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7. Mai 2010, 22:19 Uhr

stern mit Journalistenpreis ausgezeichnet

Für ihren Beitrag "Amerikas dunkles Geheimnis" im stern sind die Journalisten Katja Gloger, Jan-Christoph Wiechmann und Giuseppe Di Grazia mit einem Henri Nannen Preis ausgezeichnet worden. Ehrengast bei der Verleihung in Hamburg war Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der einen "Henri" für sein Lebenswerk erhielt.

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Für sein Lebenswerk ausgezeichnet: Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, hier im Gespräch mit "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo© Malte Christians/DPA

In einer feierlichen Zeremonie wurde am Freitagabend im Hamburger Schauspielhaus der Henri Nannen Preis verliehen. Damit zeichnet das Verlagshaus Gruner + Jahr und der stern seit 2005 Journalisten für hervorragende Leistungen aus. Eine 13-köpfige Jury hatte 18 Preisträger in acht verschiedenen Kategorien ausgewählt, rund 1200 prominente Gäste aus Medien, Kultur und Politik waren anwesend.

In der Königsdisziplin "Reportage" (der Egon-Erwin-Kisch-Preis) ging der "Henri" an eine Autorin des Magazins "Geo". Hania Luczak erhielt die Auszeichnung für ihre Reportage "Ein neuer Bauch für Lenie" über das Schicksal von Menschen, die ohne künstliche Ernährung nicht lebensfähig sind, weil ihr Darm keine Nahrung verarbeiten kann. Nach zehn Monaten Vorarbeit konnte die Autorin die erste Einpflanzung eines gesunden Darmes an einem dreijährigen Kind verfolgen. "Sie hat daraus eine Wissenschaftsreportage gemacht, die bewegend ist und genau, präzise, empathisch und frei von Kitsch", würdige stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn die Preisträgerin.

Der Preis für "Pressefreiheit" ging an unterdrückte iranische Journalistinnen und Journalisten. Stellvertretend nahm der iranische Korrespondent und Dokumentarfilmer Maziar Bahari den Preis von Georg Mascolo, Chefredakteur des Magazins "Spiegel" entgegen.

Für sein umfangreiches publizistisches Lebenswerk wurde Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt ausgezeichnet. Der 91-jährige antwortete auf die Frage des "Zeit"-Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo, was ihm in letzter Zeit in der Presse am wenigsten gefallen habe: "Ich finde das nicht in Ordnung, den Leuten Angst zu machen." Schmidt nannte ausdrücklich die Berichterstattung von "Bild" und "Spiegel" über die Finanzkrise Griechenlands. "So wie wir früher von anderen Hilfe bekommen haben, müssen wir auch anderen helfen", sagte der frühere SPD-Politiker.

"Eine dem Gemeinwohl verpflichtete moralische Instanz"

stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn fand lobende Worte für den Preisträger: "Helmut Schmidt ist vom Politiker zum Erfolgsautor und Herausgeber geworden. Er kann auf ein beeindruckendes publizistisches Lebenswerk zurückblicken. Seine Bücher, Leitartikel und Essays haben ihn in der öffentlichen Wahrnehmung zu einer überparteilichen, nur dem Gemeinwohl verpflichteten moralischen Instanz werden lassen. Wir freuen uns, diesen großen Publizisten und Elder Statesman mit dem Henri Nannen Preis auszeichnen zu dürfen."

Den Henri Nannen Preis für die "Beste investigative Leistung" vergibt die Jury an drei Redakteure vom "Spiegel". Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt hatten nachgeforscht, welche Rolle Thomas Middelhoff beim Untergang des Arcandor-Konzerns gespielt hatte, und waren dabei auf einen Wirtschaftsskandal und fragwürdige Bereicherungen gestoßen. Die Jury lobte die "großartige Rechercheleistung, die über Wochen immer neue Enthüllungen zu Tage förderte."

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Erhalten den Preis für ihren stern-Artikel "Amerikas dunkles Geheimnis": Katja Gloger, Jan Christoph Wiechmann und Giuseppe Di Grazia© Malte Christians/AP

Zum ersten Mal gab es einen Henri Nannen Preis für den stern: Für den Beitrag "Amerikas dunkles Geheimnis" wurden Katja Gloger, Jan Christoph Wiechmann und Giuseppe Di Grazia in der Kategorie "Dokumentation" ausgezeichnet. Die Jury war beeindruckt von ihrem Bericht, der "auf beklemmende Weise nachzeichnet, wie die USA, die wichtigste Demokratie der Welt, zu einem Folterstaat wurde; wie ein ganzer Staat auf die dunkle Seite wechselte und mit Druck und Versprechungen Menschen zu willfährigen Mittätern machte."

Sonderpreis für das "SZ Magazin"

In der Kategorie "Herausragende unterhaltsame, humorvolle Berichterstattung" wurden Andreas Bock, Dirk Gieselmann, Fabian Jonas und Lucas Vogelsang für ihren unterhaltsamen "11Freunde-Liveticker" ausgezeichnet. Der Preis für die beste Fotoreportage ging an Tomàs Munita. Für das Magazin "Geo" hatte er die mühselige Guano-Ernte auf einer Felseninsel vor der Küste Perus beobachtet.

Einen Sonderpreis vergab die Jury an das Magazin der "Süddeutschen Zeitung". Gegen den Widerstand der Bundeswehr hatten Marc Baumann, Martin Langeder, Mauritius Much und Bastian Obermayer mehr als hundert Feldpostbriefe und E-Mails deutscher Soldaten aus Afghanistan gesammelt und veröffentlicht. Diese Feldpost, so die Begründung Jury, "vermittelt ein authentisches Gefühl dafür, wie die Deutschen in den Krieg und der Krieg zu den Deutschen kam. Eine ferne Front ist plötzlich ganz nah."

Sämtliche Infos und Bilder von der Preisverleihung finden sie auf www.henri-nannen-preis.de.

DPA/be
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
stasicom (08.05.2010, 13:03 Uhr)
Lieber Helmut Schmidt...
als Sie Bundeskanzler waren, pubertierte ich gerade vom Jungspund zum jungen Erwachsenen.

Arbeitslosigkeit, Existenzangst, Volks-Depression waren nicht vorhanden, oder weit, weit weg.

Meine Mutter nannte Sie "Schmidt-Schnauze" und das war ganz und gar nicht böse gemeint.

Damals habe ich auch politisches Denken gelernt und zurückschauend bin ich froh, das es genau in dieser Zeit war.

Dafür meinen Dank.

P.S.
Das Bild mit Kopfhörer und Menthol-Zigarette ist "megacool"

mfg stasicom
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