. .
Bücher - Rezensionen und Neuheiten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
10. September 2009, 19:57 Uhr

Wirbel um ausgeladene Chinesen

Skandal bei der Frankfurter Buchmesse: Der Ausschluss von zwei regierungskritischen chinesischen Autoren bei einem internationalen China-Symposium am Wochende hat zu scharfer Kritik geführt.

Buchmesse, Frankfurt, china, Autoren, ausgeladen

"Wir müssen einen Kompromiss eingehen": Buchmessen-Direktor Juergen Boos© Boris Roessler/DPA

Die "experimentierfreudigste Buchmesse" aller Zeiten kündigte am Donnerstag Chef Juergen Boos in Frankfurt an. Und auch bei den erwarteten Ausstellerzahlen und vermieteter Fläche konnte die weltgrößte Bücherschau trotz Wirtschaftskrise Positives berichten. Doch der aktuelle Wirbel um den Ehrengast China hat bei der offiziellen Vorschau auf die vom 14. bis 18. Oktober dauernde Buchmesse alles andere überschattet. Die Ausladung von zwei regierungskritischen chinesischen Autoren bei einer am Wochenende in Frankfurt geplanten Tagung hat die Verantwortlichen der Buchmesse erheblich unter Druck gesetzt.

Nach Boykott-Drohungen der Chinesen hat die Buchmesse bei dem hochrangig besetzten Symposium die Umweltaktivistin Dai Qing und den in den USA lebenden Exil-Chinesen Bei Ling ausgeladen. Beide waren zwar nie als Redner auf dem Podium vorgesehen, sollten aber als Gäste dabei sein. "China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit" heißt das Thema der Konferenz, die auf die Buchmesse vorbereiten sollte. Beim Symposium gehe es um eine gemeinsam mit dem chinesischen Partner geplante Tagung, verteidigte Boos die Haltung der Messe. "Deshalb müssen wir manchen Kompromiss eingehen." Und der zuständige Symposium-Koordinator Peter Ripken meinte, dass es um den Dialog mit Wissenschaftlern und auch Diplomaten gehe und nicht um eine Tagung mit "Dissidenten und Sinologen".

Ripken hatte am Mittwoch Dai Qing, die von der Buchmesse zusammen mit der deutschen Schriftstellervereinigung PEN eingeladen worden war, auf Oktober vertröstet. Die Messe sei das richtige Forum für ihre Anliegen. Diese will jetzt aber am Freitag doch zum Frankfurter Symposium anreisen. Doch ob und in welcher Form sie am Samstag bei der Tagung dabei sein wird, war weiterhin offen. "Wir werden nicht in die Knie gehen", sagte PEN-Generalsekretär Herbert Wiesner am Donnerstag. "Falls es bei dem Symposium zu einem Exodus der Offiziellen kommt, ist dies ein schlechtes Vorzeichen für die Buchmesse." Ripken meinte: "Wenn sie kommt, kommt sie." Man kenne aber noch nicht die Reaktion der chinesischen Partner auf die neue Entwicklung.

Skandal löst innenpolitische Debatte aus

Scharfe Kritik kam am Donnerstag vom FDP-Politiker Hans-Joachim Otto: "Dieser Opportunismus gegenüber den Machthabern in der Volksrepublik China ist ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen der Messe", erklärte der Vorsitzende des Bundestagskulturausschusses. Bereits am Vortag hatte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, eine klare Haltung von der Buchmesse angemahnt. "Wir treten jederzeit für die Menschenrechte ein", versicherte Buchmessen-Direktor Boos am Donnerstag. Das richtige Forum dafür sei aber die Buchmesse im Oktober, auf der alle Autoren willkommen seien. "Die Frankfurter Buchmesse ist inhaltlich nicht kontrollierbar."

Probleme mit den Ehrengästen, die es auf der Buchmesse seit mehreren Jahrzehnten gibt, sind nicht neu. Im vergangenen Jahr war der Auftritt des Partnerlands Türkei umstritten. Dass die Zusammenarbeit mit China ein Balanceakt für die Messe sein würde, war den Verantwortlichen klar. Doch das Konfliktpotenzial wurde bei der Planung des Symposiums ganz offensichtlich unterschätzt. Für die Chinesen, die sich auf der Buchmesse vor allem als stolze Wirtschaftsmacht mit einem aufstrebenden Verlagswesen präsentieren wollen, bedeutet der Streit schon im Vorfeld einen erheblichen Imageschaden.

Thomas Maier/DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Robbespierre (11.09.2009, 10:53 Uhr)
Buchprüfung notwendig
Mal sehen, was sich China das hat kosten lassen. Und ob die Veranstalter diese privaten Mehreinnahmen auch korrekt versteuert haben...
Alexander0815 (11.09.2009, 10:11 Uhr)
Nichts gelernt ...
Die Verantwortlichen der Buchmesse wären damals bestimmt auch gut mit der Staatsführung im 3. Reich ausgekommen. Ich vermute die hätten sich gut angepasst um nur keine Probleme zu bekommen.
ganzbaf (11.09.2009, 09:00 Uhr)
Die Deutsche können eben immer gut...
mit autoritären Regiemen.
Kooperation auf allen Kanälen: Unterdrückung, Spionage, Kinderarbeit, Zwangsarbeit alles scheissegal !!
cba38 (11.09.2009, 08:46 Uhr)
chinas büttel
ob peinlich oder nicht. ich stimme da mister-mister völlig zu.

für den götzen "wirtschaftswachstum" wird jegliche wahrheit und recht verbogen, wird gelogen und betrogen.

und dann wird sich noch ganz scheinheilig gewundert über terrorismus, kriminalität und es wird diesem menschenverachtenden chinesischen regime in den hintern gekrochen.

ich frage mich was werden wird, wenn irgendwann einmal alle märkte gesättigt sind. auch wenn das in vielleicht in ferner zukunft liegt. falls sich dieses kranke system vorher nicht selbst zerstört, indem es an seiner gier pleite geht.

egal wo sich geld verdienen lässt, auch wenns in so einem inhumanen land wie china ist. es wird gemacht womit sich ordentlich geld verdienen lässt.

was dann zum teil wieder eingesetzt werden muss für krisenherde, die ohne diese neoliberale weltpolitik nie entstanden wären. deutsche soldaten würden nicht in afganistan stehen, terroranschläge gäbe es nicht.
guzziman (11.09.2009, 08:43 Uhr)
Aha...
Menschenrechts-Aktivisten werden jetzt auch bei uns also schon als "Dissidenten und Sinologen". bezeichnet.
Traurig, Traurig..
Jürgen Boos ist vor den Kommunisten eingeknickt (wie so manch ein deutscher Politiker auch) und sollte sich dafür was schämen!
Die Menschenrechtsverletzungen, welche die Chinesen in der Vergangenheit und der Gegenwart begangen haben dürfen nicht einfach so hingenommen werden.
Wirtschaftliche und soziale Kontakte sowie literarischer Austausch ja, aber nicht auf Kosten der Menschen. Das muss den Chinesen (und nicht nur denen) von allen Ländern dieser Erde klargemacht werden.
mister-mister (11.09.2009, 07:29 Uhr)
@appaz
Habe ich beim ersten mal - danke - aber Ihre Antwort ist m.E. etwas erklärungsbedürftig..................
appaz (11.09.2009, 06:50 Uhr)
@ mister-mister
Die Angelegenheit ist doch weit peinlicher als Sie sie aufgefasst haben!
Bitte lesen Sie den Artikel noch einmal und geben Sie sich bitte dabei Mühe, ihn zu verstehen.
mister-mister (11.09.2009, 06:31 Uhr)
Naive Einstellung
Was hat man denn bitteschön erwartet...?? Dass die Tatsache, China als "Ehrengast" auf der BM zu haben, ein Umdenken bei den Betonköpfen des Regimes bewirkt?? Und dass sich Querdenker (die üblicherweise als einzige in der Lage sind was zu bewegen) sich plötzlich frei äußern dürfen, an Symposien teilnehmen und ihre Meinung der Welt kundtun dürfen...?
.
Da kann ich nur lachen. Wie naiv kann man als Organisatorenteam eigentlich sein?. China zeigt wieder mal sein wahres Gesicht.
.
Aber es ist ja sooooooooooo wichtig für unsere Wirtschaft, für die Billiglohnproduktion, für den geheiligten Autoexport, bla bla....... - da wird man über die Tatsache, dass es sich um ein staatlich organisiertes Killerregime handelt, sicher leicht hinweggehen können.
.
Die Herrschaften von der Buchmesse werden ihren Kotau machen - wie das zu geschehen ht wird die Politik ihnen vorgeben - und dann ist Business as Usual.
.
Wie immer. Weil Geld nicht stinkt.
MEHR ZUM ARTIKEL
Leipziger Buchmesse Sex hat Konjunktur

Möglichst feucht und ordinär - dieser Trend zeichnet sich auf der Leipziger Buchmesse ab. Nach Charlotte Roches Bestseller "Feuchtgebiete" boomt die erotische Literatur wie nie zuvor. Von lockerer Alltagserotik bis zur Liebe im Wasser ist alles dabei. Ein Streifzug durch die Neuerscheinungen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft