Urheberrecht im digitalen Zeitalter:
Beraubt Google deutsche Autoren?
Seit einiger Zeit machen deutsche Autoren im sogenannten "Heidelberger Appell" Front gegen den Versuch von Google, Bücher zu digitalisieren und ins Netz zu stellen. Sie sehen das Urheberrecht gefährdet. Worum geht es bei der Auseinandersetzung genau? Von Carsten Heidböhmer
"Das verfassungsmäßig verbürgte Grundrecht von Urhebern auf freie und selbstbestimmte Publikation ist derzeit massiven Angriffen ausgesetzt und nachhaltig bedroht": Mit diesen starken Worten beginnt der Heidelberger Germanistikprofessor Roland Reuß seinen erbosten Aufruf gegen das von Google angestoßene Projekt, sämtliche Bücher dieser Welt zu digitalisieren. Diesen sogenannten "Heidelberger Appell" haben bereits mehr als 1800 Autoren und Wissenschaftler unterschrieben. Sie fürchten um ihr Recht, selbst zu bestimmen, ob und wo ihre Werke veröffentlicht werden. "Jeder Zwang, jede Nötigung zur Publikation in einer bestimmten Form ist ebenso inakzeptabel wie die politische Toleranz gegenüber Raubkopien, wie sie Google derzeit massenhaft herstellt", heißt es in dem Aufruf. Gleichzeitig fordern die Autoren und Wissenschaftler die Politiker auf, gegen die Aktivitäten des Internetkonzerns einzuschreiten.
Zwar hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bislang noch nicht geäußert, aber immerhin hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann seine Unterstützung signalisiert und das Thema auf dem europäischen Kulturministerrat ansprochen. "Das Verhalten von Google widerspricht unserem europäischen Urheberrechtsverständnis", so Neumann. Auch Justizministerin Brigitte Zypries hat Googles Digitalisierungsprojekt schaft kritisiert: "Um es ganz deutlich zu sagen: So geht es nicht!", sagte Zypries in der vergangenen Woche bei der Eröffnung einer internationalen Konferenz zur Zukunft des Urheberrechts in Berlin.
Doch worum geht es bei dieser Auseinandersetzung genau? Welche Rechte sind betroffen? stern.de beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zu dem Thema in einer FAQ.
Nicht weniger als die digitale Bibliothek der Welt soll mit Google Books errichtet werden. Seit 2004 arbeitet der Internetkonzern an dem gigantischen Projekt: Sämtliche Bücher sollen digitalisiert und ins Internet gestellt werden. Das betrifft urheberrechtlich geschützte Bücher ebenso wie Werke, deren Recht abgelaufen ist. Auch vergriffene Bücher sollen auf diese Weise wieder zugänglich gemacht werden.
Ja. In Deutschland betrifft das alle Werke von Autoren, die seit mehr als 70 Jahren tot sind. Auf diesen Büchern liegen keine Rechte mehr. Einige sind bereits im Internet unter www.google.de/books frei zugänglich.
Seit fünf Jahren digitalisiert Google Bücher, darunter auch urheberrechtlich geschützte. Dagegen haben amerikanische Autoren und Verleger im Jahr 2005 eine Sammelklage wegen Urheberrechtsverletzung angestrengt. Diese Klage wurde im vergangenen Oktober mit einem Vergleich beigelegt, dem "Google Books Settlement". 60 Dollar soll ein Autor für ein Buch erhalten, daneben sollen Autoren und Verlage mit 63 Prozent an den weiteren Einnahmen beteiligt werden. Ob dieser Vergleich angemessen ist, muss allerdings noch von einem US-Gericht bestätigt werden. Der Vergleich gilt für sämtliche Bücher, die bis zum 5. Januar 2009 erschienen und bis zum 5. Mai digitalisiert worden sind.
Ja. Zwar haben die Sammelklage, genannt "class action" nur amerikanische Autoren und Verleger eingereicht, allerdings gilt eine amerikanische "class action" auf amerikanischem Boden für alle Mitglieder einer "class", also auch für Autoren und Verleger anderer Länder.
Ja. Die Frist für einen vollständigen Austritt aus dem Vergleich ("Opt out") läuft bis zum 4. September 2009. Tritt ein Autor aus, verliert er sämtliche Vergütungsansprüche. Sollte Google dennoch ein Buch dieses Autors digitalisieren, müsste er seine Ansprüche zivilrechtlich einklagen - und das kann sehr kostspielig werden. Aus diesen Grunde hat sich die deutsche Verwertungsgesellschaft VG Wort, die Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten einnimmt und an die Autoren weitergibt, entschlossen, mit dem Vergleich pragmatisch umzugehen und für ihre Mitglieder das beste herauszuholen, wie VG-Wort-Vorstand im stern.de-Gespräch betonte. Deutsche Autoren können also dem Vergleich beitreten, die 60 Dollar einstreichen, und trotzdem ihre Einwilligung verweigern, das Buch komplett ins Netz zu stellen.
Bislang hat Google rund sieben Millionen Bücher digitalisiert, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Damit hat der Konzern die Autoren vor vollendete Tatsachen gestellt. Zwar kann jeder Verlag oder Urheberrechtsinhaber seine Titel jederzeit aus der Google Buchsuche entfernen - sie bleiben aber digitalisiert und liegen weiterhin auf den Servern von Google.
Nein. In voller Länge sind nur solche Bücher komplett lesbar, deren Rechte ausgelaufen sind. Wenn ein Buch urheberrechtlich geschützt ist, werden ohne ausdrückliche Genehmigung des Rechtsinhabers nur Auszüge angezeigt, in denen der Suchbegriff enthalten ist.
Der "Heidelberger Appell" ist ein Aufruf an die Bundesregierung, das Urheberrecht gegen Google mit allen Mitteln durchzusetzen. Initiiert hat den Aufruf der Heidelberger Germanistikprofessor Roland Reuß. Es haben bereits mehr als 1800 Autoren und Wissenschaftler unterzeichnet, darunter prominente Literaten wie Siegfried Lenz, Hans Magnus Enzensberger, Daniel Kehlmann, Julia Franck und Matthias Politycki. Erst dieser Brief hat für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gesorgt. Seitdem setzen sich auch hochrangige Politiker für den Erhalt des Urheberrecht auch in der digitalen Welt ein.
Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel halten sich bislang bedeckt. Dafür unterstützen Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) den Aufruf. Neumann hat das Thema beim Treffen der europäischen Kulturminister am 12. Mai in Brüssel angesprochen. Letztendlich geht es darum, für das Internet-Zeitalter neue internationale Regelungen zu schaffen, die das europäische Urheberrecht respektieren.
"Ich möchte meine europäischen Kollegen für eine bedenkliche Entwicklung sensibilisieren und ein gemeinsames europäisches Vorgehen vorschlagen. Das Verhalten von Google widerspricht unserem europäischen Urheberrechtsverständnis, das aus guten Gründen die Einwilligung des Urhebers vor einer digitalen Nutzung voraussetzt.", wird Neumann in einer Pressemitteilung zitiert. Offenbar unterstützen die Kultur- und Medienminister der EU-Mitgliedstaaten die Position von Staatsminister Neumann. Laut EU-Kommissarin Reding hat sich die EU-Kommission der Thematik bereits angenommen und ist mit Google im Gespräch.
Am 4. September 2009 läuft die Frist für einen vollständigen Austritt aus dem Vergleich aus. Bis dahin sollten aber auch Einwände gegen das "Google Book Settlement" schriftlich eingereicht sein. Am 7. Oktober dieses Jahres findet die Gerichtsanhörung zu dem Vergleich statt, anschließend wird ein New Yorker Gericht darüber entscheiden, ob der Vergleich in Kraft tritt.
Ich bin selber Autorin und Wissenschaftlerin und finde die Idee von Google auf eine Art und Weise nicht schlecht. Abgesehen davon, dass auch das Projekt Gutenberg (deutsch wie englisch) vollständige Bücher ins Netz stellt und da regt sich keiner auf. Google macht nichts anderes, nur dass es auch Bücher aufnimmt, auf denen noch Rechte liegen. Und will jemand diese vollständig lesen, dann muss er dieses Buch kaufen, wie ein E-Book also. Fast jeder Verlag hat heutzutage schon E-Books, Google macht nichts anderes. Das Problem bei Google ist, dass Google nicht wirklich Verlage und Autoren angeschrieben hat, sondern nur in bestimmten Ländern - in Deutschland z.B. nicht - ganzseitige Anzeigen geschaltet hat und die Autoren und Verlage bis Januar 2009 Zeit hatten zu sagen, dass sie dies NICHT wollen. Besonders für vergriffene Bücher finde ich soetwas aber sehr schön. Wie oft suche ich ein vergriffenes Buch bei bestimmten Online-Geschäften und darf dort Summen bezahlen, die nicht gerechtfertigt sind. Vergriffene Bücher online anzubieten wäre auch für die Verlage sinnvoll, denn dann könnten sie sehen, ob sich eine Neuauflage lohnen würde. Die Idee ist wie gesagt nicht schlecht, Google hat es nur falsch aufgezogen und viele Fehler gemacht.
Ebend. Nun stell dir mal vor, jemand hätte einen Patentschutz angemeldet auf das Rad, oder auf das Feuer, oder auf die Luft, oder auf die Zeit (Uhr), und und und. Gute Erfindungen lassen sich auch ohne Patentschutz gut vermarkten, bis halt jemand die Erfindung verbessert oder verbilligt. Patentschutz ist reinste Abzockerei.
Haggi, du weißt nicht wirklich, wovon du schreibst. Im Mittelalter gab es keinen Urheberschutz und keinen Patentschutz. - Ansonsten: Deiner Meinung nach müsste wohl konsequenterweise das Copyright abgeschafft werden. Da möchte ich mal erleben, ob du eine Fastfoodfiliale aufmachen kannst und sie McDonalds nennst. Für den Rest deines Lebens kannst du dann deinen Anwalt bezahlen. Da möchte ich mal erleben, dass du eine geniale Erfindung machst (was ich mal aus verschiedenen Gründen nicht vermute) und dein Nachbar klaut sie dir und macht damit Millionen. Und du kannst mix dagegen machen, weil du sie nicht als Patent angemeldet hast. Klasse, gell? Aber du bist ja gegen Mittelalter. Äh, eigentlich dafür. Denn da gab es ja auch keinen Patentschutz
Tolle Einstellung! Holste Dir auch die Flasche Bier im Supermarkt schon kostenlos oder zahlste da wenigstens noch für? - Wenn alle so denken, dann könnt ihr euch sicher in drei Jahren auch euer H4 direkt aus dem Netz saugen...oder geht das etwa nicht??? - Vom Amt wird es dann aber nix mehr geben, denn Menschen ohne Einnahmen werden nicht mehr in der Lage dazu sein, Steuern zu bezahlen, oder wie stellen sich Menschen wie Du die Welt sonst noch so vor? - Alles Gratis dank Internet - nur noch ein Klick bis zum frisch gegrillten Hühnchen...und der Zwiete für die Pommes.... - Na dann; beiss mal in die Mouse und lass sie Dir so richtig munden - nur mach vorher noch schnell die Augen zu und schieb die Fantasie auf 100Punkte....dann klappt das ganz bestimmt!
Man kann schon lange fast JEDES Buch komplett im internet kriegen. und überhaupt ist das hier wieder so eine diskussion, die komplett an den herrschenden tatsachen vorbeigeht. mittlerweile holt sich sogar mein opa seine mucke ausm netz, ob das illegal ist oder nicht, schert den (genauso wie alle anderen leute die ich kenne) einen feuchten kehricht. und sobald er den kram gelesen/gesehen/gehört hat, löscht er den wieder. sammeln braucht heute auch kein mensch mehr, schliesslich geht im internet nix verloren und man spart regalplatz... wenn ich was im tv sehen will, geh ich gleich zu youtube, da spar ich mir die werbung. so sieht das aus. und ob google nun die bücher digitalisiert oder in china fällt ein sack reis um.
Die Verantwortlichkeit der Inhalte von Google liegt ausschließlich in den USA. Da in den USA Rechtsradikalismus, Nazis und auch das Buch nicht verboten sind, macht sich Google hier nicht starfbar. - Ein wenig verwunderlich ist es jedoch schon. Ein in D verbotenes Werk ist frei zugänglich, aber Anzeigenkampagnen für Erotikseiten darf in D nur für zensierte Seiten geschalten werden - man muss sogar die Brüste mit einem Balken überdeckt haben, sonst wird die Kapmpagne ganz schnell gestoppt. - Da geht Google so lächerlich weit, dass sie sogar die Abbildung eines weiblichen Models im Lycra-BH-Set untersagen, weil man durch den Stoff Brustwarzen und den Ansatz einer Schambehaarung sehen konnte...aber bei allen anderen Googleseiten innerhalb der EU und auch in USA darf man auch unzensierte Hardcoresites beweren... - Viel Spass beim Grübeln über schizophrene US-Philosophie
Der Streit um die geplante Online-Bibliothek von Google geht in die nächste Runde. US-Autoren und Verlage beantragten nach den Einwänden der Regierung einen Aufschub der gerichtlichen Anhörung zu ihrem Vergleich mit Google. Für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels ein Grund zur Freude. mehr...
Seit Wochen setzt sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Streit um Google Books vehement für die Rechte deutscher Autoren ein. Im stern.de-Interview erklärt er die transatlantischen Kulturunterschiede - und weshalb es sich lohnt, für das Urheberrecht zu kämpfen. mehr...