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16. August 2006, 08:30 Uhr

Amerikaner wussten Bescheid

Günter Grass hat das jahrzehntelange Verschweigen seiner Mitgliedschaft bei der Waffen-SS mit seiner Scham begründet. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Grass seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS schon früher einmal eingeräumt hat.

Kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus: Schriftsteller Günter Grass© Bernd Kammerer/AP

Seit Tagen steht Günter Grass in der Kritik: Sein spätes Bekenntnis, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, wird kontrovers diskutiert. "Ich werde mir sicher noch lange diese Vorwürfe anhören können", sagte der Literatur-Nobelpreisträger am Dienstagabend in der ARD. Der 78-Jährige verwies ansonsten auf seine Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel": "In diesem Buch, da ist es Thema, ich habe drei Jahre daran gearbeitet, und da steht alles, was ich zu der Sache zu sagen habe. Wer richten will, mag richten." Die geforderte Aberkennung des Nobelpreises hatte die schwedische Nobelstiftung am Dienstag jedoch ausgeschlossen.

Die Kritiker werfen Grass unter anderem vor, er hätte seine Waffen-SS-Mitgliedschaft schon viel früher öffentlich machen müssen, er sei des Nobelpreises nicht mehr würdig oder habe mit seinem Schweigen selbst seine moralische Integrität untergraben. Dazu sagte Grass: "Was ich jetzt zur Zeit erlebe, dass hat - von einigen Leuten jedenfalls - mit sehr viel Selbstsicherheit zu tun und führt zu einem Aburteilen, ja, als sollte ich zu einer Unperson gemacht werden und all das im Nachhinein in Frage stellen, was mein späteres Leben ausgemacht hat. Und dieses spätere Leben war unter anderem von dieser Scham gezeichnet."

Lebenswerk "nicht berührt"

Der SPD-Politiker Egon Bahr verteidigte Grass gegen die Vorwürfe. Grass' Lebenswerk werde durch die Waffen-SS-Mitgliedschaft und sein langes Schweigen "nicht berührt", schrieb Bahr in der "Frankfurter Rundschau". Grass hat in der Vergangenheit in Wahlkämpfen häufig die SPD unterstützt.

Unterdessen wurde bekannt, dass Grass seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS offenbar schon früher einmal, als amerikanischer Kriegsgefangener, eingeräumt hat. So sollen mehrere bislang unbekannte Dokumente der US-Militärbehörden belegen, dass der spätere Nobelpreisträger sich unmittelbar nach Kriegsende bei den Amerikanern zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS bekannte. Ein entsprechendes Formular trage Grass' Unterschrift, "es gibt aber kein protokolliertes Geständnis", sagte "Spiegel"-Autor Klaus Wiegrefe.

Nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeigers" gibt es auch im "NS-Archiv" des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR Quellen, in denen die Mitgliedschaft des Autors in der Waffen-SS dokumentiert sein soll.

DPA

 
 
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