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13. Dezember 2005, 07:25 Uhr

Tookie Williams hingerichtet

Bis zuletzt hatten Menschen vor dem Gefängnis in San Francisco gegen die Hinrichtung von "Tookie" Williams protestiert. Doch auch prominente Fürsprecher konnten den ehemaligen Bandenchef nicht retten.

Stanley Tookie Williams wurde durch eine Giftinjektion hingerichtet© AP Photo/California Department of Corrections

Nach 24 Jahren in einer kalifornischen Todeszelle ist der wegen vierfachen Mordes verurteilte frühere Bandenchef Stanley Tookie Williams (51) hingerichtet worden. Der Afroamerikaner, der bis zuletzt seine Schuld an einer Raubmordserie abgestritten hatte, starb eine gute halbe Stunde nach Mitternacht am Dienstag (Ortszeit) im San-Quentin-Gefängnis bei San Francisco durch eine Giftspritze. Trotz prominenter Fürsprecher aus aller Welt, darunter Erzbischof Desmond Tutu, Rapper Snoop Dogg und Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger, waren Williams Anwälte mit ihren Bemühungen gescheitert, vor Gericht einen Aufschub der Hinrichtung zu erreichen.

Noch am Montag hatten der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger und mehrere Gerichte Gnadengesuche und Anträge auf einen Exekutionsaufschub abgelehnt. Als Grund für sein Nein gegen eine Umwandlung des Todesurteils in lebenslängliche Haft führte Schwarzenegger unter anderem an, es bestehe kein Zweifel an Williams Schuld an vier Morden im Jahr 1979. Er stellte zudem in Frage, dass dieser sich im Gefängnis gebessert habe. Williams Anwälte hatten die Gnadengesuche mit dem Wandel ihres Mandanten begründet. Dieser hatte als Kinderbuchautor aus seiner Zelle Gewalt anprangert und war zehn Mal für den Friedens- und den Literaturnobelpreis nominiert worden.

Entschuldigung für gewalttätige Vergangenheit

Williams hatte 1971 in Los Angeles eine berüchtigte Jugendbande unter dem Namen "Crips" (Krüppel) gegründet. Im Zuge blutiger Straßenkämpfe mit der rivalisierenden Bande "Bloods" waren hunderte Menschen gestorben. Williams entschuldigte sich später für seine gewalttätige Vergangenheit, stritt aber die Mordtaten ab. Komplizen hätten ihn in dem Indizienprozess fälschlicherweise als Mörder beschuldigt. Der Koordinator der Bundesregierung für deutsch-amerikanische Beziehungen, Karsten Voigt, bezeichnete die Hinrichtung im Gespräch mit dem Sender n-tv als besonders fragwürdig, da Williams Reue gezeigt und dazu aufgerufen habe, die Gewalt zu bekämpfen.

Die Hinrichtung fand nach Angaben der "Los Angeles Times" vor den Augen von 39 Zeugen statt, darunter Lora Owens, Stiefmutter eines der Mordopfer bei einem Überfall auf einen Supermarkt. "Ich bin froh, dass Albert nun endlich Gerechtigkeit widerfährt", sagte die Verfechterin der Hinrichtung. Eine Bekannte von Williams rief nach dem Bericht eines Reporters am Ende der Exekution dagegen: "Der Staat Kalifornien hat gerade einen unschuldigen Mann ermordet." Williams habe während der langen Prozedur die Zeugen angestarrt und seinen Kopf mehrmals hochgehoben, berichteten Reporter.

Zwölfte Hinrichtung in Kalifornien

Der 51-Jährige war der zwölfte Verurteilte, der seit Wiedereinführung der Todesstrafe Ende der 70er Jahre in Kalifornien hingerichtet wurde. Er hatte die letzten Stunden mit Familienmitgliedern, Freunden und Anwälten verbracht. Williams verweigerte eine letzte Mahlzeit und nahm nach Gefängnisangaben nur Milch und Wasser zu sich. Er habe "Frieden mit sich geschlossen", sagte der Bürgerrechtler Jesse Jackson nach einem letzten Zusammentreffen am Montag.

Proteste vor dem Gefängnis verliefen nach Angaben des Senders KCBS friedlich. Jackson hatte im Namen von Williams zur Ruhe auf den Straßen nach der Hinrichtung aufgerufen. Gewalttätige Ausschreitungen würden seinem Bemühen um Friedfertigkeit widersprechen. Beobachter in Los Angeles hatten Sorge über möglichen Unruhen vor allem in South Central Los Angeles geäußert, wo Williams als junger Erwachsener seine Bande anführte. Die "Crips"- und die "Blood"-Gang gelten heute noch als die gewalttätigsten und mächtigsten Banden in Los Angeles.

DPA
 
 
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