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13. Oktober 2007, 12:51 Uhr

Von Helden und Heizpilzen

Wo liegt eigentlich Katalonien? Und wer war nochmal Doris Lessing? Egal. Das größte Thema der Frankfurter Buchmesse ist sowieso ein anderes: Rauchen Von Andrea Ritter, Frankfurt/Main

Katja Lange-Müller veröffentlich Ihr Buch "Böse Schafe". Und sie raucht© Bernd Kamerer/AP

Man hört so einiges. Dass nachts Katja Kesslers Handtasche geklaut wurde, zum Beispiel, oder dass Monika Maron zwar in Frankfurt ist, aber nicht zur Messe kommt. Und damit ist man auch schon beim Wesentlichen: Im Hessenland ist Rauchverbot, und zwar überall. Und wer jetzt denkt: "Na und? Ist doch schön, frische Luft" - der war noch nie auf der Frankfurter Buchmesse. Literatur und Qualm gehören einfach zusammen. Immer schon. Weil zitternde Autorenhände wenigstens eine Zigarette zum Festhalten brauchen. Weil gestenreiches Schwadronieren mit Kippe zwischen den Fingern viel besser aussieht. Weil - na ja, weil das eben schon immer so war: Auf der Buchmesse wird so viel geraucht, wie nirgendwo sonst. Woran so ein Verbot natürlich nichts ändert.

Und so sind es auch nicht die streikenden Lokführer, die in Frankfurt für Staus und Ärger sorgen, sondern die rauchenden Literaten. In den vergangenen Jahren ging man nach Messeschluss in den Frankfurter Hof. Dieses Jahr geht man nach Messeschluss vor den Frankfurter Hof. Steht. Trinkt. Raucht. Und weil schon auf dem Schulhof klar war, dass man in der Raucherecke die cooleren Leute findet, stehen auch die Nichtraucher draußen. Und rauchen aus Solidarität einfach mit.

Kein verheißungsvoller Nebel

Drinnen sieht es traurig aus. Keine lasziv hingegossenen Jungautorinnen im Plüsch, kein verheißungsvoller Nebel über der Autorenbar. Wer auf dieser Messe was erleben will, muss raus. Unter den Heizpilz. Dort riecht der Qualm nach Revolte. Volksentscheide werden gefordert. Aufbegehren sollte man, schnell, bevor es zu spät ist und auch die letzten freien Bundesländer in die repressiven Fänge der Gesundheitsfaschisten und Wellness-Fanatiker geraten. Parteigründungen werden in Erwägung gezogen, oder gleich der Regierungssturz. Niemand will ewig leben, erst recht kein Schriftsteller. Da wird die Vergänglichkeit gepriesen und die Freiheit. Mit ängstlich geweiteten Augen berichten Autoren von Lesungen, die sie ohne Zigarette durchstehen mussten. Und Heldensagen gibt es auch schon: Katja Lange-Müller, das böse Schaf, hat trotzdem geraucht, bei ihrer Lesung. Und Nina Petri auch. So.

Beim Fest von Randomhouse und Bertelsmann gab es, immerhin, einen Raucherraum. Verborgen wie zur Prohibition, mit Schummerlicht und dicken Vorhängen. "Zum Glück, das Alte Europa", seufzt eine Amerikanerin, bevor sie sich mit einem beherzten "I need to be drunk" dem sündigen Nikotin hingibt.

Und auf den privaten Empfänge, wo jeder so viel rauchen darf, wie er will, erläutert auch endlich mal ein naserümpfender Nichtraucher, warum vorher alles besser war: "Es hat zwar nach Zigaretten gestunken. Aber jetzt weiß ich, dass das ein Vorteil war."

Von Andrea Ritter, Frankfurt/Main
 
 
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