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Interview

GZSZ-Star Eric Stehfest über seine Jahre mit Crystal Meth

Jahrelang war Eric Stehfest von Crystal Meth abhängig, ordnete sein Leben der Droge unter. Heute ist der GZSZ-Darsteller clean, verheiratet und hat ein Kind. In seiner Biografie "9 Tage wach" verarbeitet er seine dunkle Vergangenheit.

Eric Stehfest

Eric Stehfest heute und rechts während seiner Zeit als Junkie.

Wer Eric Stehfest bei "Let's Dance" im vergangenen Jahr leidenschaftlich tanzen sah, oder ihn als coolen DJ Chris in der Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" erlebt, der ahnt nicht, was er hinter sich hat. Doch es ist keine Selbstverständlichkeit, dass der Schauspieler heute gesund vor der Kamera steht. Über zehn Jahre lang war der 27-Jährige süchtig nach Crystal Meth, feierte fast täglich bis zum Exzess. Bis er sich nach einer besonders harten Phase erfolgreich in den Entzug begab.

Auch seine Frau Edith Stehfest, 21, war lange abhängig von der Droge, schaffte aber mit seiner Hilfe den Absprung. Mittlerweile sind die beiden sogar Eltern eines gesunden Sohns: Aaron kam vor knapp einem Jahr zur Welt. Ihr Leben ist stabil. Stehfest hat mit Freunden eine Filmproduktionsfirma gegründet, will dort verstärkt biografische Stoffe umsetzen. Und er hat gemeinsam mit dem Autor Michael J. Stephan seine Drogen-Vergangenheit in einer  verarbeitet. "9 Tage wach" heißt das Buch. Mit dem stern sprach Stehfest über die Zeit im Drogenrausch und das Leben danach.

Herr Stehfest, Sie waren jahrelang abhängig von , schildern die Zeit sehr drastisch in Ihrer Biografie. Wie fallen die Reaktionen auf Ihre öffentliche Drogen-Beichte aus?

Ich habe vor zirka anderthalb Jahren zum ersten Mal über meine Drogensucht gesprochen und nur positive Rückmeldungen darauf bekommen. In den sozialen Medien bekam ich hunderte Nachrichten von Menschen, die mir schrieben, dass sie dank mir Dinge zum ersten Mal aussprechen können oder die sogar deshalb in den Entzug gegangen sind. Teilweise schreiben die mir jetzt noch, weil sie jemanden brauchen, der ihnen sagt und zeigt, dass man es schaffen kann. Dass auch ein Leben ohne sehr viel Schönes beinhaltet. 

Das war auch für Sie lange nicht selbstverständlich?

Eric Stehfest

Tagelang durchtanzen: Früher war das der Alltag von Eric Stehfest

Aus meiner Erfahrung ist das Leben nüchtern betrachtet sehr viel schwerer und anstrengender. Mit Drogen war alles einfacher, egal, ob die Wohnung scheiße aussah oder die Freunde eigentlich nicht gut für mich waren – ich fühlte mich trotzdem super. Plötzlich hat meine Existenz Sinn gemacht, alles hat einfach gepasst.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Kontakt mit Crystal Meth?

Das erste Mal habe ich mit 13 Jahren Crystal Meth genommen. Ich wollte erwachsen sein, einen Zeitsprung zu 18 machen und dann bei allem mitmachen können, mich auskennen. Und vor allem in die Clubs rein, wo die Frauen waren. 

Hatten Sie gar keine Angst davor?

Es war ganz einfach, an die Drogen ranzukommen. Vor dem Club standen Jugendliche, die die Lines genommen haben, die habe ich angesprochen. Ich hab gar nicht groß darüber nachgedacht. Es gab keine Aufklärung, das einzige, was ich kannte, waren Bilder von Spritzen und Menschen mit einem Gürtel um den Arm. Und so lange es das nicht war, konnte es ja nicht so schlimm sein.


Und wie war es dann?

Das brennt erst unheimlich, die Augen tränen, alles zieht sich unter großem Schmerz zusammen. Erst habe ich es unregelmäßig alle paar Monate mal genommen, später täglich. Jedes Wochenende gleicht dann dem anderen, ständig wiederholt sich alles – aber es fühlt sich immer wieder neu an. 

Was sind die Folgen Ihrer Sucht?

Ich sah damals schlimm aus. Schlechte Haut, leere tiefliegende Augen. Heute hab ich dritte Zähne im Mund aber körperlich sonst keine negativen Folgen davongetragen. Aber ich muss daran arbeiten, dass ich nicht die Kontrolle verliere, vor allem, was Leistungsdruck angeht. Vor drei Jahren bin ich völlig überarbeitet drei Stunden mit einem Tinitus im Ohr am Bahnhof Zoo zusammengebrochen. Ich arbeite auch jetzt wieder an fünf Projekten gleichzeitig, will für meine Familie trotzdem voll da sein. Da den Einklang finden, ist wichtig.

Eric Stehfest

"Mit Drogen war alles einfacher, egal, ob die Wohnung scheiße aussah oder die Freunde eigentlich nicht gut für mich waren – ich fühlte mich trotzdem super."

 

Nach über zehn Jahren Sucht haben Sie 2012 erfolgreich einen Entzug hinter sich gebracht, mittlerweile sind Sie ein verheirateter Familienvater. Haben Sie Angst vor einem Rückfall?

Einen Drogenrückfall hatte ich zuletzt vor vier Jahren. Aber ich habe keine Angst, dass mir das wieder passiert, es hat sich viel verändert. Die Pflege der Psyche ist sehr wichtig, ich war sieben Jahre lang in Therapie. Ich habe mehr Wertschätzung meinem Körper gegenüber. Und ich weiß jetzt, wie man Dinge nicht macht.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

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