Mit gemischten Reaktionen ist die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an V.S. Naipaul aufgenommen worden. Bücher-Nörgele Reich-Ranicki sprach von einer »Enttäuschung«.
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Nörgele Reich-Ranicki
Für den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an V.S. Naipaul »keine Überraschung, aber eine Enttäuschung. Mit ihrem Votum habe die Schwedische Akademie zum 100-jährigen Nobelpreis-Jubiläum eine Chance vertan. Eigentlich wäre ein großer amerikanischer Autor fällig gewesen, etwa John Updike oder Philip Roth. Mit dem Votum für Naipaul habe die Jury den Nobelpreis allerdings nicht entwertet, das sei schon vor einigen Jahren geschehen mit der Zuerkennung an den italienischen Theaterautor Dario Fo.
Auch der ehemalige Kulturstaatsminister Michael Naumann zeigte sich von der Entscheidung überrascht. Naipaul sei zwar einer der »bekanntesten Schriftsteller der Welt«, aber er persönlich hätte einen amerikanischen Autor wie John Updike oder Philip Roth für die bessere Wahl gehalten, sagte Naumann auf der Buchmesse in Frankfurt.
Der Literaturkritiker Hellmuth Karasek hat die Entscheidung für V.S. Naipaul als Literatur-Nobelpreisträger begrüßt. »Ich glaube, im Moment kann man sich fast keinen besseren Kandidaten wünschen«, sagte Karasek am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse. Naipaul sei ein Autor, der die Verbindung zwischen der westlichen Zivilisation und der »Dritten Welt« zu seinem entscheidenden Thema mache.