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19. Juli 2007, 14:05 Uhr

Die Flucht vor dem Ende

Ein echter Harry-Fan hat's schwer in diesen Tagen: Das Warten auf den letzten Band zerrt an den Nerven. Seit jedoch angeblich die komplette Potter'sche Apokalypse im Internet steht, befindet sich stern.de-Mitarbeiterin Angelika Dehmel regelrecht auf der Flucht. Ein Leidensbericht.

Wenn Sie wissen, wie "Harry Potter and the Deathly Hallows" ausgeht, dann behalten Sie es doch am besten einfach für sich© Roland Schlager/EPA

Mein Kollege hält mir dämlich grinsend die "Bild-Zeitung" vor die Nase und blökt wie ein Erstklässler: "Ich weiß, wie Harry Potter endet, ich weiß, wie Harry Potter endet!" Bei mir entsteht das dringende Bedürfnis, ihm trotz der frühen Stunde die Hände um die Kehle zu legen und zuzudrücken. "Naaaaa?! Soll ich es dir sagen?", feixt er und wedelt mit dem aufgeschlagenen Blatt vor meiner Nase rum. Ich haue ihm gerade die Zeitung aus der Hand, da erscheint schon der nächste und brüllt an der Bürotür: "Hey, Harry Potter geht nicht drauf, sondern..." Ich halte mir die Ohren zu, schreie laut: "Nein, nein, nein, ich höre nichts", und renne erst einmal auf die Toilette. Wie soll ich nur diese zwei Tage überstehen, ohne dass mir jemand, sei es aus purer Bosheit oder aus Unverständnis ("Du liest das Buch doch in jedem Fall, was regst du dich auf?") das Ende verrät?

Seit Tagen, nein, seit Jahren (wer es ganz genau wissen will: Seit ich den sechsten Band an einem Wochenende durchgelesen habe und in meinem Kopf die wildesten Verschwörungstheorien gegeneinander kämpfen) warte ich nun inbrünstig auf den letzten Teil aus Harrys Welt. Und nun hat so ein gemeiner mieser Obermuggel das Buch vermutlich ins Netz gestellt, und die Medienmaschine stürzt sich auf die Geschichte wie Hauselfen auf einen Schmutzfleck.

Kontaktaufnahme nur mit Gedankenlesen, bitte!

Wenn man das Pech hat, ein Teil dieser Maschine zu sein und im Redaktionsbüro eines tagesaktuellen Mediums zu sitzen, hat man ein ernstes Problem: Wie bleibe ich unwissend, wenn der Fernseher läuft, das Radio dudelt, Stapel von Zeitungen ausliegen und sich im Großraumbüro äußerst nette Kollegen die Neuigkeiten der Stunde zurufen? (Unter uns, ich habe den Verdacht, dass die alle unter dem Imperius-Fluch einer "Wir verderben Leuten den Lesespaß"-Terrorgruppe stehen, die von Konkurrenzverlagen des Harry-Potter-Herausgebers bezahlt wird.)

Gut, vor vermuggelten Mitarbeitern kann ich mich mit Ohrstöpseln oder Musik schützen. Wer etwas von mir will, kann mir ja mailen, oder er versucht sich in Legilimentik (für die Ignoranten unter uns: Gedankenlesen). Da wir gerade bei Mails und Internet sind: Auch hier lauern die Verräter, die einem alles verderben. Leider kann ich nicht blind durchs Netz fischen, und es gibt noch kein Tool, das meinen Server instruiert, alle Seiten mit dem Stichwort "Harry Potter" herauszufiltern. Obwohl ich unser Computerressort fragen könnte - vielleicht können mir die Nerds ja eins bauen?

Lesen und Klappe halten

Also keine Recherche heute. Wie wäre es mit stiller Ablagearbeit? Oder noch besser, ich melde mich krank wegen akuten Befalls von Schlickschlupf. Sie wissen nicht, was das ist? Dann brauche ich Ihnen das auch nicht zu erklären, denn dann gehören Sie sowieso zur Anti-Potter-Liga. Glauben Sie mir einfach, wenn ich sage, dass es sehr schmerzhaft und langwierig ist. Wenn ich wegen dieses Leidens nach Hause gehe (mit zusammengekniffenen Augen, Ohrstöpseln und Gehstock, versteht sich), muss ich nur noch heil durch die U-Bahn kommen. Dort starre ich verkrampft aus dem Fenster, um die Info-Screens nicht lesen zu müssen.

Ich bin versucht, mir ein Schild zu malen, auf dem steht: "Vorsicht, Potter-Fan: Wer verrät, wer sterben muss, ist tot." Dann muss ich nur noch bis Samstag durchhalten. Der einzige, dem ich die Tür öffnen werde, ist der Postbote. Er wird mir zwischen 7 und 18 Uhr mein bestelltes Buch an die Haustür bringen. Ich werde es mit zitternden Händen öffnen und den Duft frischer Druckerschwärze einatmen. Die Ohrstöpsel bleiben aber so lange drin, bis ich die letzte Seite umgeblättert habe und alle meine Fragen beantwortet sind. Meine Nachbarn hören so laut Fernsehen.

Also, im Namen der Millionen Fans, die das glückliche oder schreckliche Ende (aber eben definitiv das Ende!) selbst lesen wollen, starte ich hiermit einen Schweigeappell. Jeder möge sich informieren, wie es ihm beliebt. Aber er soll doch bitte die Klappe halten. Sonst zücke ich den Zauberstab, sage laut "Langlock", und dann werden Sie sehen, was Sie davon haben!

Spekulieren Sie mit! Wie wird die Geschichte enden? Schicken Sie Ihre Ideen an aktion@stern.de

 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Cyriel (20.07.2007, 16:49 Uhr)
Und ...
... ich freu mich von Mal zu Mal mehr!
havranek (20.07.2007, 16:43 Uhr)
Aber...
...wenigstens immer noch hochtrabender als deine Ergüsse hier! Um was gehts eigentlich, nur noch jede Minute am schauen ob ich zurück schreibe??? Ego-Probleme??
Scheint so als wärst du der Verfasser des Berichtes, dann macht ja alles plötzlich wieder Sinn... =)
Cyriel (20.07.2007, 16:32 Uhr)
:-)
War ja klar, dass da noch mal was ganz Hochtrabendes kommen musste. Ich bin restlos begeistert!
havranek (20.07.2007, 16:20 Uhr)
ui,ui,ui
Da scheint sich ja wohl jemand mächtig auf den Schlips getreten zu fühlen!
Tja, ist halt (m)eine Meinung so wie deine oder deren des Verfassers des Berichtes.
Aber dass ich nun die ganze Stern Redaktion, die deutsche Rechtschreibung sowie die Handwerke der Journalisten mit Schimpf und Schande belegt haben soll, amüsiert mich dann doch ein wenig! Diese waren, zumindest noch bevor sie Harry Potter Bücher gelesen haben, keine solchen Heulsusen, kritisieren ja selbst genug herum.
Aber Achtung, möglicherweise zücken jetzt alle Harry Potter Fans ihren Zauberstab und sagen laut "langlock", dann werde ich ja sehen was ich davon habe... *lol*
Cyriel (20.07.2007, 14:17 Uhr)
Super!
Kindisch und dämlich - Sie haben es auf den Punkt gebracht. Ich bin wirklich begeistert von so viel Objektivität und Sachverstand. Da Sie nicht nur das Redaktionsbüro und seine Altersstruktur, sondern auch die deutsche Rechtschreibung und das Handwerk des Journalisten aus dem Effeff zu beherrschen scheinen, ist Ihnen mit Sicherheit nicht entgangen, dass es sich bei einem "Leidensbericht" um die journalistische Form des "Erlebnisberichts" handelt - eine Artikelform, bei der freie Meinungsäußerung und Wortwahl nicht nur erlaubt, sondern sogar gewünscht ist. Aber da Sie es vorziehen, in Ihrem grenzenlosen Sachverstand gleich eine ganze Redaktion mit Schipf und Schande zu belegen, kann ich nur wiederholen, was Sie so wunderbar formuliert haben - kindisch und albern.
havranek (20.07.2007, 12:25 Uhr)
Ja genau
Na klar, auf den Punkt gebracht was halb Deutschland denkt. Äh, cyriel, leidest du unter Realitätsverlust?
Ist dann aber schon seltsam dass die meisten Kommentatoren sich auch nicht sehr positiv äussern hier.
Kindisch und dämlich, und meiner Meinung nach hat dieser (Eigen-) Bericht wenig mit gutem Journalismus zu tun.
Wäre schade wenn dieser "frische Wind" bedeuten würde dass nur noch 18 jährige bei Stern arbeiten...
Cyriel (20.07.2007, 10:12 Uhr)
Unqualifizierte Kommentare
Exzellenter Artikel, gut geschrieben und auf den Punkt das, was halb Deutschland denkt - so denke ich jedenfalls. Unqualifizierte, unsachliche und vor allen Dingen beleidigende Kommentare wie von Herrn havranek finde ich da ausgesprochen unangebracht - im Gegenteil ist eher ein erfrischender Wind in der Stern-Redaktion zu spüren, der beibehalten werden sollte.
Chrido (20.07.2007, 01:38 Uhr)
Recherche und trotzdem freuen
Als Journalistin weiß ich die Macht der Recherche zu schätzen. Als leidenschaftliche Leserin plädiere ich für die Unschuld. Als hungrige Theoretikerin bin ich traurig...
An den Autor /die Autorin der Geschichte: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie dem letzten HP-Band so jungfräulich gegenübertreten. Wer soll das glauben?
Ich freu mich drauf, morgen eine der ersten zu sein, die den letzten Band gelesen hat. Mit Liebe, mit Kenntnis, mit Logik.
thebender (19.07.2007, 20:04 Uhr)
N-TV...
... hat heut nachmittag darüber berichtet und ohne umschauen das Schicksal von Harry gespoilt. Ich mein ich lese die Bücher ja nicht, aber ein bisschen Hirn sollte die Redaktio dann schon haben.
Dewerth (19.07.2007, 18:45 Uhr)
Jetzt kann...
...ich’s ja sagen. Harry Potter begeht Selbstmord. Er wurde von Waldemar Hartmann gezwungen, seine eigenen Bücher zu lesen.
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