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Henryk M. Broder wünscht Kolleginnen Erfahrung mit "Rape Culture"

Henryk M. Broder liebt die Provokation. Doch nun hat es der Publizist zu weit getrieben: Er wünschte zwei Redakteurinnen "zu erfahren, was Rape Culture bedeutet.“ Seine Tätigkeit bei der "Welt" ist vorerst nicht gefährdet.

Henryk M. Broder

Polarisiert gerne, geht dabei aber manchmal über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus: Publizist Henryk M. Broder.

Der Publizist Henryk M. Broder ist bekannt dafür, in seinen Texten zu polarisieren. Wo andere mit dem Florett arbeiten, packt er gerne den Säbel aus und haut kräftig auf alles drauf, was ihm nicht gefällt. Dabei argumentiert Broder außerordentlich intelligent und mit viel Witz. So sind seine Texte auch dann lesenswert, wenn man seine Position inhaltlich nicht teilt. Die ist streng anti-muslimisch: Seiner Ansicht nach pflegt die deutsche Gesellschaft einen viel zu laxen Umgang mit dem Islam und legt oftmals eine falsche Toleranz an den Tag.

Kein Wunder, dass sich Broder über einen Text im "Tagesspiegel" ärgerte, in dem zwei Redakteurinnen versuchten, auf eigenwillige Art die Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof in der Silversternacht herzunterzuspielen. Sie gingen darin so weit, zu mutmaßen, dass gar nicht alle Frauen Opfer seien, sondern manche aus politischen Gründen Anzeige gestellt hätten - weil sie etwas gegen Flüchtlinge haben.

Schlimme Entgleisung

Das kann man als haarsträubenden Unsinn abtun - und Broder hat das in dem Blog "Achse des Guten" auch getan. Doch am Ende des - in großen Teilen pointierten und amüsanten Textes - ließ sich der Publizist zu einer unglaublichen Entgleisung hinreißen: "Und den beiden Frauen vom Tagesspiegel wünsche ich", beschloss er seine Suada, "dass sie vom IS nach Rakka eingeladen werden, um zu erfahren, was Rape Culture bedeutet."

Damit löste Broder eine Welle der Empörung aus. Weil Broder für die "Welt"-Gruppe schreibt, äußerten sich Journalisten des Axel Springer Verlags. "Bild am Sonntag"-Redakteurin Miriam Hollstein klagte in einem Tweet über "Autoren, die sich um die Werte des Abendlands sorgen und Journalistinnen Vergewaltigungen wünschen." 

"Mindestens geschmacklos"

Sogar "Welt"-Chefredakteur Stefan Aust bezog Stellung: "So aus dem Zusammenhang gerissen wirkt die inhaltliche Aussage Broders in der Tat mindestens geschmacklos", sagte Aust "süddeutsche.de". Gleichzeitig verwies er auf den Gesamtzusammenhang des Artikels und erklärte sich für nicht verantwortlich: "Als Chefredakteur der Welt bin ich aber nur zuständig für das, was Henryk Broder bei uns veröffentlicht."

So dürfte Broders Entgleisung vorerst keine Konsequenzen haben. Im Gegensatz zu Matthias Matussek, der sich mit einem unpassenden Facebook-Posting zu den Paris-Attentaten ins Aus bugsierte, wird der wortmächtige Publizist auch weiterhin für die "Welt"-Gruppe schreiben. Wenn er sich im Griff behält und derartige Aussetzer künftig vermeidet, wäre das für alle ein Gewinn.

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