Verlag ein Mann und eine Frau, die ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sehen. Die Eritreer wehren sich dem NDR-Medienmagazin "Zapp" zufolge gegen die Darstellung, die gemeinsam besuchte Schule in einem Lager der eritreischen Rebellenorganisation sei ein militärisches Ausbildungscamp für Kinder gewesen. Die in Hamburg klagende Frau hatte nach Angaben des Verlags bereits eine Strafanzeige gegen die Autorin wegen übler Nachrede gestellt. Dem NDR zufolge hatte Mehari die Frau in ihrem Buch sowie in Interviews namentlich benannt und als "brutale Kommandantin" bezeichnet und als menschenverachtende Mörderin dargestellt. Ein Berliner Gericht erließ demnach bereits Strafbefehl gegen Mehari und verpflichtete sie zur Zahlung von 9.000 Euro.

"Mehari soll mundtot gemacht werden"

Dagegen wurde laut Verlag Einspruch eingelegt. Der Verlag erklärte, die Kläger versuchten die Glaubwürdigkeit der Autorin zu erschüttern. "Die erneute Kampagne gegen Frau Mehari stellt nach diesseitiger Ansicht lediglich den Versuch dar sie mundtot zu machen", hieß es in einer Mitteilung. Damit werde das ernste Thema des Missbrauchs von Kindern in Kriegen und bei politischen Auseinandersetzungen verdrängt und verharmlost. Der Verlag habe im Rahmen außergerichtlicher Verhandlungen Anonymisierungen angeboten.

Seit mehr als einem Jahr bemühe sich Mehari um ein Treffen. Droemer Knaur betonte, Mehari gehe es keinesfalls um eine Anklage oder Herabwürdigung einzelner Personen. Ihr Buch gebe "ein Stück Zeitgeschichte wieder". Es sei darum gegangen, Position gegen den Krieg an sich zu beziehen und um "die Sensibilisierung für die Situation von Kindersoldaten, die es unstreitig in Eritrea gegeben hat und bis heute auf der Welt gibt".

"Ich musste nie jemanden umbringen"

In dem Buch "Feuerherz" erzählt die vermutlich 1974 in Eritrea geborene Mehari ihre angebliche Lebensgeschichte als Kindersoldatin in einer Rebellenarmee. Mehari hatte laut "Zapp" aber bereits vor einem Jahr ihre Geschichte relativiert und die Bezeichnung "Kindersoldatin" eine "Erfindung der Medien" genannt. "Ich war nie an der Front. Ich musste nie jemanden umbringen", hatte die Autorin im Januar 2007 erklärt. Auf der Vorlage des Buches drehte Regisseur Luigi Falorni den gleichnamigen Kinofilm, der am 14. Februar als Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale Premiere feiert. Vom Veranstalter war zunächst kein Statement zu bekommen.

AP

 
 
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