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Darum enttäuscht das neue "Harry Potter"-Buch

Ausnahmezustand in vielen Buchläden: Um Mitternacht erscheint das neue "Harry Potter"-Buch auch in Deutschland. Auf was sich die Fans freuen können - und auf was nicht.

Harry Potter

Weltweit sorgte die Veröffentlichung der "Harry Potter"-Fortsetzung für Aufregung. Hier blättert ein Fan in Hong Kong durch das Theaterskript.

Stundenlang standen die Fans vor Buchläden an, hatten sich verkleidet und konnten das Lesen kaum abwarten: Wer sich an die 2000er zurück erinnert, der weiß, wie groß der Hype um die "Harry Potter"-Bücher war. Ein kleines bisschen fühlt es sich am 24. September nun wieder so an. Dann erscheint in Deutschland der achte Zauberer-Band, "Harry Potter und das verwunschene Kind" heißt er. Zahlreiche Buchhandlungen öffnen deshalb extra um Mitternacht die Pforten, das englischsprachige Original schoss schon im Juli an die Spitze der Bestsellerlisten.

Und das, obwohl die Geschichte mit dem siebten Buch schon vor neun Jahren zu Ende ging. Eigentlich hatte kaum einer mehr damit gerechnet, dass J.K. Rowling die Geschichte der Zauber-Schüler Harry, Ron und Hermine weitererzählt. Die kommt nun in Form eines Theaterskripts, das derzeit in London aufgeführt wird. Eine mutige, ungewöhnliche Idee von Rowling, die das Potter-Abenteuer dieses Mal nicht alleine verfasste, sondern gemeinsam mit dem Dramatiker Jack Throne und dem Theater-Regisseur John Tiffany schrieb. Ob es daran liegt, dass das Buch nicht an die fantastischen Vorgänger rankommt? 

Dieser "Harry Potter"-Band enttäuscht

Denn ja, leider enttäuscht "Harry Potter und das verwunschene Kind" ein wenig. Nicht, weil es als Drama verfasst ist - das liest sich leicht. Die Erzählung setzt Jahre später ein, als Harry Potter bereits 37 Jahre alt ist und mit seiner Frau Ginny zwei Kinder hat. Eigentlich ein spannender Ansatz - wenn die Tonalität nicht oft so ganz anders wäre, als wir es von Potter kennen. Die Geschichte wirkt nicht so durchdacht, wie es die detailverliebten und überraschenden Vorgänger waren, sondern weist an vielen Stellen kleine Logik-Fehler auf. Und die Charaktere haben sich in den Jahren entweder sehr wenig oder in unerwartete Richtungen entwickelt. Vor allem der zentrale Konflikt zwischen Harry und seinem Sohn Albus wirkt stark konstruiert.

Schön ist es immer dann, wenn das Buch es schafft, typische Momente der Zauberschule aufzugreifen und sie mit dem Nachwuchs durchzuspielen. Potter-Fans wird das Herz höher schlagen, wenn Albus zum ersten Mal in den Hogwarts-Express steigt oder den sprechenden Hut aufgesetzt bekommt. Überhaupt ist es schön, die Möglichkeit zu haben, noch einmal in das Potter-Universum einzutauchen. Da sich die Erzählung aber über mehrere Jahre streckt, wirkt vieles zu verkürzt. Zahlreiche Witze, besonders die von Ron, kommen platt daher - funktionieren vielleicht besser für ein Live-Publikum im Theater.

Für Potter-Fans ist das Buch natürlich trotzdem ein Muss. Wer kann, sichert sich aber vielleicht lieber Karten zum Theaterstück. Das soll laut Fans und Kritikern ein kleines Meisterwerk geworden sein. 

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