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9. Juli 2010, 09:42 Uhr

Reinhard Jirgl erhält Literaturtrophäe

In der DDR durfte Reinhard Jirgl nicht publizieren. Erst nach der Wende konnte der gelernte Elektromechaniker seine Romane veröffentlichen. Jetzt wird der 57-Jährige Berliner mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

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Der Berliner Reinhard Jirgl ist Georg-Bücher-Preisträger 2010© Arne Dedert dpa/lhe

Der 57-Jährige Berliner Schriftsteller Reinhard Jirgl erhält den Georg-Büchner-Preis. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Freitag in Darmstadt mit. Der mit 40.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland.

Jirgl habe in einem Romanwerk "von epischer Fülle und sinnlicher Anschaulichkeit ein eindringliches, oft verstörend suggestives Panorama der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert entfaltet", heißt es in der Begründung. "Mit großer erzählerischer Sensibilität und Leidenschaft ­ geschützt durch den Firnis eines avantgardistischen Schreibgestus" erzähle der 1953 in Ost-Berlin geborene Jirgl von den Aufbrüchen und Katastrophen, den Kriegen und Vertreibungen, den Zeiten der Teilung und der schwierigen Vereinigung.

Dabei lasse er die historischen Umbrüche aus unterschiedlichsten Perspektiven alltäglichen Erlebens gegenwärtig werden und mache ­so - zuletzt in den großen Romanen "Die Unvollendeten" im Jahre 2003 und 2009 "Die Stille" - ­die Stimmen der Vergessenen und Verschütteten wieder hörbar.

Vom Ingenieur zum Erfolgsautor

Jirgl wuchs bei den Großeltern in der Altmark im heutigen Sachsen-Anhalt auf. Schriftsteller wurde er erst über Umwege, nachdem er zunächst eine Lehre als Elektromechaniker gemacht und dann Elektronik an der Berliner Humboldt-Universität studiert hatte.

Von 1975 an schrieb Jirgl, der zunächst als Ingenieur arbeitete, kontinuierlich und brachte es in der DDR auf sechs unveröffentlichte Bücher, darunter das Manuskript "Mutter Vater Roman". Dieses war vom Aufbau-Verlag wegen "nichtmarxistischer Geschichtsauffassung" abgelehnt worden. Seinen Unterhalt verdiente er sich zwischen 1978 und 1996 als Beleuchtungs- und Servicetechniker an der Berliner Volksbühne, ehe er sich als freier Schriftsteller niederließ.

In der unmittelbaren Nachwende-Zeit 1990 konnte sein erstes Buch "Mutter Vater Roman" in einem von Gerhard Wolf edierten Literaturprogramm beim Aufbau-Verlag erscheinen. Der Durchbruch gelang Jirgl 1993, als er für sein Manuskript des Romans "Abschied von den Feinden" den Alfred-Döblin-Preis erhielt und Autor des Carl Hanser Verlags wurde. Seither erscheinen seine Bücher in diesem Verlag.

Der Georg-Büchner-Preis wird auf der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung am 23. Oktober in Darmstadt übergeben.

DPA/gro
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
heiro (09.07.2010, 20:03 Uhr)
Auch er stammt aus Komotau/Sudetenland!
Keiner hat die Vertreibung seiner Mutter so intensiv beschrieben wie Reinhard Jirgl. Ein Tabu bei vielen Medien und der Politik. Hertha Müller und Reinhard Jirgl bekommen - zu Recht - Preise. Wen wunderts, daß der Bürger Medien und Politik satt hat.
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