Es passiert nicht oft, dass Prominente Journalisten applaudieren. Eine dieser seltenen Gelegenheiten ist die Verleihung des Henri-Nannen-Preises, wo Journalisten für ihr Werk geehrt wurden. Und selbst Günther Jauch ins Plaudern kam. Von Claudia Pientka

Bunte Mischung: Die Juroren und ein Moderator Frank Schirmacher, Peter-Matthias Gaede, Hans Werner Kilz, Cordt Schnibben, Thomas Osterkorn, Günther Jauch, Alica Schwarzer, Helmut Markwort, Elisabeth Biondi, Elliott Erwitt und Giovanni di Lorenzo© Axel Kirchhoff
Es war schon eine ungewöhnliche Woche in Hamburg: Seit mehr als zehn Tagen schien die pralle Sonne auf die sonst so verregnete Hansestadt und just in dem Moment als Deutschlands Lieblingsmoderator Günther Jauch zu einem Auftrag auf die Bühne des Deutschen Schauspielhauses eilte, ergoss sich ein Regenschauer über seine breiten Schultern. Eine künstliche Regenwand über den Theaterbrettern hatte den Moderator nasskalt erwischt. So musste Jauch seinen Job mit triefendem Jackett erledigen: "Diese Nummer war heute so nicht geplant", erklärte er dem lachenden Publikum, "aber vermutlich ist das die Strafe dafür, dass ich als einziger heute Abend keinen Smoking trage."
Wofür sich der sonst immer korrekt gekleidete Moderator am Freitagabend so außer Reihe angezogen hatte, war die Verleihung des Henri-Nannen-Preises, einer Veranstaltung, auf der herausragende journalistische Leistungen geehrt werden. Denn statt Schauspielern, Musikern und Künstlern sollten hier diejenigen im Vordergrund stehen, die sonst hinter ihren Artikeln verschwinden. Verkehrte Welt für einen Abend: Autoren auf der Bühne, diesmal beklatscht von den Stars im Publikum. Der Journalistenpreis wurde erst zum zweiten Mal in dieser Form vergeben, er war erst im vergangenen Jahr aus dem alterwürdigen Egon-Erwin-Kisch-Reportagepreis hervorgegangen.
So waren einige Prominente gekommen, um der schreibenden Zunft zu applaudieren: Gudrun Landgrebe stolzierte über den roten Teppich, Jette Joop und ebenso Dieter Wedel, der sich mit verspiegelter Pilotenbrille vor dem Blitzlichtgewitter schützte. Musikalisch wurde der Abend begleitet von den "Massiven Tönen" und der deutschen "Eurovision Song Contest"-Hoffnung "Texas Lightning". Doch vor allem war es ein Abend von Journalisten für Journalisten und so war schon die Jury der Auszeichnung hochkarätig besetzt: Elisabeth Biondi (Visuals Editor "The New Yorker"), der Fotograf Elliott Erwitt und die Chefredakteure Peter-Matthias Gaede ("Geo"), Hans Werner Kilz ("Süddeutsche Zeitung"), Roger Köppel ("Die Welt"), Giovanni di Lorenzo ("Die Zeit"), Helmut Markwort ("Focus"), Thomas Osterkorn ("Stern"), Frank Schirrmacher ("Frankfurter Allgemeine Zeitung"), Cordt Schnibben (Ressortleiter "Der Spiegel") und Alice Schwarzer ("Emma").

Führte souverän durch den Abend: Moderator Günther Jauch mit dem Preisträger für die beste humorvolle Berichterstattung Kurt Kister© Axel Kirchhoff
Mehr als 870 Arbeiten waren für die unterschiedlichen Kategorien eingereicht worden und doch wurde der erste Preis ohne Bewerbung vergeben. Vorsichtig stakste die Laudatorin Ayaan Hirsi Ali die breite Bühnentreppe hinunter und warb für die Pressefreiheit, die ihrer Meinung nach auch das Recht beinhalten sollte, zu beleidigen. Doch ausgezeichnet für die Kategorie "Pressefreiheit" wurde Hrant Dink, Journalist und Herausgeber der zweisprachige Wochenzeitschrift "Agos". Seit Jahren verleiht er der unterdrückten armenischen Minderheit in der Türkei eine Stimme und wurde dafür mehrfach verklagt und inhaftiert. Seine Rede, in der an die dunkle Seite aller Nationen erinnerte, hielt er so flammend, dass er sogar seinen Preis vergaß: Später musste er sich zurück auf die Bühne schleichen um die Büste des stern-Gründers Henri Nannen zu holen.
Auf eine Traumreise nahm die Stuttgarter Band "Massive Töne" das Publikum mit. "Ich mach mit dir 'ne Traumreise, in dem ich den Globus dreh' und mit dem Finger drauf zeige" sangen sie. Auf eine andere Reise hatten die nominierten Fotografen in der Kategorie "Beste fotografische Autorenleistung" ihre Betrachter mitgenommen: Ein wilder Motorradritt von Peking nach Berlin, eine mehrjährige Suche nach der Antwort auf die Frage "Warum glaubt der Mensch" und, die Gewinnerreportage, mit auf den Gesundungsweg der Soldatin Jessica Clements, die schwerstverletzt aus dem Irak zurückgekehrt war.